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12.08.2013

21:45 Uhr

NRW-Ministerpräsidentin

Kraft warnt vor „Schwarzmalerei“ bei Thyssen-Krupp

Hannelore Kraft ist nicht nur NRW-Ministerpräsidentin, sondern auch Kuratoriumsmitglied der Krupp-Stiftung. Thyssen-Krupp sei „ein guter, ein gesunder Konzern“ sagt sie – am Dienstag werden die Quartalszahlen vorgelegt.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: „Hohes Interesse daran, dass dieser Konzern so bestehen bleibt“. dpa

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: „Hohes Interesse daran, dass dieser Konzern so bestehen bleibt“.

Berlin/EssenIn der Diskussion um die Lage beim kriselnden Thyssen-Krupp-Konzern hat die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zu Gelassenheit aufgerufen. Sie halte „das alles für Schwarzmalerei“, sagte Kraft am Montag in der n-tv-Sendung „Heiner Bremer - Unter den Linden 1“. Kraft ist Kuratoriumsmitglied der Krupp-Stiftung, die 25,3 Prozent an dem Essener Dax-Konzern hält und damit wichtigster Großaktionär ist.

„Es sind Fehlinvestitionen gelaufen in dem Unternehmen, es gab kartellrechtliche Problemsituationen, aber alles in allem ist das ein guter, ein gesunder Konzern“, betonte Kraft. „Und wir haben ein hohes Interesse daran, dass dieser Konzern auch so bestehen bleibt.“

Auf die Frage, ob Kraft in jedem Fall versuchen würde, eine Zerschlagung des Mischkonzerns zu verhindern, sagte sie: „Ich muss nur auf die Zahl der Arbeitsplätze schauen. Dass Thyssen-Krupp für Nordrhein-Westfalen, aber auch für die Bundesrepublik Deutschland, ein wichtiger Konzern ist, darüber sind wir uns einig, und dass es Sinn macht, diese Arbeitsplätze auch in Deutschland zu erhalten.“

Die größten Baustellen von Thyssen-Krupp

Einleitung

Im Geschäftsjahr 2012/13 fuhr Thyssen-Krupp das dritte Mal in Folge einen Nettoverlust ein. Mit einem Fehlbetrag von 1,5 Milliarden Euro fiel dieser zwar niedriger aus als die fünf Milliarden Euro Miese im Jahr zuvor. Die Aktionäre müssen jedoch erneut auf eine Dividende verzichten. Das könnte auch im neuen Geschäftsjahr 2013/14 der Fall sein. Thyssen-Krupp will zwar operativ zulegen, für einen Nettogewinn könnte es aber erneut nicht reichen. Zudem schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte, sondern auch das Geschäft mit dem Werkstoff in Europa und mit Teilen für die Automobilindustrie.

Ertragsschwäche

Thyssen-Krupp fuhr im Geschäftsjahr 2011/12 einen Nettoverlust von fast fünf Milliarden Euro ein. In den ersten neun Monaten des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahres 2012/13 waren es rund 1,2 Milliarden Euro. Analysten zufolge schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte. Auch das europäische Stahlgeschäft, der Großanlagenbau, der Verkauf von Autoteilen und die Aufzugssparte hätten im Geschäftsjahr weniger verdient. Der Handel mit Werkstoffen und das Dienstleistungsgeschäft habe hingegen zugelegt.

Stellenabbau

Für Unruhe im Konzern sorgen auch die Pläne zum Abbau tausender Arbeitsplätze. In der Verwaltung sollen 3000 Jobs wegfallen. In der Stahlsparte will Thyssen-Krupp 2000 Arbeitsplätze abbauen. Weitere 1800 Stellen könnten durch Beteiligungsverkäufe aus dem Konzern fallen. „Wir bügeln damit auch die Managementfehler der Vergangenheit aus“, hatte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath in einem Reuters-Interview gesagt. Thyssen-Krupp will damit die Kosten um 500 Millionen Euro senken. Die Summe ist Teil der insgesamt geplanten Einsparungen des Konzerns bis 2014/15 von nun 2,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 156.000 Mitarbeiter, davon etwa 58.000 in Deutschland. Ein weiterer Stellenabbau ist nach den Worten von Personalvorstand Oliver Burkhard derzeit nicht geplant.

Fehlinvestitionen in Übersee

Nach einer langen Hängepartie konnte Thyssen-Krupp das Weiterverarbeitungswerk in den USA verkaufen. Das verlustreiche Rohstahlwerk in Brasilien hängt dem Konzern immer noch wie ein Klotz am Bein. Thyssen-Krupp muss neue Abnehmer für den Werkstoff in Nord- und Südamerika finden, da das US-Werk künftig weniger abnimmt. Die Kosten für beide Werke waren auf fast 13 Milliarden Euro explodiert, mehr als acht Milliarden entfielen auf Brasilien. Das US-Werk bleibt bis zu der erhofften Freigabe des Deals durch die Regulierungsbehörden noch für Monate in den Büchern. Thyssen-Krupp erwartet in der Sparte weitere Verluste - wenn auch niedrigere als bislang.

