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14.05.2013

07:36 Uhr

Nach Teldafax und Flexstrom

Neuer Alarm auf dem Strommarkt

ExklusivNach Teldafax und Flexstrom zeichnet sich am Strommarkt der nächste Krisenfall ab. Die Netzagentur überprüft den rasant wachsenden Billigstromanbieter Care Energy. Im Insolvenzfall könnten die Kunden ohne Strom enden.

Stromleitungen: Kommt der Strom noch an, wenn Care Energy pleite geht? dapd

Stromleitungen: Kommt der Strom noch an, wenn Care Energy pleite geht?

DüsseldorfNach den Pleiten von Teldafax und Flexstrom zeichnet sich auf dem deutschen Energiemarkt nach Informationen des Handelsblatts der nächste Krisenfall ab: Die Bundesnetzagentur hat nach Informationen des Handelsblattes ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Hamburger Billigstromanbieter Care Energy eingeleitet. „Es besteht der Verdacht, dass Care-Energy durch eine eigenwillige Rechtsauslegung versucht, die Anzeigepflicht nach §5 EnWG zu umgehen und sich damit auch der Pflicht zur Zahlung der EEG-Umlage zu entziehen“, sagt Renate Hichert, Sprecherin der Bundesnetzagentur. Die Behörde habe daher „von Amts wegen gegen Care-Energy ein Ordnungswidrigkeitsverfahren nach § 95 EnWG eingeleitet.“

Care Energy ist erst seit Ende 2011 am Markt, hat nach Unternehmensangaben aber bereits 250.000 Kunden. Damit wäre es der am schnellsten wachsende Anbieter – schneller noch als seinerzeit Teldafax und Flexstrom. Care Energy gehört zu der von dem österreichischen Unternehmer Martin Kristek gegründeten und geführten MK Group. Kristek war auch Gesellschafter und Vorstand der Euroenergie AG, die 2008 Insolvenz anmeldete. Ein Care Energy Sprecher betonte, Kristek sei seinerzeit krank gewesen und habe sein Amt monatelang nicht wahrnehmen können.

Wie viel Haushalte für die EEG-Umlage pro Person monatlich zahlen müssen

Singles

2011 mussten Alleinstehende noch 6,34 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,51 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 9,49 Euro oder 0,72 Prozent des Einkommens sein.

Paare ohne Kinder

2011 mussten Paare ohne Kinder noch 6,47 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,31 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 9,68 Euro oder 0,44 Prozent des Einkommens sein.

Alleinerziehende

2011 mussten Alleinerziehende noch 5,94 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,6 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 8,88 Euro oder 0,85 Prozent ihres Einkommens sein.

Paare mit Kindern

2011 mussten Paare mit Kindern noch 5,65 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,34 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 8,45 Euro oder 0,48 Prozent ihres Einkommens sein.

Aktuell hat die Unternehmensgruppe nicht nur Ärger mit der Aufsichtsbehörde, sondern auch mit Geschäftspartnern. Nach Informationen des Handelsblattes haben drei der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber Klage gegen die Hamburger eingereicht. Dies bestätigten die Unternehmern Amprion, Tennet und 50Hertz auf Anfrage. Die Klage soll noch im Mai vor dem Landgericht verhandelt werden.

Grund der Streitigkeiten ist das Geschäftsmodell von Care Energy. Das Unternehmen bezeichnet sich nicht als Stromversorger, sondern als „Energiedienstleister“ bzw. „Contractor“. Nach eigener Auffassung ist Care Energy deshalb etwa bei der EEG-Abgabe für die Energiewende privilegiert und muss weniger zahlen als die Konkurrenz. Das Unternehmen betont, es zahle „alle nötigen Steuern und Abgaben.“

Doch die Aufsicht zweifelt. Der Bundesnetzagentur liegt ein Rechtsgutachten vor, das beim Fall Care Energy eine ganz neue Krisenqualität sieht. Wegen der ungewöhnlichen Rechtskonstruktion der Gruppe würde im Insolvenzfall die „Grund- oder Ersatzversorgung vermutlich nicht greifen“, heißt es dort. Und weiter: „Anschlusssperrungen der Endverbraucher könnten die Folge sein. Anders als bei Teldafax könnten dieses Mal die Kunden also tatsächlich (zeitweise) ohne Stromversorgung enden.“

Care Energy widerspricht auch hier. Unternehmenssprecher Marc März: „Wenn wir insolvent gehen, fallen die Kunden in die Grundversorgung. Das ist eindeutige Rechtslage.“

Kommentare (36)

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vandale

14.05.2013, 07:56 Uhr

Die Sozialisten erklären sich das Scheitern der "Energiewende" am liebsten mit pösen, neoliberalen Turbokonzernen und deren Bonusmanagern die extreme Gewinne erzielen und versperren sich so den Blick in die Realität.

Offensichtlich lässt sich aktuell mit der Verteilung und dem Verkauf von Strom an Privatkunden kaum Geld verdienen. Stromverteiler, die mit günstigen Angeboten Kunden geworben haben, gehen reihenweise pleite.

Auch in der Stromerzeugung lässt sich mit Gas- und Steinkohlekraftwerken aktuell nur Geld verdienen wenn die Kraftwerke weitgehend abgeschrieben sind.

Das spricht auch abseits der steigenden Kosten und Umlagen "Erneuerbarer Energien" eher für steigende Strompreise in Deutschland.

Vandale

Bruno

14.05.2013, 07:57 Uhr

Dem kleinsten Rentner und dem Geringverdiener werden die Kosten (zusätzliche Steuerlast) mit der Stromrechnung aufgebürdet! Sparen Sie bitte: "Duschen Sie weniger, Maggisuppe bitte nur lauwarm"!Außerdem sparen Sie durch Anbieterwechsel! Diese überhebliche "Verdummung" ist ein Hohn der Rentner und Lohnabhängigen. Ein "Stromladen" nach dem anderen geht Pleite und die wechselnden Verbraucher zahlen die Zeche! Die vermeitlichen "Einsparungen" sind ohnehin nur "Brosamen" und kompensieren nicht im Ansatz die Steuerlast der Verbraucher mit Kleinsteinkommen. Aber sind sind ja
" s o " öko! Die Steuerlast der Kleinsteinkommen durch indirekte Steuern sind in Deutschland bereits unerträglich. "Zum Glück" haben wir "rot/grün", die die Steuern weiter erhöhen wollen.

Account gelöscht!

14.05.2013, 08:24 Uhr

Die MEnschen in D werden so heftig verschaukelt, wie fast nirgendwo anders im EU Raum wenn es ums abzocken der Bürger geht.

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