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13.07.2017

06:19 Uhr

Ölkonzerne im Wandel

Vom schwarzen Gold zur grünen Energie

VonFranz Hubik

Strenge Umweltvorschriften, erodierende Ölpreise: Das Geschäft der Ölmultis schmiert ab. Konzerne wie BP oder Shell investieren daher Milliarden in grüne Energien. Doch im Ökokosmos geht ihr Wettbewerbsvorteil verloren.

Havarierte Öl-Plattform von BP im Golf von Mexiko: Ihr Image als Umweltverschmutzer wollen die Ölmultis loswerden. dpa

Deepwater Horizon

Havarierte Öl-Plattform von BP im Golf von Mexiko: Ihr Image als Umweltverschmutzer wollen die Ölmultis loswerden.

IstanbulEs sind erschütternde Zahlen: Lediglich 25 Unternehmen sollen für mehr als die Hälfte der industriellen Treibhausgasemission verantwortlich sein, die seit 1988 in die Umwelt geblasen wurden. Das ist das Kernergebnis einer neuen Studie des Climate Accountability Instituts  und des Carbon Disclosure Projekts, zwei gemeinnützigen Organisation, die sich für eine umweltfreundliche Wirtschaft einsetzen. Zu den 25 größten Klimasündern der Welt zählen laut der Studie gleich 18 Ölkonzerne. Darunter befinden sich alle Größen der Industrie – von Saudi Aramco über Exxon Mobil bis hin zu Total.

Das Image der Umweltverpester nagt an den fossilen Giganten. Beim World Petroleum Congress in Istanbul, einem nur alle drei Jahre stattfindenden Elitetreffen der Ölbranche mit wechselnden Veranstaltungsorten, zeigen sich führende Vertreter der Industrie geläutert. „Wir müssen unser Geschäft fit machen für eine kohlenstoffarme Welt“, sagte Bob Dudley, Chef des britischen Multis BP. Sein Dauerrivale, Shell-CEO Ben van Beurden, hatte bereits zuvor erklärt: „Wir werden bis zu eine Milliarde Dollar pro Jahr in unsere Division Neue Energien bis zum Ende der Dekade investieren.“

Sowohl Dudley als auch van Beurden unterstützen das Klimaabkommen von Paris und wollen dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen weltweit zu senken. Dafür will Dudley beispielsweise „weiter in Erneuerbare investieren“ und auf Erdgas als Brückentechnologie setzen, um die Energieversorgung auch dann sicherzustellen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht.

BP hat freilich schon einmal versucht, sich in einen grünen Konzern zu verwandeln und ist krachend gescheitert. Ende der 1990er Jahre tilgte der ehemalige Vorstandschef John Browne im Zuge einer ausgeklügelten PR-Kampagne das „british“ aus dem Firmennamen. Das Kürzel BP sollte künftig für „beyond petroleum“ stehen, also für Geschäfte jenseits des Öls. Doch der grüne Geschäftszweig wollte nie so recht gedeihen.

Browne verbrannte mehrere Milliarden Dollar mit Investments in Windräder und Solarzellen, dann wurde seine Strategie beerdigt. Dieses Mal dürften den großen Worten in Sachen Ökoenergie bei den Ölkonzernen aber mehr Taten folgen als einst bei BP, meint Maurice Berns. Der Leiter der Öl- und Gassparte bei Boston Consulting glaubt zwar, dass der Fokus der Ölmultis auch künftig bei der Herstellung von fossilen Brennstoffen liegen werde, aber reines Greenwashing könne man den Konzernen nicht mehr vorwerfen.

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„Die Investitionen und Ankündigungen der Ölkonzerne in Erneuerbare und alternative Technologien einzusteigen, sind real. Die Konzerne versuchen wirklich diese Geschäfte ins Laufen zu bringen“, sagte Berns dem Handelsblatt. Es seien Teams direkt unterhalb der Vorstandsebene gebildet worden, die dieses Thema vorantreiben sollen.

Der Schwenk der Ölkonzerne hin zu grüner Technik ist in erster Linie eine Folge der erodierenden Ölpreise. Das Kerngeschäft der Multis schmiert ab, weil ein Barrel Rohöl (159 Liter) mit rund 48 Dollar heute nicht einmal halb so viel wert wie noch Anfang 2014. Insgesamt hat der Ölpreisverfall tiefe Spuren in den Bilanzen der Konzerne hinterlassen. Allein bei den fünf unabhängigen Multis Exxon Mobil, Shell, BP, Chevron und Total ist der Umsatz von zusammengerechnet 1,64 Billionen Dollar im Jahr 2014 auf nur noch 916 Milliarden im vergangenen Jahr geschrumpft. Gleichzeitig ist der Gewinn des Quintetts um 75 Prozent eingebrochen – auf nur noch 18,2 Milliarden Dollar.

Kommentare (35)

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Herr Holger Narrog

13.07.2017, 08:44 Uhr

Meines Erachtens ist, wenn das Management Ziele gegen die Kerninteressen des eigenen Konzerns setzt, ein Zeichen für die Aktionäre die Aktien zumindest mittelfristig zu verkaufen.

Eine Shell, BP, Total mit ihrer Kapitalstärke, Strukturen und Fachleuten können Projekte wie die bis zu zig-milliardenteure Erschliessung von Tiefsee Öl/Gasvorkommen leisten und sind deshalb für solche Projekte prädestiniert.

Es ist wie im Artikel geschrieben auch richtig dass solche hundert Milliardenkonzerne aufgrund ihrer Strukturen und Bürokratie und der damit einhergehenden Overheadkosten bei mittelalterlichen Windmühlenprojekten im Nachteil sind. Die Strukturen passen nicht für solche Geschäftsbereiche.

Abwegig ist der Gedanke, dass sich die ganze Welt mit der Ökoreligion und der ökoreligiösen Weltuntergangskatastrophe des Klimaschwindels missionieren lässt. Soweit mir bekannt ist die destruktive Ökoreligion eine Religion Westeuropas und einiger Küstenstaaten der USA. Länder wie Russland, China, Saudi Arabien, Indien haben sich den Europäern (und Obama) zu Gefallen im Klimaabkommen von Paris unverbindliche, wenig herausfordernde Ziele gesetzt.

Im Aufsichtsrat von Shell sitzen die Vertreter staatlicher Pensionskassen die den Managern des Konzern ökoreligiöse Ziele vorgegeben haben. Ziele im Sinne des Klimaschwindels stehen den Kerninteressen eines Ölkonzerns diametral entgegen.

Herr Piet Vrolijk

13.07.2017, 08:54 Uhr

Herr Holger Narrog - 13.07.2017, 08:44 Uhr

Ökologie ist keine Religion ... Ökologie ist eine Wissenschaft

Und diese Wissenschaft kann man leugnen ... aber das interessiert die Natur und die Reaktion von die Natur auf die übermässige CO-Ausstoß nun so ganz und gar nicht.

Herr Kuno van Oyten

13.07.2017, 09:19 Uhr

@ Herr Holger Narrog - 13.07.2017, 08:44 Uhr - Da liest man die erste Hälfte des guten Kommentars und dann wieder so eine unqualifizierte Bemerkung.
Danke Hr. Vrolijk für ihren sehr qualifizierten Kommentar auf den von Hr. Narrog.
Kurz knapp prägnant so soll es sein.

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