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10.12.2015

15:44 Uhr

MVV Energie

Windtochter Juwi verhagelt MVV die Bilanz

VonFranz Hubik, Andreas Dörnfelder

Grüner, flexibler, effizienter: So sieht der Stadtwerkekonzern MVV die Energiewelt der Zukunft. Doch ausgerechnet die Ökotochter Juwi vermiest dem Unternehmen das Jahresergebnis. Margen wie einst? Die sind sowieso passé.

„Wir haben die Ergebnisdelle überwunden“, sagt MVV-Chef Müller. dpa

Windrad im Hunsrück

„Wir haben die Ergebnisdelle überwunden“, sagt MVV-Chef Müller.

Düsseldorf/FrankfurtSo kurz vor Weihnachten ist Georg Müller meist nicht allzu gut gelaunt. Schließlich muss der Chef des Mannheimer Stadtwerkekonzerns MVV Energie alljährlich just um die Festtagszeit die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr des Versorgers, das immer Ende September abgeschlossen ist, erläutern. Und da gab es in der jüngeren Vergangenheit wenig Grund zur Freude. Vier Jahre in Folge musste Müller rückläufige operative Ergebnisse verkündigen. Doch dieses Jahr ist alles anders. Findet zumindest Müller.

„Wir haben die Ergebnisdelle überwunden“, jubelte der MVV-Chef bei der Präsentation der Bilanz in Frankfurt. Seine Botschaft an die versammelte Presse im Auditorium gleich neben dem Commerzbank-Tower: Drei Prozent über Vorjahr. Ein Gewinn vor Steuern und Abschreibungen in der Höhe von 175 Millionen Euro. Zweifelsohne: ein Erfolg. Wenn da nicht noch ein paar andere Kennzahlen wären.

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Der Umsatz sackte allein in den vergangenen beiden Jahren um satte 600 Millionen ab – von mehr als vier Milliarden auf nur noch 3,4 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalquote schmolz im Vergleich zum Vorjahr um rund zwei Prozent. Die flüssigen Mittel verringerten sich um 108 Millionen Euro – auf nur mehr 263 Millionen Euro. Die Nettofinanzschulden stiegen um rund 280 Millionen – auf 1,34 Milliarden Euro. Und nach Steuern und Abschreibungen machte MVV Energie sogar gut eine Million Euro weniger Gewinn (92 Millionen) als im Vorjahr. Einer der Hauptgründe für die Kratzer in der Bilanz: die Ökotochter Juwi.

MVV Energie hatte Ende 2014 rund hundert Millionen Euro für 50,1 Prozent an Deutschlands führendem Projektentwickler von Wind- und Solarparks erworben und die Firma vor der Pleite gerettet. Im August mussten die Mannheimer aber noch einmal 70 Millionen Euro via Kapitalerhöhung nachschießen. Denn die 40 Banken und Versicherungen, die dem Unternehmen bis Ende 2018 einen Konsortialkredit von 300 Millionen Euro gewährten, wurden nervös. Die Geschäfte bei Juwi liefen schlecht. Wie schlecht, zeigt die Bilanz der Mutter.

Von Januar bis Ende September häufte Juwi einen Verlust von fast 32 Millionen Euro an. „Ein einmaliger Sondereffekt“, kommentiert Georg Müller. Der MVV-Chef will sich sein teures Töchterchen nicht schlecht reden lassen. Das negative Ergebnis von Juwi sei „keine Überraschung“. Schließlich seien die ersten drei Quartale bei Projektentwicklern naturgemäß die Zeit für Planung, Bau und Entwicklung von Solar- und Windparks. Das koste. „Abgerechnet werden die Projekte erst im vierten Quartal“, sagte Müller und bekräftigte abermals: Nach einem Verlust von 112 Millionen Euro 2014, werde Juwi dieses Jahr den Turnaround schaffen und schwarze Zahlen schreiben.

Dieser „Ergebnisbeitrag von Juwi“, der im zweistelligen Millionenbereich liegen soll, werde aber erst in die nächste Bilanz von MVV Energie einfließen. Denn aufgrund der unterschiedlichen Abschlusstermine, werden in dem 12-Monatsergebnis von MVV Energie nur die ersten neun Monate von Juwi eingerechnet.

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