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23.04.2015

13:39 Uhr

Ölkonzern Petrobras

Korruptionsaffäre kostet 1,9 Milliarden

Die Korruptionsaffäre bei Petrobras schlägt mit 1,9 Milliarden Euro zu Buche. Der brasilianische Konzern veröffentlichte die Zahlen nach Verzögerungen. Von nun an soll alles anders werden, verspricht der neue Chef.

Der Korruptionsskandal kam Petrobras teuer zu stehen. dpa

Der Korruptionsskandal kam Petrobras teuer zu stehen.

Rio de JaneiroDie jahrelange Korruption bei Petrobras hat den brasilianischen Staatskonzern nach eigenen Angaben umgerechnet 1,9 Milliarden Euro gekostet. Die Zahl nannte das Unternehmen am Mittwoch in seinem mit großer Verspätung veröffentlichten Finanzbericht für das vierte Quartal, der Abschreibungen über diese Summe vermerkt. Grund seien Wucheraufträge und andere Kosten im Zuge der Schmiergeldaffäre in den Jahren 2004 bis 2012.

Diese gilt Ermittlern als der größte Korruptionsskandal in der Geschichte des südamerikanischen Landes. Baufirmen sollen umgerechnet rund 745 Millionen Euro an Bestechungsgeldern gezahlt haben, um von dem Staatskonzern Aufträge zu bekommen, für die sie dann Unsummen in Rechnung stellten. Ein Teil des Geldes soll an die regierende Arbeiterpartei und deren Verbündete geflossen sein. Die heutige Staatschefin Dilma Rousseff war in der fraglichen Zeit Aufsichtsratsvorsitzende bei Petrobras. Gegen sie wird aber nicht ermittelt.

Die Veröffentlichung der geprüften Finanzergebnisse gilt für Petrobras als erster Schritt, wieder das Vertrauen von Investoren zu gewinnen. Das überschuldete Unternehmen braucht dringend Zugang zu den internationalen Finanzmärkten, um neu entdeckte Ölvorkommen vor der Küste zu erschließen. Derzeit liegt die Kreditwürdigkeit nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's nur noch auf Ramschniveau.

Der Energiemarktexperte Evan Sponagle in Rio de Janeiro sieht den Finanzbericht als Grundlage, dass die Banken Petrobras und der brasilianischen Ölbranche insgesamt wieder Geld leihen. Die Korruptionsermittlungen hatten den gesamten Industriezweig gelähmt.

Ermittler betonen allerdings, dass die Affäre und der Kreis der Verdächtigen immer noch wächst. Dutzende Spitzenmanager und Politiker stehen in Verdacht. Im März kündigte die Generalstaatsanwaltschaft an, dass gegen mehr als 50 Politiker Ermittlungen laufen, darunter zwölf Abgeordnete einschließlich der Spitzen in beiden Kongresskammern.

Die Untersuchung robbt sich auch langsam an Rousseff heran: Vor einigen Tagen wurde der Schatzmeister ihrer Arbeiterpartei, João Vaccari, verhaftet. Ihm wird Geldwäsche vorgeworfen, weil er Mittel aus dem Petrobras-Schmiergeldsystem angenommen haben soll.

Am Mittwoch wurden zwei Schlüsselfiguren des Falls verurteilt: Der frühere Petrobras-Manager Paulo Roberto Costa soll für sieben Jahre ins Gefängnis, der mutmaßliche Geldeintreiber Alberto Yousseff für neun Jahre. Beide können die Urteile aber anfechten.

Von

afp

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