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20.10.2015

13:08 Uhr

Öko-Aktivisten wollen Braunkohle

Wie Greenpeace Vattenfall ärgern will

VonJürgen Flauger

Ausgerechnet Greenpeace schlägt Vattenfall einen Deal vor: Die Umweltorganisation will das Braunkohle-Geschäft des Energiekonzerns übernehmen und den Tagebau abwickeln. Konkurrent ist der reichste Mann Tschechiens.

Das Braunkohle-Geschäft von Vattenfall steht zum Verkauf. dpa

Das Braunkohle-Geschäft von Vattenfall steht zum Verkauf.

DüsseldorfDer PR-Coup ist schon einmal geglückt. Ob es mit der Übernahme klappt, darf aber bezweifelt werden. Viel wird die Umweltschutzorganisation Greenpeace dem schwedischen Vattenfall-Konzern für dessen Braunkohleaktivitäten in Deutschland jedenfalls nicht bieten. Greenpeace bezifferte heute den Barwert auf weniger als eine halbe Milliarde Euro und berief sich dabei auf Berechnungen des Instituts Energy Brainpool. Ziehe man die hohen Folgekosten mit ein – etwa für die Renaturierung der Tagebaue –, ergebe sich sogar „ein negativer Betrag von mehr als zwei Milliarden Euro“. Im Klartext: Vattenfall müsste eigentlich dem Käufer Geld geben, damit er die Braunkohle übernimmt.

Vattenfall hatte am 22. September den Verkauf der Braunkohlesparte in Deutschland gestartet. Vor wenigen Tagen erklärte Greenpeace überraschend, sich am Verkaufsprozess zu beteiligen. Jetzt macht die Umweltschutzorganisation ernst. Am Dienstag kündigte sie auf einer Pressekonferenz in Berlin an, bei der von Vattenfall beauftragten Investmentbank Citigroup ein „Statement of Interest“ einzureichen.

Greenpeace würde nach eigener Darstellung die Braunkohlesparte in eine gemeinnützige Stiftung überführen. Deren Zweck wäre „der Ausstieg aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2030 und der Umbau des Konzerns zu einem Erneuerbare-Energien-Unternehmen“. „Wir werden die Verantwortung für den Klimaschutz, die Gesundheit der Menschen und einen erfolgreichen Strukturwandel in der Lausitz übernehmen, wenn Vattenfall und die schwedische Regierung dies nicht tun“, sagte Annika Jacobson, Programm-Managerin von Greenpeace in Schweden. „Es ist eine große Chance, aus dem schmutzigen Braunkohlegeschäft eine erneuerbare Zukunft für die Lausitz und die Menschen dort zu machen.“

Vattenfall will zum einen den Tagebau in der Lausitz verkaufen. Zum anderen soll der Käufer die Kraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe in Brandenburg, Boxberg und den Block R der Anlage Lippendorf in Sachsen übernehmen. Zudem stehen zehn Wasserkraftwerke nicht weit vom Braunkohlerevier in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zum Verkauf.

Vattenfall hatte höflich reagiert, als Greenpeace das Angebot angekündigt hatte. Der Prozess sei „offen“. Kritischer verfolgen die rund 8000 Mitarbeiter die Pläne von Greenpeace, die Braunkohleverstromung abzuwickeln. Betriebsräte sprachen von einem „PR-Gag“. Bislang sind nur zwei andere Angebote bekannt. Die beiden tschechischen Energiekonzerne EPH und CEZ haben ihr Interesse offen bekundet.

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Vattenfall möchte sein Braunkohlegeschäft in Ostdeutschland dringend loswerden. Jetzt hat der schwedische Energiekonzern das Bieterverfahren eröffnet. 2016 soll der Verkauf über die Bühne gehen.

EPH betreibt schon den zweiten Braunkohletagebau in Ostdeutschland einen Mibrag. Jüngst gewann das Unternehmen auch einen mächtigen Verbündeten. Die Investmentgruppe PPF des reichsten Tschechen, Petr Kellner, will sich an dem Kaufangebot beteiligen.

Im Gegensatz zu Greenpeace hatten Finanzexperten den Wert der zum Verkauf stehenden Aktivitäten mit zwei bis drei Milliarden Euro beziffert. Der Verkauf ist aber schwierig, weil die Braunkohle wegen der hohen CO2-Emissionen auf immer größeren Widerstand trifft. Der Prozess wird sich deshalb bis ins kommende Jahr ziehen.

Nach Darstellung von Greenpeace liegt der „wahre Wert“ der Sparte noch deutlich unter der genannten halben Milliarde. Der Preis werde durch hohe Folgekosten des Kohleabbaus beispielsweise für die Renaturierung der Tagebaue und den Rückbau der Kraftwerke auf einen negativen Betrag von mehr als zwei Milliarden Euro gedrückt. Berücksichtige man darüber hinaus die enormen sozialen und Umweltkosten errechneten sich finanzielle Verpflichtungen in Höhe eines zweistelligen Milliardenbetrags.

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