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08.12.2016

17:13 Uhr

Neuer Windpark in Texas

Eon trotzt Trump

VonAndreas Neuhaus

Der künftige US-Präsident Donald Trump hasst Windräder. Trotzdem baut der deutsche Energieriese Eon 76 neue Anlagen in Texas. Dass die Turbinen für den Windpark in Europa gefertigt werden, ist Trump ein Dorn im Auge.

Trump zum Trotz: Eon wird in Texas den Onshore-Windpark Bruenning’s Breeze errichten. dpa

Neuer Windpark

Trump zum Trotz: Eon wird in Texas den Onshore-Windpark Bruenning’s Breeze errichten.

DüsseldorfDonald Trump nutzt gerne Twitter, um seine Sicht der Dinge darzulegen. Und so ist auch seine Abneigung gegen Windräder gut dokumentiert. Zusammengefasst: Sie töten Vögel, fressen Geld, sind gesundheitsgefährdend und verschandeln die Landschaft. Trump als US-Präsident ist für die deutsche Windkraft-Branche also ein Desaster – sollte man zumindest meinen. Denn Eon zeigt sich vom kommenden Präsidenten Trump gänzlich unbeeindruckt und verkündete, in den USA einen weiteren Onshore-Windpark zu bauen.

Donald Trump hat offensichtlich nicht alles ernst gemeint, was er im Wahlkampf von sich gegeben hat. So distanzierte er sich etwa von seinen billigenden Aussagen zur Folter; Hillary Clinton muss sich doch nicht auf eine Strafverfolgung gefasst machen, und den angekündigten Ausstieg aus dem Pariser Abkommen zum Klimaschutz stellte er zuletzt ebenfalls in Frage. Doch seine Abneigung gegen Windräder – die ist geblieben.

Als Trump Ende November die Redaktion der New York Times besuchte, stänkerte er erneut gegen Windräder. Er habe ein Problem mit Wind, sagte Trump: „Windmühlen töten Vögel und Windmühlen benötigen massive Subventionen“, so Trump. Vor allem aber störe ihn, dass sich die Anlagen seiner Meinung nach ohne staatliche Fördergelder überhaupt nicht rechnen würden. Dass die Technologie aus Deutschland kommt, ist Trump ein weiterer Dorn im Auge. „Wir stellen die Windmühlen nicht in den Vereinigten Staaten her. Sie werden in Deutschland und Japan gefertigt.“

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

Angesichts des neu entdeckten Protektionismus klang das wie eine Drohung für die deutschen Hersteller und Betreiber von Windkraftanlagen – beispielsweise für Eon. Die Essener haben bereits 21 Windparks in den USA gebaut. Doch das Unternehmen macht seine Zukunftsentscheidungen offensichtlich nicht vom designierten 45. Präsidenten der USA abhängig. Wie Eon jetzt mitteilte, wird das Unternehmen in Texas den Onshore-Windpark Bruenning’s Breeze errichten. „Mit der Entscheidung geben wir ein starkes Bekenntnis für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren auf dem US-amerikanischen Markt“, sagte Michael Lewis, CEO von Eon Climate & Renewables.

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Das Projekt hat eine Kapazität von 228 Megawatt. Schon Ende 2017 sollen alle 78 Windmühlen des Windparks in Betrieb gehen. Ebenfalls 2017 will Eon sein 278-Megawatt-Projekt Radford’s Run in Illinois fertigstellen. Damit baut Eon seine Position als einer der führenden Betreiber von Onshore-Windparks in den USA weiter aus. Schon jetzt hat das Unternehmen in Nordamerika insgesamt Windenergieprojekte mit einer Kapazität von mehr als drei 3000 Megawatt errichtet. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa der Kapazität von zwei großen Atomkraftwerken. „Projekte wie Bruenning’s Breeze zeigen, dass wir im Vergleich zu konventioneller Stromerzeugung eindeutig wettbewerbsfähig sind. Wir werden weiter an unserem Ziel arbeiten, die Kosten für Erneuerbare Energie zu senken“, so Lewis weiter.

Kommentare (1)

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Herr Holger Narrog

08.12.2016, 17:37 Uhr

Der Windstrom ist als Zufallsstrom im Netz wertlos. Der einzige Grund warum man diese ökoreligiösen Monumente installiert sind die Subventionen zu Lasten der Gesellschaft.

Insofern spricht die Schadenfreude des Autors aus dem Artikel.

Staaten mit einer schwachen rechtsstaatlichen Einstellung, untere anderem Spanien, haben bereits in der Vergangenheit Subventionen für Solaranlagen rückwirkend gekürzt/gestrichen.

Andererseits steht die Rechtsstaatlichkeit in den USA über dem Präsidenten. Insofern wird EON die Subventionen zu Lasten der Gesellschaft geniessen können.

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