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31.03.2016

16:14 Uhr

Ölpreis-Verfall

Gewinn von Ölproduzent Rosneft bricht ein

Shell, BP, Exxon: Fast alle großen Produzenten kämpfen gegen den Preisverfall beim Öl. Die Krise trifft auch den russischen Staatskonzern Rosneft. Drastische Kostensenkungen sorgen dennoch für ein kleinen Quartalsplus.

Rosneft trägt zu einem Drittel zur Ölförderung Russlands bei – Gewinneinbrüche bei dem staatlichen Konzern treffen den Staatshaushalt direkt. Reuters

Russische Ölförderung

Rosneft trägt zu einem Drittel zur Ölförderung Russlands bei – Gewinneinbrüche bei dem staatlichen Konzern treffen den Staatshaushalt direkt.

MoskauDer Ölpreisverfall hinterlässt bei Russlands größtem Produzenten Rosneft deutliche Spuren. In den letzten drei Monaten 2015 brach der Nettogewinn im Vergleich zum Vorquartal um 53 Prozent auf 53 Milliarden Rubel (687 Millionen Euro) ein, wie der führende börsennotierte Konzern der Branche am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz fiel um knapp acht Prozent auf 16 Milliarden Euro.

Im Gesamtjahr 2015 lag das Minus bei den Einnahmen ähnlich hoch bei 6,4 Prozent auf gut 66 Milliarden Euro. Dank Kostensenkungen schaffte Rosneft beim Nettogewinn allerdings ein Mini-Plus von zwei Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Auch seine Schulden konnte der Ölproduzent deshalb zurückfahren.

Der starke Preisverfall bei Rohöl geht vor allem auf das riesige Überangebot zurück. Das macht nicht nur Rosneft, das mehr als ein Drittel zur gesamten Ölförderung Russlands beiträgt, zu schaffen, sondern auch den anderen Ölmultis wie Royal Dutch Shell, Exxon oder BP, die ebenfalls mit Stellenstreichungen und Investitionskürzungen dagegen ankämpfen. BP ist mit fast 20 Prozent an Rosneft beteiligt.

Das Auf und Ab beim Ölpreis im Jahr 2015

Überangebot

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzen dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,71 Dollar. Derzeit liegt der Preis mit rund 40 Dollar nicht einmal halb so hoch.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will. Sie kämpft stattdessen mit Rabatten um ihre Marktanteile.

7. Januar

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009. Damit nähert er sich dem im Sog der Finanzkrise im Dezember 2008 erreichten Tief von 36,20 Dollar. Das war so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

3. Februar

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. Juli

Ein Bericht über den neuerlichen Anstieg von Ölbohrungen in den USA setzt den Preis wieder unter Druck: Brent fällt bis auf knapp 60 Dollar. Am darauffolgenden Montag, den 6. Juli, sinkt der Preis wieder klar unter die 60-Dollar-Marke.

3. August

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet Brent so wenig wie zuletzt im März 2009, als der Preis einen Tiefstand von 41,30 Dollar erreichte.

8. Dezember

Nachdem die Opec am Freitag ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

9. Dezember

Auch an den Zapfsäulen kommt der Kursverfall am Rohstoffmarkt langsam an: Bei mehreren Internet-Vergleichsportalen kratzt der Preis für ein Liter Diesel erstmals seit 2009 wieder an der Ein-Euro-Marke.

Um den Ölpreis zu stabilisieren, hat sich Russland mit Saudi-Arabien, Katar und Venezuela im Grundsatz darauf verständigt, die Förderung auf dem Niveau vom Januar einzufrieren, wenn andere Produzenten sich ebenfalls daran beteiligen. Details sollen bei einem Treffen von Opec- und Nicht-Opec-Staaten am 17. April in Doha besprochen werden.

Von

rtr

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