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05.02.2014

11:46 Uhr

Neue Stromtrasse durch Deutschland

„Wir sind startbereit“

Für Deutschlands längstes Stromnetzprojekt liegen jetzt die Trassenpläne auf dem Tisch, die Netzbetreiber stehen in den Startlöchern. Doch Bürgerproteste sind programmiert. Bayern fordert ein Moratorium.

Anwohner wehren sich gegen neue Energietrassen quer durch Deutschland. dpa

Anwohner wehren sich gegen neue Energietrassen quer durch Deutschland.

BerlinMit dem Vorschlag für den konkreten Verlauf der Trasse tritt Deutschlands größtes Netzausbauprojekt in die heiße Phase. Wie die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW am Mittwoch in Berlin mitteilten, könnte die Haupttrasse des insgesamt 800 Kilometer langen „SuedLink“-Projekts bis zum Jahr 2022 von Schleswig-Holstein über Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen nach Bayern führen. Sie soll große Mengen Windstrom vom Norden in den Süden bringen, und dort die Stilllegung mehrerer Atomkraftwerke kompensieren.

„Jemand muss anfangen zu sagen, da kann es lang gehen“, sagt Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman. Das Unternehmen ist für den Hauptteil der Trasse verantwortlich, die Kosten liegen den Angaben zufolge im „unteren einstelligen Milliardenbereich“.

„Wir sind startbereit“, sagt Hartman. Jetzt gehe es um den Dialog mit den Bürgern über den Trassenverlauf. Die Masten sollen 60 bis 70 Meter hoch sein, man habe schon geschaut, „wie sieht die Natur aus, wo wohnen die Menschen“.

TransnetBW-Geschäftsführer Rainer Joswig sagte: „Wir sprechen hier von der Hauptschlagader und dem Rückgrat der Energiewende.“ Bis 2016 soll mit der Baugenehmigung gestartet werden, 2022 soll die Leitung stehen. „Das ist eine elektrische Autobahn ohne Abfahrten“, so Hartman.

Der Vorschlag führt von Wilster (Schleswig-Holstein) aus an Verden vorbei, zwischen Hannover und Lehrte durch, vorbei an Hildesheim. Danach geht es in südwestlicher Richtung an Höxter, Warburg (NRW) und westlich an Kassel (Hessen) vorbei. Von dort an Bad Hersfeld vorbei Richtung Süden, um Fulda passierend in das bayerische Grafenrheinfeld zu münden. Der zweite Abschnitt soll von Brunsbüttel nach Großgartach in Baden-Württemberg führen.

Die als Gleichstromverbindung geplante Trasse ist eine von drei großen Neubauprojekten mit insgesamt 2800 Kilometern Länge. Als Gesamtkosten werden mindestens zehn Milliarden Euro für insgesamt 36 Ausbau- und Netzverstärkungsprojekte veranschlagt. Wenn die Leitungen als Erdkabel verlegt werden, wird es teurer werden.

Kommentare (22)

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Marc

05.02.2014, 12:26 Uhr

"In Bayern gibt es gegen eine andere der drei geplanten neuen langen Höchstspannungstrassen aber bereits so massive Proteste, dass die CSU-Landesregierung nun ein Moratorium fordert." Typisch Deutsch, Atomstrom nein danke, Höchstspannungstrassen aber bitteschön auch nicht.

keeper

05.02.2014, 12:31 Uhr

"Wenn die Leitungen als Erdkabel verlegt werden, wird es teurer werden."

Nicht nur betriebswirtschaftlich denken - sondern mal zwei Schrittchen weiter...

1) WARUM wird es denn teurer? WER bekommt dieses mehr an Ausgaben auf der Einnahmeseite?

2) Welche längerfristigen Vor- oder Nachteile haben die MENSCHEN im Lande, wenn die Trassen ober- oder unterirdisch verlegt werden?
In der Stadt haben wir in Deutschland ja auch keinen Kabelsalat über den Straßen - wie beispielsweise in den USA.

... aber wer weiß: vielleicht sind die Bürgerproteste und die resultierenden Verzögerungen ja explizit so gewollt.
der Investitionsstau in Deutschland ist kein Zufall.
Geld ist da - real sogar negativ verzinst;
die Pläne sind ausgearbeitet;
man könnte an allen möglichen Fronten sofort loslegen.

Will man aber nicht.
Man steht auf der Bremse.
man wartet...
... bis der Rest der Welt auf dem selben Niveau ist.

Bald gibt es keine Nationen mehr - nur noch Märkte.

Beobachter

05.02.2014, 12:40 Uhr

@ keeper

Zitat :WARUM wird es denn teurer? WER bekommt dieses mehr an Ausgaben auf der Einnahmeseite?

Die Tiefbauer, du Schlaumeier !!!

Erdkabel zu verlegen ist um ein Vielfaches teuerer, als Freileitungen, weil
a. Kabel erheblich teuerer sind als ( ungeschirmte ) Leitungen
b. die Tiefbauarbeiten über so lange Strecken praktisch unbezahlbar sind

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