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23.04.2015

13:32 Uhr

Ölkonzern OMV

Libyen-Krise und Pannen schmälern Öl-Produktion

Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV hat mit einer schrumpfenden Gesamtproduktion zu kämpfen. Lieferausfälle in dem Bürgerkriegsland Libyen sowie eine Panne in Norwegen sind die Gründe.

Ein Ölfeld in Flammen: In dem afrikanischen Land tobt knapp vier Jahre nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi ein Konflikt zwischen zwei rivalisierenden Regierungen und deren Milizen. dpa

Krise in Libyen

Ein Ölfeld in Flammen: In dem afrikanischen Land tobt knapp vier Jahre nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi ein Konflikt zwischen zwei rivalisierenden Regierungen und deren Milizen.

WienDem österreichischen Öl- und Gaskonzern OMV haben im Auftaktquartal Lieferausfälle in Libyen sowie eine Panne in Norwegen zu schaffen gemacht. Die Gesamtproduktion von Öl und Gas schrumpfte im Vergleich zum Vorquartal um fünf Prozent auf 303.000 Barrel pro Tag, wie das Wiener Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Die Verkaufsmengen seien sogar um 13 Prozent gegenüber dem Schlussquartal gesunken. Besser läuft es für die Österreicher hingegen bei der Weiterverarbeitung von Rohöl zu Treibstoffen. Der niedrige Ölpreis bremst den Konzern aber insgesamt weiterhin ein.

In Norwegen kämpfte OMV mit einem Gasleck. Auf dem Feld Gudrun, das sich mehrheitlich im Besitz der norwegischen Statoil befindet, sei die Förderung für einen Monat unterbrochen gewesen. „Die Probleme sind mittlererweile behoben, die Produktion läuft wieder“, sagte ein OMV-Sprecher. OMV hält 24 Prozent an dem Feld. Angaben zur Höhe des Produktionsausfalls wollte der Unternehmenssprecher nicht machen.

Ausländische Energiekonzerne in Libyen

Ausländische Energiekonzerne in Libyen

Die tägliche Ölproduktion ausländischer Energiekonzerne in Libyen.

ENI

Der italienische Konzern förderte 2009 täglich rund 105.000 Barrel Rohöl.

Wintershall

Die Produktion der BASF-Tochter Wintershall lag bei 100.000 Barrel pro Tag.

Total

Die Fördermenge des französischen Ölkonzerns betrug rund 60.000 Barrel.

Conoco Phillips

Der US-Konzern Conoco Phillips förderte täglich 45.000 Barrel.

Repsol

Bei Repsol aus Spanien waren es noch 35.000 Barrel.

Hess

Hess (USA) förderte knapp über 20.000 Barrel.

Suncor

Die Produktionsmenge von Suncor aus Kanada lag 2009 bei rund 15.000 Barrel pro Tag.

Occidental

Auf den selben Wert von täglich 15.000 Barrel kommt Occidental aus den USA.

(Stand 2009, Quelle: Evaluate Energy)

In Libyen stehen die Ölförderanlagen nach wie vor still. In dem afrikanischen Land tobt knapp vier Jahre nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi ein Konflikt zwischen zwei rivalisierenden Regierungen und deren Milizen. Für die OMV bedeutet das enorme Einbußen, denn in Friedenszeiten bezogen die Österreicher rund zehn Prozent ihres Öls aus dem Land.

Deutlich besser läuft es für den teilstaatlichen Konzern im Geschäft mit der Weiterverarbeitung von Rohöl zu Treibstoffen. Die entsprechende Raffineriemarge stieg im ersten Quartal auf 7,45 Dollar nach 5,19 Dollar je Barrel im Vorquartal – der höchste Stand seit 2012. Auch die Auslastung der Raffinerien sei im Auftaktquartal deutlich höher gewesen. Im Vorquartal kam es wegen einer Sicherheitsüberprüfung zu einem Stillstand in der Raffinerie Burghausen.

Milizen in Libyen: Machtkampf unter Revolutionären

Sechs Millionen Libyer bewaffnet

Libyen steht drei Jahre nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi am Rande eines Bürgerkriegs. Wegen eskalierender Kämpfe verfeindeter Milizen verlassen immer mehr Ausländer das Land, auch einige Botschaften schließen. Die Lage ist hochgefährlich: Denn nach Einschätzung der International Crisis Group sind 125 000 der sechs Millionen Libyer bewaffnet.

Libysche Armee

Sie gehört zu den wichtigsten bewaffneten Gruppen in Libyen: Die offiziellen Streitkräfte mit etwa 35 000 Soldaten sind angesichts der bewaffneten Übermacht an Milizen nicht sehr effektiv. Viele dürften inzwischen aber auch auf der Seite von Kampfbrigaden stehen. Denn in der Vergangenheit hat die Armee stets auf die Hilfe von Milizen gesetzt. Viele Soldaten, die unter Gaddafi dienten, sind nicht mehr in den regulären Truppen aktiv.

