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03.12.2013

15:31 Uhr

Nach Kapitalerhöhung

Thyssen verliert schützende Hand der Krupp-Stiftung

Die Kapitalerhöhung bei Thyssen-Krupp hat weitreichende Folgen. Die mächtige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung verliert die Sperrminorität bei dem Stahlkonzern und die Villa Hügel büßt Einfluss ein.

Villa Hügel in Essen: Hier residiert die Krupp-Stiftung. Sie verliert an Einfluss bei Thyssen-Krupp. dpa

Villa Hügel in Essen: Hier residiert die Krupp-Stiftung. Sie verliert an Einfluss bei Thyssen-Krupp.

Frankfurt/DüsseldorfDie mächtige Krupp-Stiftung hat nach Informationen des Handelsblatts bei der Kapitalerhöhung von Thyssen-Krupp nicht mitgezogen und verliert deshalb ihre Sperrminorität an dem Dax-Konzern. Die Beteiligung der Stiftung sei auf 22,99 Prozent gesunken, teilte eine Sprecherin in Essen mit. Damit kann die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung kein Veto mehr gegen eine eventuelle feindliche Übernahme Thyssen-Krupps einlegen.

Die Stiftung bestätigte am Mittag, die frische Aktien nicht gezeichnet zu haben. Sie bleibt aber „verlässliche Ankeraktionärin des Konzerns“, so Stiftungschefin Ursula Gather. Im Vorfeld der Transaktion hatte Gather hingegen eine Beteiligung nicht ausgeschlossen. Eine solche könnte auch über Kredite finanziert werden, hatte sie gesagt. Allerdings machte sie damals zugleich deutlich, dass für die Stiftung eine Beteiligung unter der Schwelle von 25 Prozent kein Beinbruch wäre. „Ich bin Mathematikerin und weiß, nie sind Zahlen in Stein gemeißelt.“

Nach Informationen des „Wall Street Journal“ darf die Stiftung mit der geringeren Beteiligung künftig nur noch zwei Aufsichtsratsmitglieder entsenden statt wie bisher. Dies sehe die Satzung von Thyssen-Krupp so vor. Bis zum Ende ihrer Amtszeit, also zur Hauptversammlung im Jahr 2015, sollen aber alle drei Vertreter Mitglied des Kontrollgremiums bleiben.

Die größten Baustellen von Thyssen-Krupp

Einleitung

Im Geschäftsjahr 2012/13 fuhr Thyssen-Krupp das dritte Mal in Folge einen Nettoverlust ein. Mit einem Fehlbetrag von 1,5 Milliarden Euro fiel dieser zwar niedriger aus als die fünf Milliarden Euro Miese im Jahr zuvor. Die Aktionäre müssen jedoch erneut auf eine Dividende verzichten. Das könnte auch im neuen Geschäftsjahr 2013/14 der Fall sein. Thyssen-Krupp will zwar operativ zulegen, für einen Nettogewinn könnte es aber erneut nicht reichen. Zudem schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte, sondern auch das Geschäft mit dem Werkstoff in Europa und mit Teilen für die Automobilindustrie.

Ertragsschwäche

Thyssen-Krupp fuhr im Geschäftsjahr 2011/12 einen Nettoverlust von fast fünf Milliarden Euro ein. In den ersten neun Monaten des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahres 2012/13 waren es rund 1,2 Milliarden Euro. Analysten zufolge schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte. Auch das europäische Stahlgeschäft, der Großanlagenbau, der Verkauf von Autoteilen und die Aufzugssparte hätten im Geschäftsjahr weniger verdient. Der Handel mit Werkstoffen und das Dienstleistungsgeschäft habe hingegen zugelegt.

Stellenabbau

Für Unruhe im Konzern sorgen auch die Pläne zum Abbau tausender Arbeitsplätze. In der Verwaltung sollen 3000 Jobs wegfallen. In der Stahlsparte will Thyssen-Krupp 2000 Arbeitsplätze abbauen. Weitere 1800 Stellen könnten durch Beteiligungsverkäufe aus dem Konzern fallen. „Wir bügeln damit auch die Managementfehler der Vergangenheit aus“, hatte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath in einem Reuters-Interview gesagt. Thyssen-Krupp will damit die Kosten um 500 Millionen Euro senken. Die Summe ist Teil der insgesamt geplanten Einsparungen des Konzerns bis 2014/15 von nun 2,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 156.000 Mitarbeiter, davon etwa 58.000 in Deutschland. Ein weiterer Stellenabbau ist nach den Worten von Personalvorstand Oliver Burkhard derzeit nicht geplant.

