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09.06.2016

16:33 Uhr

Offshore-Windenergie

„Die nächste Subventionsruine“

VonFranz Hubik

Windkraft auf hoher See steht wegen der immensen Kosten und Risiken in der Kritik. Die Branche verspricht nun die Preise für Meerwindstrom binnen weniger Jahre zu halbieren – vorausgesetzt es fließt weiter Fördergeld.

Die Offshore-Windbranche steht in der Kritik und verspricht Preissenkungen. dpa

Offshore-Windkraft

Die Offshore-Windbranche steht in der Kritik und verspricht Preissenkungen.

BremenKaum eine Branche musste in den vergangenen Jahren so viel Spott und Hohn einstecken, wie die deutsche Offshore-Windkraftindustrie. Siemens versenkte fast eine Milliarde Euro im Meeresgrund, weil der Münchner Dax-Konzern die Anbindung der Hochseeanlagen ans Stromnetz sträflich unterschätzte. Beim Windparkprojekt Bard I der Unicredit-Bank explodierten die Kosten von eineinhalb auf gut drei Milliarden Euro. Und der Oldenburger Energieversorger EWE musste als Betreiber des Windparks Riffgat seine Mühlen über Wochen mit Dieselaggregaten in Schwung halten, um sie wegen fehlender Netze vor Rost zu schützen. Mittlerweile sind derlei Probleme aber passé. Die Industrie hat ihre Kinderkrankheiten überwunden. Und strebt jetzt nach Größerem.

„Wir haben noch ein gewaltiges Kostensenkungspotenzial“, prognostizierte Bastian Abicht vom Lobbyverband Stiftung Offshore-Windenergie am Donnerstag im Zuge der Branchenkonferenz Windforce in Bremen. Durch technologische Innovationen und Skaleneffekte könnten die Preise für Meerwindenergie binnen weniger Jahre um gut 40 Prozent reduziert werden, sagte Abicht. Turbinenhersteller wie Siemens, Vestas oder GE und Windparkbetreiber wie Eon oder RWE gehen sogar noch weiter. Erst Anfang der Woche veröffentlichten sie gemeinsam mit sechs weiteren führenden Unternehmen im Offshore-Windgeschäft eine Erklärung, in der sie versprachen, die Kosten auf das Niveau von Gas- oder Kohlestrom zu drücken.

Offshore: Projekte in Megadimensionen

Gewicht

Das Gesamtgewicht einer Anlage kann laut der Stiftung Offshore Windenergie schnell 1000 Tonnen übersteigen. Dabei stehen die Anlagen auf bis zu 900 Tonnen schweren Fundamenten. Allein die Gondel (Maschinenhaus) könne zwischen 300 und 400 Tonnen wiegen.

Gigantische Maße

Allein die im Testfeld Alpha Ventus installierten 5-Megawatt-Anlagen haben einen Rotordurchmesser von bis zu 125 Metern und eine Gesamthöhe von mehr als 170 Metern über dem Meeresgrund. Neuere Anlagen der Leistungsklasse von 6 Megawatt erreichen laut Stiftung Offshore Windenergie Rotordurchmesser um die 150 Meter.

Kosten

Der Bau eines Windparks auf hoher See ist um einiges komplexer als der einer Anlage auf dem Land. Doch binnen sechs Jahren konnte die Branche ihre Kosten halbieren. Beim neuen Offshore-Windpark „Borssele“ in den Niederlanden liegen die Gesamtkosten pro Megawattstunde bei 87 Euro.

Konkret wollen die Firmen die Preise für Offshore-Windenergie bis 2025 mehr als halbieren. Statt aktuell 168 Euro soll eine Megawattstunde Meerwindstrom in neun Jahren dann nur mehr 80 Euro kosten. Gelingen soll dieses Kunststück indem von der Turbine über die Umspannwerke bis hin zur Wartung und Logistik in allen Segmenten weiter drastisch gespart und optimiert wird. Ein voller Erfolg kann die Effizienzoffensive nach Auffassung der Industrie aber nur dann werden, wenn es eine breite Projektpipeline gibt. Die Politik müsse dafür sorgen, dass in ganz Europa jährlich Offshore-Windparks mit einer Leistung von zumindest 4.000 Megawatt neu gebaut werden dürfen.

Der Zeitpunkt für die Kostensenkungsankündigung wurde von der Branche bewusst gewählt. In Deutschland wird etwa gerade das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) überarbeitet. Und der am Mittwoch gefasste EEG-Kabinettsbeschluss bleibt weit hinter den Vorstellungen der Industrie zurück. Demnach soll der Ausbau von Windenergieanlagen in Nord- und Ostsee auf 730 Megawatt pro Jahr gedeckelt werden. Zudem ist geplant die Vergütung je Kilowattstunde Windstrom nicht mehr staatlich festzusetzen, sondern mittels einer Ausschreibung im Wettbewerb zu ermitteln. Dadurch sollen die Kosten für die Verbraucher eingedämmt werden – sie zahlen für die EEG-Ökostromförderung bereits 25 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Windenergie-Industrie ist alarmiert. Es gebe ein „ernsthaftes Fragezeichen“, welche Unterstützung die Branche angesichts der Planspiele in Berlin über 2020 hinaus noch genieße, schreiben die elf führenden Offshore-Firmen in ihrer gemeinsamen Erklärung. Viele Unternehmen schrecken wegen der ungewissen Rahmenbedingungen vor großen Investitionen zurück – wie etwa in Roboter zur automatisierten Produktion oder Baukasten –Plattformen für Gondeln, Turbinen und Rotorblättern. Doch nur mit solchen Optimierungsmaßnahmen würden sich die Kosten deutlich reduzieren lassen, hieß es unisono am Rande der Windforce-Konferenz.

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