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13.05.2014

16:23 Uhr

Österreichischer Gaskonzern

OMV will Handelsmacht an Gazprom abgeben

Ein Drittel des russischen Gases kommen dort nach Europa: Die Handelsplattform Baumgarten in Österreich ist für Mittel- und Osteuropa strategisch wichtig. Jetzt überlegt OMV, Anteile an die russische Gazprom abzugeben.

Gasleitungen in Baumgarten: OMV denkt darüber nach, Anteile an der Handelsplattform an Gazprom zu verkaufen. Reuters

Gasleitungen in Baumgarten: OMV denkt darüber nach, Anteile an der Handelsplattform an Gazprom zu verkaufen.

WienDer österreichische Erdöl- und Gaskonzern OMV will mitten in der Ukraine-Krise seine Zusammenarbeit mit dem russischen Energieriesen Gazprom ausbauen. Rund zwei Wochen nach der Vereinbarung über den Bau des österreichischen Abschnittes der russischen Pipeline South Stream, verhandeln beide Firmen nun über einen Einstieg Gazproms bei der wichtigen Gashandelsplattform Baumgarten.

Das kündigte OMV-Chef Gerhard Roiss am Dienstag an. Wie aus Unternehmenskreisen verlautet, geht es in den Gesprächen mit dem russischen Gasmonopolisten um einen Anteil von 25 Prozent. OMV, bislang mit 65 Prozent beteiligt, verlöre bei einem Verkauf die Mehrheit.

Baumgarten ist für Gazprom von großem strategischem Interesse: Die Plattform zählt zu den wichtigsten Drehschreiben für Gas aus Russland. Rund ein Drittel des russischen Exports nach Westeuropa läuft über diesen Knotenpunkt in Österreich und gelangt von hier nach Ungarn, Italien, Kroatien, Slowenien, Deutschland und Frankreich.

Gasspeicher in Deutschland

Gasspeicher in Deutschland

Nach Angaben des Branchenverbands BDEW gibt es 50 deutsche Untertage-Gasspeicher an 40 Standorten. Diese können knapp 23 Milliarden Kubikmeter Gas aufnehmen. Das entspreche mehr als einem Viertel der in Deutschland im Jahr 2012 verbrauchten Erdgasmenge. Die größten Gasspeicher im Überblick.
(Quelle: Unternehmen / Gas Infrastructure Europe)

Rehden (Niedersachsen)

Betreiber: Astora (Gazprom-Tochter)

Kapazität: 4,2 Milliarden Kubikmeter

Epe (Niedersachsen)

Betreiber: E.on Gas Storage

Kapazität: 1,5 Milliarden Kubikmeter

Bierwang Unterreit (Bayern)

Betreiber: E.on Gas Storage

Kapazität: 1,4 Milliarden Kubikmeter

Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt)

Betreiber: VNG Gasspeicher

Kapazität: 1,1 Milliarden Kubikmeter

Huntorf / Nüttermoor (Niedersachsen)

Betreiber: EWE Gasspeicher

Kapazität: 1,07 Milliarden Kubikmeter

Bernburg (Sachsen-Anhalt)

Betreiber: VNG Gasspeicher

Kapazität: 1,03 Milliarden Kubikmeter

Etzel (Niedersachsen)

Betreiber: E.on Gas Storage

Kapazität: 1,03 Milliarden Kubikmeter

Gazprom unternimmt bereits den zweiten Anlauf, sich an der Gashandelsplattform zu beteiligen. Bereits vor einigen Jahren wollte sich Gazprom Anteile an Baumgarten angeln. Damals war sogar ein 50-Prozent-Einstieg geplant. Der Deal wurde jedoch schließlich von der EU-Kommission blockiert - die Behörde befürchtet eine zu große Marktmacht des russischen Staatskonzerns. Inmitten der Ukraine-Krise werden Geschäfte mit Russland im Westen derzeit besonders kritisch beäugt. Die Europäische Union und die USA haben Sanktionen gegen Russland verhängt, es drohen weitere härtere Strafmaßnahmen.

Die OMV hofft dennoch, die notwendigen Genehmigungen für die Kooperation mit Gazprom bis 2015 zu bekommen. EU-Kommissar Günther Oettinger sprach sich zuletzt nicht grundsätzlich gegen den Bau der von Russland vorangetriebenen Gaspipeline South Stream aus. Bislang stand die EU dem Projekt kritisch gegenüber, weil es die Abhängigkeit Europas von russischem Gas nicht reduziert, sondern lediglich die Ukraine als Transitland umgeht. OMV und Gazprom arbeiten seit Jahren zusammen.

Der österreichische Gaskonzern hat derzeit auch an anderen Fronten zu kämpfen: Den Wienern machen weiter Produktionsausfälle in Libyen zu schaffen. Da die Ölförderanlagen in dem krisengebeutelten nordafrikanischen Land seit März still stehen, musste OMV das Produktionsziel über Bord werfen. Zudem leidet das Unternehmen unter dem schwachen Raffineriegeschäft. Der um Lagereffekte bereinigte Betriebsgewinn (Clean CCS Ebit) schrumpfte im ersten Quartal um ein Fünftel auf 668 Millionen Euro.

Von

rtr

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