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06.11.2014

11:57 Uhr

Ölkonzern unter Druck

OMV setzt Produktionserwartungen herunter

Der Ölpreis schwächelt seit Monaten, besonders durch hohe Produktion und Reserven in den USA. Zudem belastet Ölkonzerne die unsichere Lage in Libyen. Der österreichische Konzern OMV zieht nun sein Produktionsziel zurück.

Er hat momentan keinen Grund zur Freude: OMV-Vorstandschef Gerhard Roiss hat mit niedrigen Preisen und politischen Krisen zu kämpfen. Reuters

Er hat momentan keinen Grund zur Freude: OMV-Vorstandschef Gerhard Roiss hat mit niedrigen Preisen und politischen Krisen zu kämpfen.

WienDer schwache Ölpreis und die Unruhen in Libyen bremsen den Öl- und Gaskonzern OMV bei seinen Wachstumsplänen aus. Die für 2016 geplante Produktion von rund 400.000 Barrel pro Tag könne möglicherweise erst zu einem späteren Zeitpunkt erreicht werden, teilte das österreichische Unternehmen am Donnerstag mit. Für das laufende Jahr stellen die Österreicher nun eine Förderung von rund 310.000 Barrel pro Tag in Aussicht - und damit am unteren Ende der angekündigten Bandbreite. Zugleich kündigte OMV an, die Investitionen zu kürzen.

Ursprünglich wollten die Österreicher bis 2016 jährlich rund 3,9 Milliarden Euro investieren. Der deutlich gesunkene Ölpreis macht dem Unternehmen nun aber einen Strich durch die Rechnung. Der Konzern hatte für seine Planungen einen durchschnittlichen Ölpreis von 100 Dollar angenommen. Derzeit liegt der Ölpreis jedoch bei rund 80 Dollar. „Wenn sie einen Dollar Veränderung sehen, dann schlägt das mit rund 40 Million Euro auf das operative Ergebnis durch“, sagte Vorstandschef Gerhard Roiss, der sein Amt nach heftigen Querelen in der Führungsetage Mitte 2015 vorzeitig abgibt.

Fracking: Segen oder Umweltverbrechen?

Erbitterter Streit

Neue Technologien sind oft umstritten. Doch beim Fracking geht der Streit weit über das normale Maß hinaus. Ist die Fördertechnik für Erdgas der Umweltfeind Nummer eins seit der Atomkraft? Oder doch nur eine missverstandene, aber vielversprechende Technologie?

Die Technik

Beim Fracking wird kilometertief in die Erde gebohrt - und dann noch einmal horizontal, zuweilen sechs Kilometer weit. In die Kanäle wird ein Chemiecocktail gepresst, der den Boden aufreißt. Sand in der Flüssigkeit sorgt dafür, dass sich die Risse nicht wieder schließen. Durch sie treten das Erdgas - oder andere Rohstoffe - aus, die dann wie üblich gefördert werden können.

Die Szenerie

Im kanadischen Dawson Creek stand erst ein Bohrturm, 50 Meter hoch. Danach kam das eigentliche Fracking: Sechs gewaltige Trucks stehen dicht nebeneinander und pumpen die Lauge in die Bohrlöcher, 100.000 Kubikmeter pro Bohrfeld. Man versteht sein eigenes Wort nicht, aber die Arbeiter schauen fast gelangweilt auf die Messinstrumente. Ihre Schichten sind hart, der Lohn sind 70.000 bis 140.000 Euro im Jahr. Sind sie weg, ist auch der Lärm weg. Dann soll das Gas 20, 30 Jahre leise aus der Erde in die Pipelines steigen.

Die Gegner

Don Vander Velde ist 68 Jahre alt. Sein ganzes Leben hat er auf dem Land in Alberta, Kanada, gelebt, das seiner Familie seit 1904 gehört. Seit einem Jahrzehnt wird in der Nähe gefrackt. „Manchmal bebt der Boden“, sagt der Farmer. „Und was für Chemikalien kommen da rein?“ Don ist beunruhigt, weil er Kinder, Enkelkinder und eine Urenkelin hat. Die kleine Aspen ist zehn Monate. „Ich bin alt, aber ich möchte nicht ihre Zukunft verspielen.“ Dabei habe er nichts gegen die Förderung. „Ich will auch Energie. Alberta braucht das Gas, so wie es uns Farmer braucht. Also fördert! Aber macht es sicher!“

