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31.07.2013

16:34 Uhr

Österreich

Gaskraftwerke verhageln Verbund Halbjahresbilanz

Österreichs größter Stromkonzern Verbund leidet unter seinen Gaskraftwerken. Das Unternehmen rutscht in die roten Zahlen. Zusätzlichen drücken hohe Wertberichtigungen bei den Gaskraftwerken das Ergebnis.

Die Gaskraftwerke entwickeln sich zum Sorgenkind von Verbund. dpa

Die Gaskraftwerke entwickeln sich zum Sorgenkind von Verbund.

WienUnrentable Gaskraftwerke haben Österreichs größtem Stromkonzern Verbund die Halbjahrsbilanz verhagelt. Bereits angekündigte Wertberichtigungen von über einer Milliarde Euro färbten das operative Ergebnis (Ebit) zur Jahresmitte tiefrot, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der operative Verlust (Ebit) lag im ersten Halbjahr mit knapp 90 (Vorjahr: Gewinn von 472) Millionen Euro aber im Rahmen der Erwartungen, da Analysten auf einem Kapitalmarkttag vorgewarnt wurden. Zudem lasteten die gesunkenen Großhandelspreise und das Hochwasser an der Donau Anfang Juni auf dem Ergebnis.

Die steigende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sowie die schwache Konjunktur in Europa sorgen derzeit für eine Talfahrt der Strompreise an den Börsen. Das Hochwasser hatte zehn Wasserkraftwerke von Verbund für rund eine Woche lahmgelegt und bei Verbund einen Schaden von rund 30 Millionen Euro verursacht. Dennoch gelang es dem mehrheitlich im Staatsbesitz stehenden Konzern unter dem Strich den Gewinn auf 448,2 von 214,1 Millionen Euro mehr als zu verdoppeln. Verantwortlich dafür sei ein positiver Einmaleffekt von rund 1,3 Milliarden Euro durch das Geschäft mit dem deutschen Versorger E.ON, der das Konzernergebnis aufblähte, sich aber kaum auf das operative Ergebnis auswirkte. Verbund hatte von E.ON acht Laufkraftwerke in Bayern übernommen und dafür im Gegenzug seine 50-Prozent-Beteiligung an der türkischen Enerjisa abgegeben.

Gaskraftwerke auf dem Prüfstand

Die Gaskraftwerke in Österreich und Frankreich seien im ersten Halbjahr um 660 Millionen Euro wertberichtigt worden, die Minderheitsbeteiligung an der italienischen Sorgenia um 396 Millionen Euro. Die an den Ölpreis gebundenen Gaslieferverträge machen Gaskraftwerke derzeit wirtschaftlich äußerst unattraktiv. „Ich kann weitere Abschreibungen zwar nicht hundertprozentig ausschließen, aber wenn, dann sind sie wesentlich kleiner als zuletzt“, sagte Konzernchef Wolfgang Anzengruber. Er stellt die Werke nun auf den Prüfstand: „Von einmotten bis verkaufen ist alles möglich.“ Nach den starken Abwertungen seien die Restwerte relativ gering. Eine Entscheidung soll im vierten Quartal getroffen werden, sagte er.

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Die Gaskraftwerke bereiten nicht nur den Österreichern Kopfzerbrechen. Auch die großen deutschen Energiekonzerne wie etwa E.ON klagen, dass ein wirtschaftlicher Betrieb wegen der gefallenen Strom-Großhandelspreise derzeit nicht möglich sei. Vor allem durch den starken Ausbau des Ökostroms werden Gaskraftwerke derzeit reihenweise aus dem Markt gedrängt. Selbst klimaschädliche Kohlekraftwerke stehen wegen ihres vergleichsweise günstigen Brennstoffes und den gefallenen Preisen für Verschmutzungsrechte oftmals besser dar.

Dabei steht Verbund noch vergleichsweise gut da. Rund 90 Prozent seiner Erzeugung gewinnt der Konzern aus Wasserkraft und deckt damit über 40 Prozent des österreichischen Strombedarfs ab. Entsprechend stark hängt das Ergebnis von der Wasserführung der Flüsse ab. „Die Wasserführung liegt etwa elf Prozent über dem langjährigen Durchschnitt“, zeigte sich Anzengruber zufrieden. Bis Jahresende sollte sich trotz der jüngsten Trockenheit ein Plus von fünf Prozent ergeben, erwartet er. Anzengruber bekräftigte, künftig nur noch in CO2-freie Stromerzeugung zu investieren.

Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen unverändert ein operatives Ergebnis (Ebitda) von mindestens 1,15 Milliarden Euro und ein Konzernergebnis von mindestens 600 Millionen Euro. „Wir sehen das als relativ gut abgesichert“, sagte Anzengruber. An der Kostenschraube wolle der Konzern weiterhin drehen und bis 2015 insgesamt 130 Millionen Euro einsparen. Die geplanten Investitionen schraubte das Unternehmen kürzlich auf 1,2 Milliarden Euro von ursprünglich 2,2 Milliarden Euro zurück. Für 2013 wolle der Konzern eine Dividende von einem Euro je Aktie zahlen, bekräftigte Anzengruber, nachdem für das Vorjahr 60 Cent ausgeschüttet wurden.

Von

rtr

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