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17.05.2013

14:57 Uhr

Ölkatastrophe

Schadensersatzwelle für BP könnte noch größer werden

Die Zahl der Schadensersatzanträge könnte noch über 200.000 steigen, meint der Bevollmächtigte von BP. Er selbst legt gegen den Konzern Beschwerde ein. BP fürchtet wiederum, dass die Zahlungen aus dem Ruder geraten.

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko belastet BP weiterhin – die britische Regierung soll nun intervenieren. dpa

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko belastet BP weiterhin – die britische Regierung soll nun intervenieren.

New OrleansDrei Jahre nach der Ölkatastrophe vom Golf von Mexiko drohen BP Zehntausende weiterer Schadenersatzforderungen. Der vom Gericht eingesetzte Auszahlungsbevollmächtigte Patrick Juneau geht davon aus, dass sich viele potenzielle Geschädigte erst auf den letzten Drücker zu Klagen entschließen. Deren Zahl dürfte kurz vor Ablauf der Frist am 22. April 2014 noch einmal kräftig anziehen, sagte Juneau im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Sein Büro in New Orleans zählte bis zuletzt 165.877 Anträge, wovon nach Prüfungen der Mitarbeiter 40.970 für Zahlungen infrage kommen - im Volumen von insgesamt mehr als 3,2 Milliarden Dollar. "Es würde mich sicher nicht überraschen, wenn wir die Marke von 200.000 knacken würden", sagte der bereits 75-jährige Jurist, dem mehr als 1000 Mitarbeiter zur Verfügung stehen und der mit dem Fall seine Karriere krönen möchte: "Das ist meine Chance, meine Spur in der Geschichte zu hinterlassen."

Bei der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf vom Mexiko kamen im April 2010 elf Arbeiter ums Leben. Danach floss fast 90 Tage unkontrolliert Öl ins Meer, weil BP das Leck nicht stopfen konnte. Die größte Ölpest in der US-Geschichte hinterließ enorme Schäden in der Natur sowie für Fischerei und Tourismus. Allein um die Strafzahlungen leisten zu können, musste sich der britische Konzern von zahlreichen Geschäftsbereichen trennen.

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

Die größte Umweltkatastrophe der USA

Die Explosion der vom BP-Konzern geleasten Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April 2010 löste die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA aus. Bei dem Unglück starben elf Menschen, zwei weitere kamen später bei Rettungsarbeiten ums Leben.

Fatales Öl-Leck

Aus einem Leck in 1500 Meter Tiefe waren fünf Monate lang insgesamt bis zu 780 Millionen Liter Erdöl in den Golf von Mexiko gesprudelt. Bei Fischern und Anwohnern des Katastrophengebiets bleibt die Sorge um Spätschäden infolge des Öls und knapp sieben Millionen Liter chemischer Öl-Bekämpfungsmittel.

Verheerende Folgen

Mehr als 1000 Kilometer Küste in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida wurden verschmutzt. Hunderttausende Tiere wie Meeressäuger, Fische, Pelikane und Schildkröten starben an den Folgen. Die Tourismusbranche und Fischer aus der Region erlitten schwere Einbußen.

Die Bohrinsel „Deepwater Horizon“

Die im Golf von Mexiko gesunkene Öl-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ war auf die Erkundung von Tiefseevorkommen spezialisiert. Im September 2009 erreichte sie bei einer Bohrung im Meeresboden die Rekordtiefe von mehr als 10.600 Metern.

Tiefsee-Plattform

Die schwimmende Plattform konnte in bis zu 3000 Meter tiefen Gewässern eingesetzt werden. Sie wurde vom Tiefsee-Spezialisten Transocean betrieben und war für den britischen Ölkonzern BP im Einsatz.

Größer als ein Fußballfeld

Die 121 Meter lange und 78 Meter breite „Deepwater Horizon“ war größer als ein Fußballfeld. Sie wurde 2001 in Südkorea fertiggestellt und konnte auch in orkanartigem Sturm mit neun Meter hohen Wellen arbeiten.

Zur Begleichung von Schadenersatzansprüchen hat BP außerdem etwa acht Milliarden Dollar beiseitegelegt. Die Ansprüche betreffen nicht etwa nur Fangausfälle von Fischern und Eigentumsschäden, sondern auch einen besonders heiklen Punkt für BP: Einnahmenverluste durch entgangene Geschäfte. Allein in dieser Frage werden Forderungen über mehr als 1,7 Milliarden Dollar als grundsätzlich berechtigt erachtet. Das Unternehmen befürchtet, dass die Zahlungen aus dem Ruder laufen und hat nach BBC-Informationen deswegen die britische Regierung gebeten, sich einzuschalten.

Nach Darstellung des Konzerns wurden teils unseriöse und erfundene Ansprüche bedient, weil der Bevollmächtigte bestimmte Kriterien falsch anwende. Juneau wiederum zeigt sich enttäuscht von BP und hat daher Beschwerde vor Gericht eingelegt. Er verweist darauf, dass es sich um einen einmaligen Rechtsfall handelt. "Niemand hat je mit einem Streit wie diesem gerechnet", sagte er. (geschrieben von Georg Merziger; redigiert von Kerstin Dörr)

Von

rtr

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