Schulden

Dem Konzern sitzen die Ratingagenturen im Nacken. Thyssen-Krupp drücken Schulden von fünf Milliarden Euro. Das Eigenkapital schmolz zwischenzeitlich von 4,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro zusammen, durch eine im Dezember 2013 durchgezogene Kapitalerhöhung konnte es inzwischen auf 3,3 Milliarden Euro aufgebessert werden. Die Eigenkapitalquote ist einer der niedrigsten Werte eines Dax-Konzerns. Gespräche mit Banken sorgten Ende September für Erleichterung, nachdem dieser Wert über die Marke von 150 Prozent gestiegen war.

Kartellverstöße und Korruptionsvorwürfe

Der Mischkonzern wird immer wieder von Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will eine neue Unternehmenskultur, in der für krumme Geschäfte kein Platz ist. Bei illegalen Preisabsprachen war Thyssen-Krupp ein Wiederholungstäter. Einem Aufzugskartell folgten Kungeleien mit Schienenherstellern. Hier einigte sich Thyssen-Krupp nun mit der Deutschen Bahn auf Schadensersatz. Wie ein Damoklesschwert hängt zudem der Verdacht über dem Konzern, sich auch an einem möglichen Kartell von Herstellern von Blechen für die Automobilindustrie beteiligt zu haben. Ob sich dieser Verdacht bestätigt, ist offen. Sollte dies aber der Fall sein, wären die Konsequenzen nicht abzuschätzen - die Autoindustrie gehört zu den größten Kunden von Thyssen-Krupp. Welchen Stellenwert die Aufarbeitung der Verstöße hat, zeigte sich auch auf der Hauptversammlung im Januar 2014: Dort schuf Thyssen-Krupp für den ehemaligen Metro-Manager Donatus Kaufmann einen neuen Vorstandsposten für Compliance.

Ramponierter Ruf

Der Ruf des einst stolzen Unternehmens ist durch Pleiten, Pech und Pannen und die Korruptionsvorwürfe ramponiert. „Es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“, hat Konzernchef Hiesinger beklagt. Er will aufräumen und eine neue Unternehmenskultur einführen, in der Seilschaften und blinde Loyalität nicht wichtiger sind als unternehmerischer Erfolg. Dafür braucht er die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat.

Bei dem kriselnden Konzern mit weltweit rund 150.000 Mitarbeitern gibt es seit einiger Zeit Spekulationen um eine mögliche Kapitalerhöhung. Bei einem solchen Schritt könnte jedoch die Sperrminorität der Krupp-Stiftung fallen, die als Bollwerk gegen mögliche feindliche Übernahmen gilt. Der Stiftung fehlt das Geld, um bei einer Kapitalerhöhung mitzuziehen.

Es gibt aber auch Spekulationen, dass die RAG-Stiftung, die den Bergbau abwickelt, bei dem Konzern einsteigen könnte. Sie könnte der Krupp-Stiftung dabei helfen, ihren dominierenden Einfluss zu behalten. Der jahrzehntelange Chef der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, war Ende Juli im Alter von 99 Jahren gestorben.

An diesem Dienstag legt Thyssen-Krupp die Zahlen für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2012/2013 (30.9.) vor. Mit Spannung werden dann auch Neuigkeiten in Sachen Kapitalerhöhung erwartet.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

12.08.2013, 23:33 Uhr

Na wenn eine Politikerin das sagt dann wirds ja wohl stimmen.... - oder aber es ist ei nGrund sich nun wirklich Sorgen zu machen

Account gelöscht!

13.08.2013, 00:29 Uhr

ThyssenKrupp faehrt einen Verlust von 5 Milliarden Euro ein, streicht tausende von Stellen, und Hannelore Kraft sagt, das Unternehmen sei ein "guter, gesunder Konzern". Wie sieht dann ein Unternehmen nach Frau Krafts Vorstellung aus, wenn es nicht gut oder gesund ist? Offensichtlich ist Unternehmensbewertung "Neuland" fuer Frau Kraft.

Account gelöscht!

13.08.2013, 00:41 Uhr

(o:)
Nicht nur das! Vielleicht sollte sie sich die Dienste von Herrn Hoeneß als Finanzberater sichern, dann würde es sicher selbst mit Nordrheinvandalen nach gefühlten 100 Jahren Sozenmißwirtschaft mal aufwärts gehen!

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