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27.02.2014

16:14 Uhr

Öl- und Gasförderung

Exxon-Chef will kein Fracking vor seiner Ranch

VonFranz Hubik

Rex Tillerson gilt als glühender Fracking-Anhänger. Gegen den Bau eines Wasserturms, der für die umstrittene Gasfördermethode benötig wird, wehrt sich der Exxon-Chef aber vehement – denn sein Anwesen liegt um die Ecke.

Exxon-Chef Rex Tillerson wirbt bei Politikern für Fracking. Vor seiner Haustür will er die Errichtung eines dafür notwendigen Wasserspeicher aber verhindern. Reuters

Exxon-Chef Rex Tillerson wirbt bei Politikern für Fracking. Vor seiner Haustür will er die Errichtung eines dafür notwendigen Wasserspeicher aber verhindern.

DüsseldorfAls Vorstandsvorsitzender des größten Ölkonzerns der USA ist Rex Tillerson so etwas wie der Cheflobbyist für Fracking. Unter seiner Führung übernahm Exxon-Mobil Ende 2009 für 25 Millionen Dollar das Erdgasunternehmen XTO Energy, das auf die Förderung von unkonventionellen Rohstoffvorkommen spezialisiert ist. Kaum ein anderer Manager hat derart laut für die umstrittene Gasfördermethode getrommelt wie Tillerson.

Der 61-Jährige gilt als Paradefeindbild der amerikanischen Umweltbewegung. Wiederholt kritisierte er Initiativen, die für schärfere Regeln beim Fracking werben. Doch ausgerechnet seinen größten politischen Gegnern, dürfte Tillerson jetzt ungewollt in die Hände spielen. Nach Angaben des „Wall Street Journal“ geht er zusammen mit weiteren Anwohnern der Kleinstadt Bartonville gerichtlich gegen den Bau eines fast 160 Meter hohen Wasserturms vor.

Tillerson und seine Frau besitzen in dem wohlhabenden Vorort der texanischen Ölmetropole Dallas eine 33 Hektar große Pferderanch sowie ein etwa 73.000 Quadratmeter großes Grundstück. Durch die geplante Errichtung des Wasserspeichers befürchten sie jetzt, dass ihr fünf Millionen Dollar schweres Anwesen an Wert verliert.

Fracking: Segen oder Umweltverbrechen?

Erbitterter Streit

Neue Technologien sind oft umstritten. Doch beim Fracking geht der Streit weit über das normale Maß hinaus. Ist die Fördertechnik für Erdgas der Umweltfeind Nummer eins seit der Atomkraft? Oder doch nur eine missverstandene, aber vielversprechende Technologie?

Die Technik

Beim Fracking wird kilometertief in die Erde gebohrt - und dann noch einmal horizontal, zuweilen sechs Kilometer weit. In die Kanäle wird ein Chemiecocktail gepresst, der den Boden aufreißt. Sand in der Flüssigkeit sorgt dafür, dass sich die Risse nicht wieder schließen. Durch sie treten das Erdgas - oder andere Rohstoffe - aus, die dann wie üblich gefördert werden können.

Die Szenerie

Im kanadischen Dawson Creek stand erst ein Bohrturm, 50 Meter hoch. Danach kam das eigentliche Fracking: Sechs gewaltige Trucks stehen dicht nebeneinander und pumpen die Lauge in die Bohrlöcher, 100.000 Kubikmeter pro Bohrfeld. Man versteht sein eigenes Wort nicht, aber die Arbeiter schauen fast gelangweilt auf die Messinstrumente. Ihre Schichten sind hart, der Lohn sind 70.000 bis 140.000 Euro im Jahr. Sind sie weg, ist auch der Lärm weg. Dann soll das Gas 20, 30 Jahre leise aus der Erde in die Pipelines steigen.

Die Gegner

Don Vander Velde ist 68 Jahre alt. Sein ganzes Leben hat er auf dem Land in Alberta, Kanada, gelebt, das seiner Familie seit 1904 gehört. Seit einem Jahrzehnt wird in der Nähe gefrackt. „Manchmal bebt der Boden“, sagt der Farmer. „Und was für Chemikalien kommen da rein?“ Don ist beunruhigt, weil er Kinder, Enkelkinder und eine Urenkelin hat. Die kleine Aspen ist zehn Monate. „Ich bin alt, aber ich möchte nicht ihre Zukunft verspielen.“ Dabei habe er nichts gegen die Förderung. „Ich will auch Energie. Alberta braucht das Gas, so wie es uns Farmer braucht. Also fördert! Aber macht es sicher!“

Das Unternehmen

Encana ist ein Fracking-Riese und Kellen Foreman ist seit elf Jahren dabei. „Wir wollen Transparenz“, beteuert der 29-Jährige. Deshalb würden für Millionen Dollar Zehntausende Wasserproben untersucht. „Und bei nicht einer einzigen ist irgendwo in Kanada eine Verunreinigung des Trinkwassers nachgewiesen worden.“ Und die Erschütterungen? Nur mit feinen Instrumenten messbar. Er könne die Sorgen der Menschen völlig verstehen. „Aber es steckt eine Menge Wissenschaft hinter Fracking. Wir sind keine Cowboys, die da rausgehen und die Erde aufwühlen. Das ist Hochtechnologie.“

