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24.06.2015

16:41 Uhr

Netzbetreiber schlagen Alarm

Stromnetz unter Hochspannung

VonJürgen Flauger

Die Netzbetreiber schlagen Alarm: Die Politik darf den Ausbau nicht weiter torpedieren, um Stromausfälle zu vermeiden. Das nächste Atomkraftwerk wird in wenigen Tagen abgeschaltet. Die Stromverbraucher sind die Dummen.

„Der Zeitplan ist sehr, sehr eng – eine weitere Verzögerung können wir uns nicht leisten“. dpa

Kernprojekt Stromtrassen

„Der Zeitplan ist sehr, sehr eng – eine weitere Verzögerung können wir uns nicht leisten“.

FrankfurtAm Wochenende wird in der Nähe von Schweinfurt in Franken die nächste Phase der Energiewende eingeläutet: Das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld, der älteste aktive Reaktor, geht nach 33 Jahren vom Netz. Als im März 2011 die Atomkatastrophe von Fukushima die Welt schockierte, wurden in Deutschland acht Reaktoren unmittelbar stillgelegt. Drei Jahre war es ruhig, jetzt werden nach und nach die restlichen neun Anlagen vom Netz gehen – und damit wächst der Druck, das deutsche Stromnetz an die Energiewende anzupassen.

Die Netzbetreiber schlagen schon Alarm: Die Politik darf den geplanten Bau neuer Leitungen nicht weiter blockieren, um auch weiterhin eine stabile Stromversorgung zu garantieren. „2015 wird ein entscheidendes Jahr für den Erfolg der Energiewende. Wenn der Netzausbau jetzt nicht Fahrt aufnimmt, dann kommt die Energiewende zum Erliegen“, warnte Hans-Jürgen Brick, der kaufmännische Geschäftsführer von Amprion, am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz.

Amprion ist neben Tennet, TransnetBW und 50 Hertz für das deutsche Übertragungsnetz zuständig, die großen Stromautobahnen. „Der Zeitplan ist sehr, sehr eng – eine weitere Verzögerung können wir uns nicht leisten“, sagte auch Urban Keussen, Vorsitzender der Geschäftsführung von Tennet in Deutschland, gegenüber dem Handelsblatt, und fügt einen eindringlichen Appell hinzu: „Wir brauchen im Sommer endlich politische Klarheit, wie Südlink umgesetzt werden soll.“

Die Leitung Südlink, die Tennet gemeinsam mit TransnetBW plant, ist das größte Infrastrukturprojekt der Energiewende. Der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann bezeichnet sie als „Hauptschlagader der Energiewende“. Ab 2022, wenn der Atomausstieg abgeschlossen ist, soll die 800 Kilometer lange Leitung Windstrom aus Norddeutschland zu den Stromverbrauchern in den süddeutschen Industrieregionen transportieren.

Das ist die Stromtrasse Südlink

800 Kilometer lang

Die rund 800 Kilometer lange Stromtrasse Südlink soll bis 2022 die „Hauptschlagader der Energiewende“ werden. Sie soll den Strom aus Windparks im Norden in den Süden Deutschlands transportieren.

Quelle: dpa

Zwei Unternehmen

Die Unternehmen Tennet und TransnetBW, zwei der vier Betreiber von Höchstspannungsleitungen in Deutschland, sind mit Vorschlägen zur Streckenführung beauftragt.

Von Wilster bis Grafenrheinfeld

Die Trasse beginnt demnach in Wilster in Schleswig-Holstein und führt dann über etwa 200 Kilometer durch Niedersachsen. Bei Höxter soll die Trasse 60 Kilometer durch Nordrhein-Westfalen und dann in Hessen westlich an Kassel vorbei in Richtung Fulda nach Bayern zum Ziel im Raum Grafenrheinfeld laufen.

20 Milliarden Euro Kosten

Kritiker befürchten, dass die Gleichstromtrasse mit bis zu 75 Meter hohen Masten Lebensqualität und Tourismus schaden wird. Sie bezweifeln die Notwendigkeit des Netzausbauvorhabens. Südlink soll nach Angaben von Tennet mehr als 20 Milliarden Euro kosten.

Im Dezember 2014 wurde der Antrag nach langen Vorplanungen bei der Bundesnetzagentur eingereicht, damit der langwierige Planungs- und Genehmigungsprozess 2019 abgeschlossen ist – und der auf drei Jahre angelegte Bau rechtzeitig beginnen kann. Doch dafür müssen endlich die Querschüsse aus der Politik aufhören – vor allem aus Bayern.

Kommentare (7)

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Herr walter danielis

24.06.2015, 17:27 Uhr

Die Atomkatastrophe in Japan war in erster Linie eine Naturkatastrophe. Es gab tausende von Toten durch Flut unf Erdbeben, nicht einen Toten durch Atom..Bei uns wurde das instrumentalisiert um die unsägliche, nahezu unbezahlbare Energiewende durchzusetzen. Die hier geschilderten Probleme waren vorhersehbar und werden zunehmen. Diese Energiewende ist ein Konjukturprogramm an dem der Staat gut verdient und der Stromverbraucher die Zeche zahlt. 80 % des Strompreises sind Steuern und Abgaben. Irgendwann werden wir eine Luftabgabe/-steuer zahlen müssen. Am Klima und an der Umwelt verbessert sich dadurch nichts.

Herr Rainer Feiden

24.06.2015, 17:35 Uhr

Zitat 1:
"Schon jetzt müssen die Netzbetreiber schließlich schon tausendfach pro Jahr eingreifen, um Stromausfälle zu vermeiden."
Zitat 2:
"Und weil Eon Grafenrheinfeld jetzt sogar früher als geplant vom Netz nimmt, muss Tennet improvisieren. „Wir werden deutlich öfter eingreifen müssen“, sagt eine Sprecherin."

Soll ich mich jetzt sicherer fühlen?

Besonders lustig finde ich aber den Satz , dass wir nach dem gesellschaftlichen Konsens in Bezug auf die Energiewende jetzt einen ebensolchen für die Übertragungsnetze bräuchten: wir solllten aufpassen, dass aus dem Konsens kein Nonsens wird. Denn Baustellen, an denen man gesellschaftlichen Konsens herbeiführen und gleichzeitig verdienen kann, gäbe es reichlich.

Herr Wolfgang Trantow

24.06.2015, 19:24 Uhr

Für Frau Merkel und unsere Politiker sind die Kunden/deutsche Bürger nur noch die Dummen, die man ausnehmen muss und ungestraft kann!

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