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03.10.2016

15:15 Uhr

Ölpreis und Industriemetalle

Unternehmen unterschätzen das Preisrisiko

VonRegine Palm

Der Ölpreis ist wieder auf dem Weg nach oben. Unternehmen könnten sich gegen das Risiko absichern. Viele zögern aber noch. Dabei sparen sie mit dem richtigen Management Kosten und sichern ihre Produktion.

Die Opec hat beschlossen, die Förderung zu drosseln. Experten erwarten dadurch steigende Preise. dpa

Öl

Die Opec hat beschlossen, die Förderung zu drosseln. Experten erwarten dadurch steigende Preise.

DüsseldorfObwohl Russland noch zögert, sich den Begrenzungsplänen der Opec anzuschließen: Die Fördermenge für Erdöl wird in den kommenden Monaten zurückgehen – der Preis tendenziell weiter steigen. Gerade für produzierende Unternehmen bedeutet das zunehmend ein Risiko. Ihre Kosten für den Wareneinkauf steigen, und es ist ungewiss, ob sie die Preissteigerungen an ihre Kunden weitergeben können. Viele Unternehmen haben einer Studie zufolge das Risiko erkannt, dennoch reagieren sie noch nicht.

Schon jetzt müssen Konzerne für Rohstoffe wieder tiefer in die Tasche greifen als noch vor einem Jahr. Die Notierungen wichtiger Industriemetalle und auch der Ölpreis haben sich gleich zu Jahresbeginn von ihren Tiefständen gelöst und sind deutlich gestiegen. Experten riefen bereits die Trendwende an den Rohstoffmärkten aus. Die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf vermochte angesichts zum Teil heftiger Preisschwankungen aber zunächst nicht zu überzeugen. Viele Unternehmen verzichten daher weiter darauf, sich die niedrigen Grundstoffpreise zu sichern.

So viel teurer wird der Sprit durch die Steuer

Belgien

Preis für 1000 Liter Super 95

ohne Steuern: 338,01 Euro
mit Steuern: 1158,10 Euro

Bulgarien

Preis für 1000 Liter Super 95

ohne Steuern: 450,43 Euro
mit Steuern: 976,14 Euro

Deutschland

Preis für 1000 Liter Super 95

ohne Steuern: 328,69 Euro
mit Steuern: 1170 Euro

Frankreich

Preis für 1000 Liter Super 95

ohne Steuern: 385,68 Euro
mit Steuern: 1239,94 Euro

Großbritannien

Preis für 1000 Liter Super 95

ohne Steuern: 344,46 Euro
mit Steuern: 1314,13 Euro

Italien

Preis für 1000 Liter Super 95

ohne Steuern: 397,42 Euro
mit Steuern: 1373,50 Euro

Niederlande

Preis für 1000 Liter Super 95

ohne Steuern: 370,03 Euro
mit Steuern: 1389 Euro

Österreich

Preis für 1000 Liter Super 95

ohne Steuern: 369,97 Euro
mit Steuern: 1036 Euro

Polen

Preis für 1000 Liter Super 95

ohne Steuern: 349,28 Euro
mit Steuern: 896,88 Euro

Tschechien

Preis für 1000 Liter Super 95

ohne Steuern: 345,21 Euro
mit Steuern: 992,34 Euro

Quelle: Mineralölverband MVV, Daten: EU-Kommission, Stichtag 15. Februar 2016

„Eine Trendwende ist noch nicht erfolgt“, sagt Daniel Rauch, Fondsmanager der LBBW Asset Management Investment GmbH, „allerdings hat sich zu Jahresbeginn ein tragfähiger Boden gebildet.“ Für weitere Preissteigerungen an den Rohstoffmärkten müsste nun erst einmal die Nachfrage anspringen, das sei aber noch nicht passiert. „Der Preisanstieg beruht vor allem auf einer Verknappung des Angebots“, erklärt der LBBW-Experte. Für Unternehmen, die Rohstoffe brauchen, ist das eine gute Nachricht. „Sie können sich die niedrigen Preise noch sichern“, sagt er.

Gerade bei der Absicherung hakt es bislang noch bei vielen Unternehmen. Besonders deutlich wird das bei Rohöl. Nach einer Umfrage der Kölner Einkaufsberatung Inverto zusammen mit dem Handelsblatt hat jeder dritte Befragte die aktuell niedrigen Rohölpreise nicht genutzt. Das ist umso erstaunlicher, da die Mehrheit der Firmen – insgesamt 62 Prozent – erwartet, dass der Rohölpreis steigen wird. Insgesamt haben sich an der Studie 91 Unternehmen aus verschiedenen Branchen beteiligt.

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Der brasilianische Ölkonzern Petrobras wird seine Investitionen bis 2021 kräftig herunterfahren. Der Konzern sitzt auf Verbindlichkeiten von fast 125 Milliarden Dollar und hat mit einer Korruptionsaffäre zu kämpfen.

Die Bedeutung der Ölpreise zeigt sich etwa im Kraftstoffverbrauch, der rund 20 Prozent der Kosten bei Frachtgut, das über die Straße transportiert wird, ausmacht. Allein von Mai 2015 bis Januar 2016 sind die Diesel-Preise um rund ein Fünftel gefallen. Das sind Entwicklungen, die Unternehmer nicht vorhersehen, aber abfedern können, beispielsweise durch eine „Dieselfloater“-Regelung. Damit werden nach zuvor vereinbarten Regeln steigende und fallende Dieselpreise bei den Abrechnungen mit Auf- oder Abschlägen berücksichtigt.

„Hätte eine Firma mit einem Logistikaufkommen von zehn Millionen Euro im Jahr und einem Dieseleinkaufsvolumen von rund zwei Millionen Euro seine Frachtraten von Mai 2015 bis April 2016 nicht angepasst, hätte es mehr als 220.000 Euro mögliche Einsparungen versäumt“, rechnet Lars-Peter Häfele, Rohstoffexperte bei Inverto, vor.

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