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23.03.2016

10:13 Uhr

PNE Wind

Der Ex-Chef wird zum Hauptgewinner

VonAndreas Dörnfelder

Der Projektentwickler PNE Wind weist erneut einen Millionenverlust aus. Noch größer fällt aber die Abfindung für den Ex-Vorstandschef Martin Billhardt aus. 2016 könnte für das Unternehmen zum Jahr der Wahrheit werden.

Der Ex-Vorstandschef erhielt drei Millionen Euro als Abfindung. PNE Wind

Martin Billhardt

Der Ex-Vorstandschef erhielt drei Millionen Euro als Abfindung.

CuxhavenWenn es einen Gewinner bei der PNE Wind AG gibt, dann ist es Martin Billhardt. Der im Herbst ausgeschiedene Ex-Vorstandschef kassierte im abgelaufenen Jahr mehr als 3,9 Millionen Euro. Das geht aus dem Geschäftsbericht 2015 hervor, den der Cuxhavener Windparkbauer am Mittwoch vorlegte. Allein drei Millionen Euro erhielt Billhardt als Abfindung.

Damit verdiente der Ex-Vorstandschef, der im vergangenen Jahr mit einer teuren Dienstreise und überzogenen Vergütungen in die Schlagzeilen geriet, mehr Geld als das gesamte Unternehmen. Das war allerdings auch nicht schwer: PNE Wind weist bei einer Gesamtleistung von 233 Millionen Euro einen Verlust vor Steuern von fünf Millionen Euro aus. Eine Steuerrückzahlung reduziert das Minus unterm Strich auf 1,4 Millionen Euro.

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„Das Jahr 2015 war für PNE Wind durch Höhen und Tiefen gekennzeichnet“, schreibt die Führungsspitze um den neuen Vorstandschef Per Hornung Pedersen im neuen Geschäftsbericht an die Aktionäre. Der Windparkbauer hat ein Großprojekt in Großbritannien verkauft und in Brandenburg das größte Einzelprojekt seiner Geschichte fertig gestellt. Für einen Park in Schottland verweigerten die Behörden allerdings die Genehmigung.

Ende 2015 erklärte PNE seine neue Strategie: Statt Windparks wie bisher einzeln zu verkaufen, will der Projektierer die Windräder bündeln und gemeinsam an die Börse bringen. Doch die Strategie ist hochriskant. Schließlich ist es schwieriger, Kunden vom Kauf eines ganzen Bündels zu überzeugen, als ihnen nur einzelne Windparks zu verkaufen. Und: So lange PNE seine Windräder nur in der Projektgesellschaft zusammenpackt, statt sie zu veräußern, kommt kein Geld in die Kasse.

Das zeigt sich auch im neuen Geschäftsbericht. So brach der Umsatz um fast die Hälfte auf nur noch 110 Millionen Euro ein. Im Tagesgeschäft gab das Unternehmen über 102 Millionen Euro mehr aus, als es einnahm. „Wir bauen Windparks auf eigene Rechnung und gehen dafür in Vorleistung“, erklärte ein Sprecher. „Würden wir sie verkaufen, hätten wir erhebliche Gewinne.“

Offshore: Projekte in Megadimensionen

Gewicht

Das Gesamtgewicht einer Anlage kann laut der Stiftung Offshore Windenergie schnell 1000 Tonnen übersteigen. Dabei stehen die Anlagen auf bis zu 900 Tonnen schweren Fundamenten. Allein die Gondel (Maschinenhaus) könne zwischen 300 und 400 Tonnen wiegen.

Gigantische Maße

Allein die im Testfeld Alpha Ventus installierten 5-Megawatt-Anlagen haben einen Rotordurchmesser von bis zu 125 Metern und eine Gesamthöhe von mehr als 170 Metern über dem Meeresgrund. Neuere Anlagen der Leistungsklasse von 6 Megawatt erreichen laut Stiftung Offshore Windenergie Rotordurchmesser um die 150 Meter.

Kosten

Der Bau eines Windparks auf hoher See ist um einiges komplexer als der einer Anlage auf dem Land. Doch binnen sechs Jahren konnte die Branche ihre Kosten halbieren. Beim neuen Offshore-Windpark „Borssele“ in den Niederlanden liegen die Gesamtkosten pro Megawattstunde bei 87 Euro.

Ob die Strategie aufgeht, soll sich im laufenden Jahr zeigen. PNE Wind will 2016 Projekte mit einer Gesamtleistung von 150 Megawatt verkaufen. 90 Megawatt davon seien schon realisiert, weitere 27 im Bau. Für den Rest bemühe man sich noch um Genehmigungen, sagte der Sprecher. Mit dem Verkauf will PNE vor Zinsen und Steuern bis zu 100 Millionen Euro verdienen. Es wäre das erste Mal seit sechs Jahren, dass sich der Projektentwickler aus dem eigenen Tagesgeschäft finanziert. 2016 könnte für PNE Wind damit zum Jahr der Wahrheit werden.

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