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14.05.2016

09:48 Uhr

Moody’s senkt Rating

RWE vor Ramsch-Niveau

Der Atomausstieg kostet RWE Milliarden, nun wird auch die Refinanzierung teurer: Die Ratingagentur Moody’s senkt die Bewertung auf „Baa3“ – und damit nur eine Stufe vor Ramsch-Niveau. Besser erging es dem Konkurrenten Eon.

Eine weitere Herabstufung müsse RWE vorerst nicht befürchten, so der Ausblick von Moody’s. dpa

Lage „stabil“

Eine weitere Herabstufung müsse RWE vorerst nicht befürchten, so der Ausblick von Moody’s.

BerlinDie Ratingagentur Moody’s hat den Energiekonzern RWE heruntergestuft. Die Bonitätswächter senkten ihre Bewertung der Kreditwürdigkeit auf „Baa3“ von zuvor „Baa2“. Damit ist RWE nur noch eine Stufe vom sogenannten Ramschstatus entfernt, bei dem Investments als spekulativ gelten. Eine weitere Herabstufung muss der Konzern aber derzeit nicht fürchten, den Ausblick setzte Moody’s am Freitag mit stabil fest. Die Agentur führte zwei Gründe für die Herabstufung an. Zum einen stünde RWE wegen der niedrigen Strompreise weiter unter Druck. Zum anderen könnten die Empfehlungen der Atomkommission des Bundes den Konzern zusätzlich belasten. RWE selbst hat bereits befürchtet, dass dies das Rating gefährden könnte.

Eine schlechtere Bonitätsnote erhöht die Refinanzierungskosten eines Unternehmens. RWE drücken Schulden von 28 Milliarden Euro, beim Konkurrenten Eon sind es 26,6 Milliarden Euro. RWE ging jüngst auf Konfrontationskurs zur Atomkommission. Die hat empfohlen, dass die vier AKW-Betreiber Eon, RWE, EnBW und Vattenfall 23,3 Milliarden Euro in einen staatlichen Fonds zur Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung des Jahrtausende strahlenden Atommülls einzahlen sollen. Damit gehe die Kommission über das wirtschaftlich Verantwortbare hinaus, klagte RWE.

Die deutschen Atomkraftwerke und ihre Restlaufzeiten

Schrittweiser Automausstieg

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 nahm die Bundesregierung ihre erst ein Jahr zuvor vereinbarte Laufzeitverlängerung für die Kernkraftwerke zurück und beschloss einen schrittweisen Atomausstieg. Statt frühestens 2036 soll nun der letzte Meiler bis 2022 vom Netz gehen. Acht AKW wurden 2011 sofort stillgelegt.

Rückbau

Der Rückbau wird Jahre dauern und Milliarden kosten - hinzu kommen die ungewissen Kosten bei der Endlagerung des Atommülls. Die Restlaufzeiten der noch in Betrieb befindlichen Reaktoren:

Neckarwestheim II (Baden-Württemberg)

Haupteigentümer: EnBW

Nennleistung in Megawatt: 1395

Restlaufzeit: fünf Jahre (1989 - 2022)

Philippsburg II (Baden-Württemberg)

Haupteigentümer: EnBW

Nennleistung in Megawatt: 1458

Restlaufzeit: zwei Jahre (1984 - 2019)

Isar II (Bayern)

Haupteigentümer: Eon

Nennleistung in Megawatt: 1475

Restlaufzeit: fünf Jahre (1988 - 2022)

Gundremmingen B (Bayern)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1344

Restlaufzeit: bis Ende des Jahres (1984 - 2017)

Gundremmingen C (Bayern)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1344

Restlaufzeit: vier Jahre (1984 - 2021)

Grohnde (Niedersachsen)

Haupteigentümer: Eon

Nennleistung in Megawatt: 1360

Restlaufzeit: vier Jahre (1984 - 2021)

Emsland (Niedersachsen)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1400

Restlaufzeit: fünf Jahre (1988 - 2022)

Brokdorf (Schleswig-Holstein)

Haupteigentümer: Eon/Vattenfall

Nennleistung in Megawatt: 1440

Restlaufzeit: vier Jahre (1986 - 2021)

Im Gegensatz zu RWE bestätigte Moody’s die Ratings für Eon und Vattenfall mit „Baa1“ und „A3“. Die Gefahr für eine Herabstufung ist aber nicht gebannt. Beide Versorger haben wegen der Empfehlungen der Atomkommission einen negativen Ausblick. Bei E.ON könnte sich die Abspaltung der Kraftwerkstochter Uniper positiv auswirken, gleichzeitig muss die Hauptversammlung dem Konzernumbau noch zustimmen, teilte Moody's mit. Die schwedische Vattenfall profitiere davon, internationaler und breiter aufgestellt zu sein.

Von

rtr

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