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15.04.2014

14:24 Uhr

Nach Fukushima-Katastrophe

Eon will Geld wegen Atom-Moratorium zurück

RWE hat mit seiner Klage gegen das Atom-Moratorium 2011 für das Kraftwerk Biblis Recht bekommen. Nun fordert auch Eon für seine abgeschalteten Kernkraftwerke Schadenersatz. Es geht um dreistellige Millionensummen.

Kernkraftwerks Isar I: Eon will Schadensersatz für die Zwangsabschaltung. dpa

Kernkraftwerks Isar I: Eon will Schadensersatz für die Zwangsabschaltung.

DüsseldorfDeutschlands größter Energiekonzern Eon fordert Schadenersatz für die Zwangsabschaltung seiner Atomkraftwerke Unterweser und Isar 1 nach der Fukushima-Katastrophe 2011. Die Größenordnung liege bei etwa 250 Millionen Euro, bestätigte ein Eon-Sprecher am Dienstag einen Bericht der „Rheinischen Post“ (Dienstag). Die Entschädigungen seien gegenüber den Ländern Niedersachsen und Bayern sowie dem Bundesumweltministerium geltend gemacht worden. Wenn die staatlichen Stellen sich weigerten, werde Eon den Rechtsweg einschlagen, sagte der Sprecher.

Nach dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima 2011 waren die ältesten Kernkraftwerke in Deutschland binnen weniger Tage auf Betreiben des Bundes stillgelegt worden.

Eon-Konkurrent RWE hatte sich mit einer Klage gegen die Stilllegung seines Atomkraftwerkes in Biblis (Hessen) im März 2011 letztinstanzlich durchgesetzt: Das Bundesverwaltungsgericht entschied im Januar 2014, dass die Abschaltung rechtswidrig gewesen sei. RWE steht damit der Weg einer Zivilklage gegen Hessen offen. Der mögliche Schadenersatz wird auf rund 200 Millionen Euro geschätzt.

Wieviel Erneuerbare die Energieversorger haben

RWE

Laut einer Studie, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace Ende Februar 2014 veröffentlichte, hat von RWE in Europa produzierter Strom einen Anteil von Wasserkraft von 2 Prozent und einen Anteil von anderen Erneuerbaren Energien von weiteren zwei Prozent. Die Zahl bezieht sich auf die tatsächlich erzeugte Strommenge, nicht auf die Kapazitäten.

Eon

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon produziert insgesamt drei Prozent seines in Europa hergestellten Stroms aus Erneuerbaren Energien inklusive Windkraft und steht damit im Vergleich schlechter da als Konkurrent RWE.

Vattenfall

Der schwedische Konkurrent Vattenfall produzierte insgesamt vier Prozent seines Stroms in Europa mithilfe regenerativer Energiequellen.

EnBW

EnBW steht im Vergleich der großen vier Energieversorger in Deutschland am schlechtesten da. Das Unternehmen gewinnt nur insgesamt zwei Prozent seines Stroms europaweit aus erneuerbaren Quellen.

Eon habe diesen Weg zunächst nicht gehen wollen, um nach Fukushima in die ohnehin angeheizte Debatte nicht noch Öl zu gießen, sagte ein Eon-Sprecher. Nachdem hohe Gerichte signalisiert hätten, dass es einen Forderungsanspruch gebe, müsse der Konzern aber schon im Interesse der Aktionäre handeln.

Damit könnten die großen Atomkonzerne möglicherweise erneut von hohen Rückerstattungen wegen staatlicher Eingriffe in die Atomwirtschaft profitieren. Am Montag hatte das Finanzgericht Hamburg den Betreibern von Atomkraftwerken die Rückerstattung von insgesamt 2,2 Milliarden Euro Brennelementesteuer zugesichert. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig, aber die Versorger bekommen vorläufig ihr Geld zurück.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

15.04.2014, 14:33 Uhr

Solche Waschlappen bei den EON-Managern...Sie wollten nicht noch Oel ins Feuer gießen, deshalb haben sie erst mal abgewartet....Die EON-RWE-Vattenfall-ENBW Manager (Kernkraft Eigner) hätten von Anfang an auf den politischen Tisch hauen müssen!!!
Nur noch Weicheier in den Energiekonzern (Kernkraftwerk) Zentralen von EON, ENBW, RWE und Vattenfall!

Account gelöscht!

15.04.2014, 14:36 Uhr

Haben die Stromkonzerne irgendetwas gezahlt, als die CDU/FDP-Regierung die Laufzeiten der Kraftwerke verlängerte?

Account gelöscht!

15.04.2014, 15:29 Uhr

@Franz_I
Ja, die Brennelemente-Steuer. Der Deal war seinerzeit die Laufzeitverlängerung durchzuwinken und die Konzerne mussten im Gegenzug die Brennelemente-Steuer zahlen. Dann kam Fukushima und der (begründungslose) Entzug der Betriebserlaubnis (die man gerade vorher verlängert hatte). Die Konzerne klagten anschliessend gegen die Brennelemente-Steuer und den Entzug der Betriebserlaubnis. Die Sache mit der Brennelemnente-Stuer ist vor dem FG Hamburg gewonnen worden, also in 1. Instanz. Weiteres muss man abwarten. Allerdings: der Entzug der Eigentumsrechte bei Kraftwerken mit gültiger Betriebserlaubnis? Erfolgte auf welcher Grundlage? Wenn das verfassungsgemäß war....

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