Al-Saika

Die Eliteeinheit besteht aus bis zu 5000 paramilitärischen Kämpfern. Sie untersteht eigentlich dem Verteidigungsministerium, kämpft aber gemeinsam mit dem abtrünnigen Generalmajor Chalifa Haftar bei der Militärkampagne „Operation Würde“ ohne Befehl aus Tripolis im Osten des Landes gegen islamistische Gruppierungen. Das neu gegründete Militärbündnis aus abtrünnigen Soldaten nennt sich „Nationale Armee“.

Misrata-Brigaden

Der mächtigen Organisation gehören mehr als 230 Milizen mit 40 000 Kämpfern an. In der Stadt Misrata wurde einst der tote Machthaber Muammar al-Gaddafi in einem Kühlhaus zur Schau gestellt, bevor er in der Wüste begraben wurde. Milizen der Stadt sehen sich als Schutzmacht gegen Kräfte des alten Regimes. Sie sind derzeit in die heftigen Kämpfe am internationalen Flughafen Tripolis verwickelt.

Libyens Schutzschild

Der Miliz gehören bewaffnete Brigaden im Osten, Westen, Zentrum und Süden Libyens an – hier gibt es große Überschneidungen mit den Misrata-Brigaden. Die Gruppe wurde 2012 gegründet, um ehemalige Revolutionsgruppen einzubinden, die gegen Gaddafi gekämpft hatten. Die Brigaden mit 6000 bis 12 000 Mitgliedern stehen der islamistischen Muslimbruderschaft nahe; ihre Milizen arbeiteten zeitweise mit dem Verteidigungsministerium in Tripolis zusammen.

Operationszentrum der Revolutionäre in Libyen

Die zwischen 200 und 350 Mann starke Kampfbrigade wurde Anfang 2013 ursprünglich zum Schutz der Hauptstadt Tripolis gegründet und unterstand dem Parlamentspräsidenten. Doch dann beteiligten sich bewaffnete Mitglieder der Gruppierung an der Entführung des Ministerpräsidenten Ali Seidan. Das Operationszentrum wurde daraufhin dem Verteidigungsministerium unterstellt. Auch diese Gruppierung ist an den aktuellen Kämpfen in der Hauptstadt beteiligt.

Revolutionsbrigaden aus Al-Sintan

Mächtige Stammesmilizen kommen aus der Stadt Al-Sintan. Dort haben die Al-Kakaa-Brigade mit 18 000 Kämpfern und Al-Sawaig mit rund 2000 Kämpfern ihre Stützpunkte. International bekannt ist Al-Sintan, weil dort Gaddafis Sohn Saif al-Islam gefangen gehalten wird. Misrata und Al-Sintan rivalisieren um die Macht in Libyen. Milizen beider Städte führen derzeit eine Art Stellvertreterkrieg um den internationalen Flughafen in Tripolis.

Wächter der Erdöl-Einrichtungen

Die Brigade wurde einst vom Verteidigungsministerium bezahlt. Allerdings machten sich die Kämpfer unter Ibrahim Dschadhran selbstständig. Sie blockieren wichtige Ölverladehäfen und fordern die Autonomie Ostlibyens. Die Separatisten sollen mindestens 17 000 Kämpfer unter ihrem Kommando haben.

Ansar al-Sharia

Schätzungen über die Zahl der Mitglieder reichen von wenigen Hundert bis zu 5000. Die Salafisten der radikalsten islamischen Gruppe wollen einen Gottesstaat errichten. Die USA haben sie auf die Terrorliste gesetzt. Sie sollen an dem Angriff auf das US-Konsulat beteiligt gewesen sein, bei dem im September 2012 der Botschafter starb. Ansar al-Scharia kämpft im östlichen Bengasi gegen Truppen und Verbündete von Generalmajor Chalifa Haftar.

Märtyrer des 17. Februar

Die Islamistenmiliz aus Bengasi soll bis zu 3500 Kämpfer umfassen. Sie steht auf der Gehaltsliste des Verteidigungsministeriums.

Keine Freude macht dem Konzern der niedrige Ölpreis. Aktuell kostet Öl der Nordsee-Sorte Brent knapp 63 Dollar und damit rund 40 Prozent weniger als vor einem Jahr. Eine vorteilhafte Entwicklung des Wechselkurses zwischen Euro und Dollar habe den Preisrückgang nur teilweise ausgeglichen. Konkrete Angaben machte der Konzern vorerst nicht dazu. Der Sprecher verwies auf die Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Quartal am 18. Mai.

Von

rtr

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