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12.07.2016

16:56 Uhr

Opec-Einschätzung

Öl-Nachfrage wird Förderung 2017 wieder übersteigen

Der Ölpreis fällt und fällt. Doch die Opec bleibt optimistisch: Im kommenden Jahr werde die Nachfrage die Fördermenge wieder übersteigen, prognostiziert das Kartell – manche Experten sehen das anders.

Mindestens 300 Millionen Barrel Öl werden derzeit weltweit gelagert. Doch im kommenden Jahr dürften die Bestände nach Einschätzung der Opec wieder sinken. dpa

Erdölförderung

Mindestens 300 Millionen Barrel Öl werden derzeit weltweit gelagert. Doch im kommenden Jahr dürften die Bestände nach Einschätzung der Opec wieder sinken.

LondonDie Opec erwartet fürs kommende Jahr eine Reduzierung des Überangebots an Rohöl auf dem Weltmarkt wegen steigender Nachfrage und sinkender Förderung. Schon in dritten Quartal dieses Jahres werde die Nachfrage höher als das Angebot liegen, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Monatsbericht des Kartells. Dieser Trend werde sich fortsetzen. „Die Marktbedingungen werden 2017 dabei helfen, die überschüssigen Öl-Vorräte abzubauen.“ Andere Experten gehen allerdings davon aus, dass die auf mindestens 300 Millionen Barrel geschätzten Lagerbestände erst 2018 abgebaut sein werden.

Die Öl-Preise haben sich seit 2014 etwa halbiert. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hatte sich damals geweigert, die Produktion zu drosseln, damit Mitgliedstaaten in einem Umfeld mit niedrigeren Preisen Marktanteile gewinnen konnten. Dem Opec-Bericht für Juni zufolge könnte diese Strategie aufgegangen sein: Demnach geht das Kartell davon aus, dass die anderen Produzenten in diesem Jahr 880.000 Barrel Öl pro Tag (bpd) und im kommenden Jahr 110.000 bpd weniger fördern werden. Die weltweite Nachfrage werde 2017 vermutlich um 1,15 Millionen bpd steigen und damit etwas weniger als die 1,19 Millionen bpd, die fürs laufende Jahr erwartet werden.

Das Auf und Ab beim Ölpreis im Jahr 2015

Überangebot

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzen dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,71 Dollar. Derzeit liegt der Preis mit rund 40 Dollar nicht einmal halb so hoch.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will. Sie kämpft stattdessen mit Rabatten um ihre Marktanteile.

7. Januar

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009. Damit nähert er sich dem im Sog der Finanzkrise im Dezember 2008 erreichten Tief von 36,20 Dollar. Das war so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

3. Februar

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. Juli

Ein Bericht über den neuerlichen Anstieg von Ölbohrungen in den USA setzt den Preis wieder unter Druck: Brent fällt bis auf knapp 60 Dollar. Am darauffolgenden Montag, den 6. Juli, sinkt der Preis wieder klar unter die 60-Dollar-Marke.

3. August

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet Brent so wenig wie zuletzt im März 2009, als der Preis einen Tiefstand von 41,30 Dollar erreichte.

8. Dezember

Nachdem die Opec am Freitag ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

9. Dezember

Auch an den Zapfsäulen kommt der Kursverfall am Rohstoffmarkt langsam an: Bei mehreren Internet-Vergleichsportalen kratzt der Preis für ein Liter Diesel erstmals seit 2009 wieder an der Ein-Euro-Marke.

Die Opec geht davon aus, dass sich die Unsicherheit auf den Weltmärkten nach dem Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union negativ auf das globale Wirtschaftswachstum auswirken wird. Für dieses Jahr erwartet die Organisation nun ein Wachstum von 3,0 Prozent statt bislang 3,1 Prozent.

Von

rtr

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