Das Unternehmen

Encana ist ein Fracking-Riese und Kellen Foreman ist seit elf Jahren dabei. „Wir wollen Transparenz“, beteuert der 29-Jährige. Deshalb würden für Millionen Dollar Zehntausende Wasserproben untersucht. „Und bei nicht einer einzigen ist irgendwo in Kanada eine Verunreinigung des Trinkwassers nachgewiesen worden.“ Und die Erschütterungen? Nur mit feinen Instrumenten messbar. Er könne die Sorgen der Menschen völlig verstehen. „Aber es steckt eine Menge Wissenschaft hinter Fracking. Wir sind keine Cowboys, die da rausgehen und die Erde aufwühlen. Das ist Hochtechnologie.“

Die Politikerin

Hannelore Kraft ist 8000 Kilometer weit gereist, um sich selbst ein Bild zu machen. Mit rotem Overall und weißem Helm steht die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen im Matsch von Dawson Creek in der Wildnis Kanadas, spricht mit den Arbeitern, untersucht die Bohrköpfe und befühlt die Chemielauge, die verpresst wird. „Ich kann mir das im Münsterland nicht so recht vorstellen“, sagt sie. Kraft ist beeindruckt, das merkt man ihr an. Auch von der Offenheit der Arbeiter und der Bohrfirma - in den Augen vieler doch „die Bösen“. Aber kann die Technik auch in Deutschland eingesetzt werden, einem Land das mehr als doppelt so viele Einwohner wie Amerika auf einem Dreißigstel der Fläche hat? „Es ist noch nicht reif, das zu entscheiden. Aber ich kann mir das im dicht besiedelten NRW kaum vorstellen.“

Der Wissenschaftler

Uwe Schneidewind ist einer der wenigen Fracking-Experten in Deutschland. Der Professor und Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie sieht vier Punkte zur Beurteilung von Fracking: klimapolitisch („Unkonventionelle Kohlenstoffvorkommen möglichst nicht anrühren“), volkswirtschaftlich („Arbeitsplatzeffekt ist vorhanden, aber beschränkt“; „Gaspreis sinkt, aber in Europa nicht nachhaltig“), geostrategisch („Abhängigkeit von anderen sinkt, bleibt aber bestehen“) und ökologisch („selbst bei Lösung vieler Probleme in Europa nicht wirklich attraktiv“).

Die Filme

„Gasland“ war ein Welterfolg. Der Dokumentarfilm von Josh Fox aus dem Jahr 2010 wurde nicht nur für den Oscar nominiert, sondern er hat das Thema Fracking auch für die breite Öffentlichkeit erst auf die Tagesordnung gesetzt. In der Schlüsselszene wird ein Wasserhahn aufgedreht und das Wasser angezündet – es brennt. Scharfe Kritik kam von der Branche, aber auch durch einen Kollegen: In „FrackNation“ bezichtigt Filmemacher Phelim McAleer seinen Kollegen Fox, wissentlich ungenau gewesen zu sein. So habe es Berichte über entzündetes Leitungswasser lange vor Fracking gegeben. Inzwischen gibt es „Gasland II“. Als die Dokumentation im April auf dem New Yorker Tribeca-Filmfestival gezeigt wurde, wurden Fans von „FrackNation“, trotz Karten, nicht eingelassen.

Im laufenden Jahr bleibe es bei der geplanten Investitionssumme, wie stark danach zusammengestrichen werden, will OMV erst bei der Vorlage des Jahresabschlusses bekanntgeben. "Es ist zu früh, um über konkrete Summen zu sprechen", sagte Finanzchef David Davies. Der Manager deutete allerdings an, dass die Kürzungen signifikant ausfallen dürften.

OMV ist stark von der Ölförderung in Libyen abhängig, die aufgrund des Bürgerkrieges starken Schwankungen unterworfen ist. In den ersten neun Monaten seien in Libyen rund 9000 Barrel pro Tag gefördert worden - ein Bruchteil des dort in Friedenszeiten erzielten Niveaus von 30.000 Barrel. Auch in Jemen wurde die Produktion immer wieder unterbrochen. Im Mai hatte das Unternehmen aufgrund der Produktionsausfälle in Libyen in Jemen die Förderprognose bereits auf 310.000 bis 330.000 Barrel gekürzt.

Zuletzt konnte OMV die Produktion in Libyen aber steigern, nachdem die Blockade wichtiger Exportterminals aufgehoben worden war. Dadurch erhöhte sich die Produktion des Konzerns im dritten Quartal um 13 Prozent auf 311.000 Barrel pro Tag. Der um Lagereffekte bereinigte Betriebsgewinn (CCS Ebit) legte um sechs Prozent auf 656 Millionen Euro zu. In den ersten neun Monaten liegt das CCS Ebit aber um gut ein Fünftel auf 1,7 Milliarden Euro unter dem Vorjahr.

Von

rtr

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