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02.10.2014

08:32 Uhr

„Nichts zu beschönigen“

RWE-Chef fordert radikalen Kurswechsel

Es ist eine schonungslose Bestandsaufnahme: RWE-Chef Terium sieht den Stromkonzern in einer „äußerst schwierigen Lage“. Er fordert eine radikal neue Strategie: RWE soll weniger Stromerzeuger und mehr Dienstleister sein.

RWE-Kohlekraftwerk in Weisweiler: Dem bisherigen Geschäftsmodell werde die „Existenzberechtigung“ entzogen, warnt Konzernchef Terium. dpa

RWE-Kohlekraftwerk in Weisweiler: Dem bisherigen Geschäftsmodell werde die „Existenzberechtigung“ entzogen, warnt Konzernchef Terium.

DüsseldorfRWE-Chef Peter Terium sieht den Energiekonzern in einer existenziellen Krise und fordert einen radikalen Wandel. „Es ist sehr ernst, und wenn wir nur Lippenbekenntnisse ablegen, bringt uns das nicht weiter, aber zerstört die Zukunft unseres Unternehmens“, heißt es in einem Schreiben, das Terium seinen Führungskräften zu einem zweitägigen Strategietreffen verteilen ließ. Das Schreiben liegt dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) vor.

Teriums Bestandsaufnahme ist schonungslos. Es gebe „nichts zu beschönigen“. RWE befinde sich „in einer äußerst schwierigen Lage“. Es gebe „zahlreiche Herausforderungen aus unterschiedlichen Richtungen“. Dem bisherigen Geschäftsmodell, der Stromproduktion mit großen Kraftwerken, werde die „Existenzberechtigung“ entzogen. Aber nicht nur das: „Keiner unserer Unternehmensbereiche ist mehr sicher.“ Das alles sei kein „Kinderspiel“ und „keine neue hochgespielte Krise, die schon vorübergeht“.

„Dies ist eine Revolution, die von uns revolutionäre Maßnahmen verlangt!“, beschwört Terium seine Führungskräfte. „Klar ist, RWE – also wir – müssen uns als Unternehmen neu erfinden.“ Der Konzern solle künftig weniger als Stromerzeuger arbeiten, sondern als Dienstleister. „Wir müssen von einem integrierten Versorger zu einem dezentralisierten, flexiblen und modernen Energiemanager werden.“

Teriums Strategie ruht auf fünf Säulen. Die konventionelle Stromerzeugung soll erhalten bleiben, wenn auch kleiner. Bei den erneuerbaren Energien will Terium „weniger Masse, mehr Klasse“. Das Handelsgeschäft soll das wirtschaftliche Drehkreuz bleiben, aber globaler werden. Der Vertrieb soll näher an die Kunden rücken und innovativer werden. Und das regionale Verteilnetz soll gleichzeitig stabile Erträge liefern.

Von

juf

Kommentare (8)

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Herr Friedhelm Franz

02.10.2014, 09:04 Uhr

Krasser kann man seine Hilflosigkeit und Überforderung wohl kaum demonstrieren: der alte, aber ach so falsche Hut von der Dienstleistung. Hat Koch doch gerade prima bei Bilfinger vorgeführt, wie das mit der freischwebenden Dienstleistung klappt. Und RWE kann ja dann die Kunden beraten, wie man ohne elektrischen Strom trotzdem glücklich werden kann.

Herr Robert Behrendt

02.10.2014, 10:05 Uhr

Im heutigen Umfeld der Energieerzeugung kann man als Energieerzeuger nicht überleben: Wenn im Sommer der Energiemarkt mit Strom aus PV + Wind überschwemmt wird, müssen die Kraftwerke herunterfahren und verursachen hohe Kapazitätsbereitstellungskosten, die mit dem Stromhandel nicht mehr aufgefangen werden, deshalb die Verluste trotz hoher Handelsgewinne.

Deutschland setzt auf EE, das hat zur Folge, dass niemand mehr konventionell Strom erzeugen will, der womöglich nicht abgenommen werden kann, weil PV und Windstrom bevorzugt eingespeist werden.

Als Chef von RWE wäre ich knallhart: Alle Kraftwerke, die keinen Deckungsbeitrag liefern, würde ich so schnell, wie es die Verträge erlauben, schließen. Im Endergebnis wird die Netzagentur alle unverzichtbaren Reservekraftwerke verstaatlichen müssen und deren Kosten werden dann auf die Stromnutzer verteilt werden müssen.

Während dieser Umstrukturierung würde ich Aktien der Stromversorger nur mit der Kneifzange anfassen. Es kann durchaus sein, dass die Finanzkrise noch durch eine hausgemachte Energiekrise in D getoppt wird. Ich höre heute schon das Geammer: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren: Wenn man dieses nicht will, muss man die gesamte Energieerzeugung samt Verteiling wieder verstaatlichen. Ein Zusammenbruch der Versorgung würde gigantische Stillstandskosten in der dt. Industrie verursachen, aber Sozialpädagogen und Geschichtslehrer haben sind leider nicht kompetent genug diese Problematik zu erfassen.

Will man nicht verstaatlichen und trotzdem RWE zu unrentabler Stromproduktion zwingen, wäre über kurz oder lang eine Insolvenz die Folge. In diesem Fall fällt das Problem dem dt. Steuerzahler trotzdem auf die Füße.

Zum Glück haben Menschen, die wie o. g. "Friedhelm Franz" argumentieren, keinerlei Verantwortung in der Wirtschaft. Am solchen Kommentaren erkennt man, dass diese Personen gar nicht wissen worum es geht.

Herr Manfred Carter

02.10.2014, 10:15 Uhr

Und das alles wegen einer tölpelhaften politischen Entscheidung, die ohne nähere Analysen getroffen wurde, um dem vermeintlichen Volkeswillen zu entsprechen und sich so an der Macht zu halten. Die Mitarbeiter von RWE un den anderen einstigen Energie-Riesen dürfen sich bei unser Physikerin herzlich bedanken, wenn sie bald arbeitslos werden.

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