Die Politikerin

Hannelore Kraft ist 8000 Kilometer weit gereist, um sich selbst ein Bild zu machen. Mit rotem Overall und weißem Helm steht die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen im Matsch von Dawson Creek in der Wildnis Kanadas, spricht mit den Arbeitern, untersucht die Bohrköpfe und befühlt die Chemielauge, die verpresst wird. „Ich kann mir das im Münsterland nicht so recht vorstellen“, sagt sie. Kraft ist beeindruckt, das merkt man ihr an. Auch von der Offenheit der Arbeiter und der Bohrfirma - in den Augen vieler doch „die Bösen“. Aber kann die Technik auch in Deutschland eingesetzt werden, einem Land das mehr als doppelt so viele Einwohner wie Amerika auf einem Dreißigstel der Fläche hat? „Es ist noch nicht reif, das zu entscheiden. Aber ich kann mir das im dicht besiedelten NRW kaum vorstellen.“

Der Wissenschaftler

Uwe Schneidewind ist einer der wenigen Fracking-Experten in Deutschland. Der Professor und Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie sieht vier Punkte zur Beurteilung von Fracking: klimapolitisch („Unkonventionelle Kohlenstoffvorkommen möglichst nicht anrühren“), volkswirtschaftlich („Arbeitsplatzeffekt ist vorhanden, aber beschränkt“; „Gaspreis sinkt, aber in Europa nicht nachhaltig“), geostrategisch („Abhängigkeit von anderen sinkt, bleibt aber bestehen“) und ökologisch („selbst bei Lösung vieler Probleme in Europa nicht wirklich attraktiv“).

Die Filme

„Gasland“ war ein Welterfolg. Der Dokumentarfilm von Josh Fox aus dem Jahr 2010 wurde nicht nur für den Oscar nominiert, sondern er hat das Thema Fracking auch für die breite Öffentlichkeit erst auf die Tagesordnung gesetzt. In der Schlüsselszene wird ein Wasserhahn aufgedreht und das Wasser angezündet – es brennt. Scharfe Kritik kam von der Branche, aber auch durch einen Kollegen: In „FrackNation“ bezichtigt Filmemacher Phelim McAleer seinen Kollegen Fox, wissentlich ungenau gewesen zu sein. So habe es Berichte über entzündetes Leitungswasser lange vor Fracking gegeben. Inzwischen gibt es „Gasland II“. Als die Dokumentation im April auf dem New Yorker Tribeca-Filmfestival gezeigt wurde, wurden Fans von „FrackNation“, trotz Karten, nicht eingelassen.

Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Untergrund gepresst, um Öl und Gas aus Schiefergestein zu gewinnen. Umweltschützer warnen, dass bei dem Vorgang das Grundwasser verseucht werden könnte.

Laut der Klageschrift soll der Wasserturm auch dazu dienen, Öl- und Gasunternehmen mit Wasser zu versorgen, das beim Fracking eingesetzt wird. Tonnenschwere Laster würden dann ständig bei dem Speicher vorfahren, um große Mengen Wasser abzuladen. „Lärmbelästigung und Verkehrsgefahren“ wären die Folge. Und das direkt vor der Haustür von Exxon-Mobil-Chef Tillerson.

In sozialen Netzwerken wird über die Doppelmoral des Top-Managers gespottet. Mittlerweile kursiert eine Online-Petition: Die Initiatoren fordern Tillerson darin auf, dass er Fracking nicht nur in der Nähe seines Anwesens bekämpft, sondern überall auf der Welt.

Unter den Gegner des Wasserturms findet sich übrigens noch ein weiterer überraschender Name: Dick Armey. Der ehemalige republikanische Kongressabgeordnete stand bislang auch nicht gerade im Verdacht, sich für Umweltbelange besonders zu engagieren. Aber wenn es ums eigene Wohlbefinden geht, wird offenbar selbst ein stramm konservativer Ökonom zum Widerstandskämpfer.

Kommentare (4)

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27.02.2014, 16:33 Uhr

Wogegen wehrt sich der Mann? Gegen den Wasserturm oder gegen das Fracking?

Account gelöscht!

27.02.2014, 17:02 Uhr

Wieder so eine plumpe Grüne Propaganda. Es ist doch an den Haaren herangezogen, dass der wahrscheinlich hässliche Wasserturm AUCH für Fracking genutzt wird und somit eine Doppelmoral vorhanden ist. Mit der gleichen Argumentation müsste jeder Logistik-Unternehmer sein Haus an einer Hauptverkehrsstraße bauen.

Account gelöscht!

27.02.2014, 18:28 Uhr

Die Überschrift ist absolut fehlleitend, was soll das?

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