Fehlinvestitionen in Übersee

Nach einer langen Hängepartie konnte Thyssen-Krupp das Weiterverarbeitungswerk in den USA verkaufen. Das verlustreiche Rohstahlwerk in Brasilien hängt dem Konzern immer noch wie ein Klotz am Bein. Thyssen-Krupp muss neue Abnehmer für den Werkstoff in Nord- und Südamerika finden, da das US-Werk künftig weniger abnimmt. Die Kosten für beide Werke waren auf fast 13 Milliarden Euro explodiert, mehr als acht Milliarden entfielen auf Brasilien. Das US-Werk bleibt bis zu der erhofften Freigabe des Deals durch die Regulierungsbehörden noch für Monate in den Büchern. Thyssen-Krupp erwartet in der Sparte weitere Verluste - wenn auch niedrigere als bislang.

Schulden

Dem Konzern sitzen die Ratingagenturen im Nacken. Thyssen-Krupp drücken Schulden von fünf Milliarden Euro. Das Eigenkapital schmolz zwischenzeitlich von 4,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro zusammen, durch eine im Dezember 2013 durchgezogene Kapitalerhöhung konnte es inzwischen auf 3,3 Milliarden Euro aufgebessert werden. Die Eigenkapitalquote ist einer der niedrigsten Werte eines Dax-Konzerns. Gespräche mit Banken sorgten Ende September für Erleichterung, nachdem dieser Wert über die Marke von 150 Prozent gestiegen war.

Kartellverstöße und Korruptionsvorwürfe

Der Mischkonzern wird immer wieder von Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will eine neue Unternehmenskultur, in der für krumme Geschäfte kein Platz ist. Bei illegalen Preisabsprachen war Thyssen-Krupp ein Wiederholungstäter. Einem Aufzugskartell folgten Kungeleien mit Schienenherstellern. Hier einigte sich Thyssen-Krupp nun mit der Deutschen Bahn auf Schadensersatz. Wie ein Damoklesschwert hängt zudem der Verdacht über dem Konzern, sich auch an einem möglichen Kartell von Herstellern von Blechen für die Automobilindustrie beteiligt zu haben. Ob sich dieser Verdacht bestätigt, ist offen. Sollte dies aber der Fall sein, wären die Konsequenzen nicht abzuschätzen - die Autoindustrie gehört zu den größten Kunden von Thyssen-Krupp. Welchen Stellenwert die Aufarbeitung der Verstöße hat, zeigte sich auch auf der Hauptversammlung im Januar 2014: Dort schuf Thyssen-Krupp für den ehemaligen Metro-Manager Donatus Kaufmann einen neuen Vorstandsposten für Compliance.

Ramponierter Ruf

Der Ruf des einst stolzen Unternehmens ist durch Pleiten, Pech und Pannen und die Korruptionsvorwürfe ramponiert. „Es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“, hat Konzernchef Hiesinger beklagt. Er will aufräumen und eine neue Unternehmenskultur einführen, in der Seilschaften und blinde Loyalität nicht wichtiger sind als unternehmerischer Erfolg. Dafür braucht er die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat.

Thyssen-Krupp hat 51,5 Millionen neue Aktien ausgegeben und darüber knapp 900 Millionen Euro eingenommen. Andere größere Anteilseigner haben sich an der Kapitalerhöhung beteiligt, etwa der schwedische Finanzinvestor Cevian. Er halte künftig wohl über zehn Prozent nach zuvor 6,1 Prozent, hieß es. Auch der Fonds Blackrock habe Aktien gekauft. Die Krupp-Stiftung und Cevian lehnten zunächst eine Stellungnahme ab.

Kommentare (7)

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Cook

03.12.2013, 12:07 Uhr

Guten Hunger! Das GS und JPM den "Verkauf" der Überseewerke begleitet haben, hat sich richtig gelohnt. Beifall bitte für so ein tolles Ergebnis der "Men in Black". Damit wird der Happen TK für diverse "Investoren" schön mundgerecht aufbereitet...

Gast

03.12.2013, 12:17 Uhr

Und morgen gehört der Laden zu Mittal.

Oliver42

03.12.2013, 12:32 Uhr

Also ein weiteres deutsches Unternehmen, das dann in den nächsten Jahren feindlich übernommen wird.

Mannesmann, HochTief, usw. :Ausverkauf der deutschen Grossunternehmen.

ThyssenKrupp sollte bloss aufpassen, das Ihnen das nicht passiert.

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