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27.10.2013

12:59 Uhr

Pannenserie

Thyssen-Krupp wird Brasilien-Werk nicht los

ExklusivThyssen-Krupp findet keinen Käufer für sein verlustreiches Stahlwerk in Brasilien: Die Suche scheitert offenbar an Pannen in der Produktion. Erschwert wird der Verkauf auch durch langfristige Liefervereinbarungen.

Stahlwerk in Brasilien: Die Anlage hat Thyssen-Krupp hohe Verluste beschert. dpa

Stahlwerk in Brasilien: Die Anlage hat Thyssen-Krupp hohe Verluste beschert.

DüsseldorfDer Industriekonzern Thyssen-Krupp wird voraussichtlich an seinem Stahlwerk in Brasilien festhalten müssen. Grund dafür seien eine Pannenserie, durch die die Produktion gestört wurde, sowie Liefervereinbarungen mit dem Rohstoffkonzern Vale, wie das Handelsblatt (Montagausgabe) aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen erfahren hat. Diese beiden Umstände machten den Verkauf derzeit faktisch undenkbar, da Thyssen-Krupp nach einer Veräußerung große Risiken tragen müsste.

Nach Angaben des Unternehmens gab es in den vergangenen Monaten massive Störungen im Kraftwerk sowie einem Hochofen, die erhebliche Kosten verursacht hatten. Ursache dafür waren zumindest beim Hochofen Konstruktionsfehler. Nach diesen Pannen müsse man schauen, ob das Werk problemlos laufen könne, hieß es in Verhandlungskreisen.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Erschwert wird der Verkauf auch davon, dass der alte Vorstand beim Verkauf weiterer Anteile an Vale dem Minderheitsaktionär langfristige Zusagen für die Abnahme von Stahl und Eisenerz machte. Diese könnten Thyssen-Krupp mit Milliarden belasten, heißt es in Konzernkreisen. Im Jahr 2009 hatte Thyssen-Krupp für rund eine Milliarde 17 Prozent der brasilianischen Hütte an Vale verkauft und dabei diese Liefervereinbarungen akzeptiert.

Die Firmenstrategen haben daher neue Lösungen ausgearbeitet: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Thyssen-Krupp einen Partner reinholen und selbst an CSA beteiligt bleiben“, heißt es in informierten Kreisen. Denkbar sei sogar, dass der Konzern überhaupt nicht verkaufe. „Entscheidend ist, was letztendlich dem Konzernwohl dient“, heißt es in Konzernkreisen. Als mögliche Partner gelten der brasilianische Stahlproduzent CSN und Arcelor-Mittal. Mit beiden werde verhandelt. Die Unternehmen lehnten einen Kommentar dazu ab.

Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger hatte die Hütte in Brasilien und das Schwesterwerk in den USA vor anderthalb Jahren zum Verkauf gestellt. Der Bau und Betrieb der beiden Industriekomplexe hat bislang zwölf Milliarden Euro verschlungen.

Von

mur

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