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18.02.2016

10:03 Uhr

OMV und Russland

Österreichs Ölkonzern ist abhängig von Gazprom

OMV will über ein Tauschgeschäft mit Gazprom in den russischen Markt einsteigen. Gelingt das nicht, sieht es düster aus. Einen Plan B gibt es nicht, gesteht der Vorstandschef des Ölkonzerns – und kürzt die Dividende.

Der österreichische Konzern setzt voll auf den Einstieg in Russland. Reuters

Ölfässer von OMV

Der österreichische Konzern setzt voll auf den Einstieg in Russland.

WienDer Ölpreisabsturz und hohe Abschreibungen haben dem österreichischen Erdöl- und Gaskonzern OMV einen Milliardenverlust eingebrockt. Die Dividende für das vergangene Geschäftsjahr soll auf 1,00 Euro je Aktie von 1,25 Euro gekürzt werden, wie der teilstaatliche Konzern am Donnerstag mitteilte. Auch mit dem Ausblick machte Konzernchef Rainer Seele den Aktionären keine Freude.

„Wir haben schwierige Jahre vor uns, die Öl- und Gaspreise sind im Keller. Eine Erholung ist nicht in Sicht“, sagte der ehemalige Wintershall -Chef, der im vergangenen Juli das Ruder bei Österreichs größtem Industriekonzern übernommen hatte. Die OMV-Papiere fielen zur Eröffnung um 2,3 Prozent auf 24 Euro.

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Totgesagte leben länger – auch im Heizungskeller: Die Deutschen lassen sich wieder öfter eine Ölheizung einbauen. Für eine sprunghaft steigende Nachfrage sorgt der fallende Ölpreis. Auch am Morgen ging es wieder abwärts.

Da der Ölpreis in den Keller gerutscht ist, musste die OMV im vergangenen Jahr Wertberichtigungen in Höhe von drei Milliarden Euro vornehmen. Die Wiener rutschten in die roten Zahlen und wiesen unter dem Strich einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro aus. Der bei Analysten viel beachtete, um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn (CCS Ebit) schrumpfte um 38 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.

Der OMV-Chef führt die Probleme des Konzerns vor allem auf zu hohe Kosten für die Suche nach Öl und Gas zurück. Diese seien im Branchenvergleich zu hoch. Die Explorationsausgaben sollen nun in den kommenden zwei Jahren auf 300 Millionen Euro jährlich halbiert werden. „Wir leben seit Jahren über unsere Verhältnisse“, kritisierte Seele. Auf dem Unternehmen lastet ein Schuldenberg von vier Milliarden Euro. Oberste Priorität habe die Steigerung der Profitabilität. „Dividenden auf Pump“ soll es künftig nicht mehr geben, sagte Seele.

Abgeschafft werde auch die „Jagd nach Volumen“. Bis 2020 sieht die OMV die Produktion bei 300.000 Barrel pro Tag stagnieren. Sollte das geplante Tauschgeschäft mit dem russischen Energieriesen Gazprom gelingen und in den Krisenländern Libyen und Jemen die Produktion wieder aufgenommen werden, könnte der Förderung bis 2020 auch auf 360.000 Barrel steigen.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Die OMV setzt trotz der Spannungen zwischen Russland und dem Westen ihre ganzen Hoffnungen auf den Einstieg in den russischen Markt. Dort wären die Produktionskosten weit niedriger als etwa in der Nordsee oder in Rumänien. Sollte das geplante Tauschgeschäft mit Gazprom scheitern, müsse der Konzern seine Strategie anpassen. Einen Plan B gebe es nicht, sagte Seele.

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