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19.07.2013

12:08 Uhr

Nach der Insolvenz

Deutsche Solarfirma Conergy wird amerikanisch

VonDana Heide

Es gibt Hoffnung für die Conergy-Mitarbeiter – aber nur ein bisschen: Ein US-Investor will Teile des insolventen Solarunternehmens kaufen. An den Werken in Frankfurt an der Oder und Rangsdorf hat er aber kein Interesse.

Mitarbeiter im Conergy-Werk in Rangsdorf (Brandenburg): Ein US-Investor will bei dem insolventen Solarunternehmen einsteigen. dpa

Mitarbeiter im Conergy-Werk in Rangsdorf (Brandenburg): Ein US-Investor will bei dem insolventen Solarunternehmen einsteigen.

DüsseldorfDie 1200 Mitarbeiter des insolventen Solarunternehmens und einstigen Börsenstars Conergy können erst einmal ein wenig aufatmen. Man habe einen Investor gefunden, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Der US-amerikanische Finanzinvestor Kawa Capital Management wolle die globalen Vertriebseinheiten von Conergy und die damit verbundenen notwendigen Verwaltungs-, Management- und Infrastrukturfunktionen übernehmen. Auch die Marke „Conergy“ sei Teil des Vertrags. Eine entsprechende Absichtserklärung sei unterzeichnet. In der zweiten Augusthälfte soll der Kaufvertrag unterschriftsreif sein.

Conergy hatte am 5. Juli beim Hamburger Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Unternehmen kämpft seit Jahren ums Überleben. Auch eine für die Aktionäre schmerzhafte Umschuldung im Jahr 2011 brachte nicht die erhoffte Wende. Die schwere Branchenkrise machte die erhoffte Erholung zunichte. Conergy hatte zuletzt auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Die beiden Conergy Produktionseinheiten Mounting Systems und Conergy SolarModule seien nicht Bestandteil der geplanten Übernahme, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens. Für beide Tochtergesellschaften suche der vorläufige Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz weiterhin separate Lösungen. Conergy-Chef Philip Comberg machte Hoffnung, dass die Zukunft des Unternehmens mit dem Einstig von Kawa dauerhaft gesichert ist. „Kawa ist unser Wunschpartner. Wir haben bereits seit Monaten intensive Verhandlungen zum Einstieg bei Conergy geführt und waren uns über die Zukunftsstrategie für Conergy schon lange einig“, sagte Conergy-Chef Philip Comberg. „Mit Kawa haben wir einen starken Finanzpartner an unserer Seite, der langfristig in das Unternehmen investiert.“

Kawa wolle neben den beiden deutschen Gesellschaften Conergy Deutschland und Conergy Services auch weitere internationale Tochtergesellschaften erwerben. Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz ist zuversichtlich, dass durch den Einstieg des US-Investors „eine Vielzahl von Arbeitsplätzen“ erhalten werden könnten. Die Modulfertigung in Frankfurt an der Oder, bei der 320 Mitarbeiter beschäftigt sind, werde bereits am Montag wieder aufgenommen.

Der US-Finanzinvestor Kawa Capital Management ist mit einem verwalteten Vermögen von gut 380 Millionen Euro ein vergleichsweise kleiner Akteur in der Multimilliarden-Branche. Das 2007 in Miami gegründete Unternehmen bezeichnet sich selbst als langfristig orientierten Anleger. Dabei hat es sich auf den Aufkauf von problematischen Krediten konzentriert. Zugleich legt es Kundengelder etwa in Immobilienfonds an. Künftig will Kawa auch Fonds für den Betrieb von Solarparks auflegen. Um diese zu bauen, holt es sich nun das Hamburger Unternehmen Conergy zumindest zu Teilen dazu.

Mit Material von dpa.

 

Kommentare (3)

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sailing

19.07.2013, 10:52 Uhr

..."Kawa Capital Management mit Sitz in Miami, Florida, wolle die globalen Vertriebseinheiten von Conergy und die damit verbundenen notwendigen Verwaltungs-, Management- und Infrastrukturfunktionen übernehmen, einschließlich der Marke „Conergy“"....,

was in aller Welt sind denn <<Infrastrukturfunktionen>>

Wenn 100 MA übernommen werden, dann kann man sich glücklich schätzen, denn Amerikaner kaufen normalerweise "Umsatz oder Kunden"

HofmannM

19.07.2013, 11:47 Uhr

@sailing
Infrastrukturfunktionen wird nichts anderes heißen, dass die Amis noch Geld vom Land oder Bund dafür bekommen, wenn Sie sich diese Conergy Firma kaufen und noch einige Zeit lang über Wasser halten. Somit ist der deutsche Politiker über die Bundestagswahl gerettet und die Amis sind auch zufrieden...solange der Preis passt..wie war das nochmal bei Karstadt???

Account gelöscht!

19.07.2013, 12:54 Uhr

Die us-amerikaner kaufen ein Vehikel, mit dem sie Subventionen aus Deutschland in ihre Taschen lenken können.

Der Name und einige Büroschwengel der conergy können ihnen dabei nützlich sein. Und vielleicht kann man noch bisschen Staatsknete für dies und das abgreifen.

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