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16.02.2016

11:06 Uhr

Preisverfall

Jeder dritten Ölfirma droht die Pleite

Ein Drittel aller Unternehmen der Ölbranche ist von einer Insolvenz bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie. Angesichts des massiven Ölpreisverfalls könnten sie unter ihrem Schuldenberg zusammenbrechen.

Von den rund 500 Unternehmen der Branche sind laut Studie etwa 175 Firmen von der Insolvenz bedroht. Reuters

Ölraffinerie bei Tokio

Von den rund 500 Unternehmen der Branche sind laut Studie etwa 175 Firmen von der Insolvenz bedroht.

HoustonWegen des massiven Ölpreisverfalls steht einer Studie zufolge etwa ein Drittel der Firmen in der Branche noch in diesem Jahr vor dem Aus. Von den weltweit etwa 500 untersuchten Unternehmen seien ungefähr 175 von einer Insolvenz bedroht, heißt es in einer am Dienstag vorgestellten Untersuchung der Unternehmensberatung Deloitte.

Sie seien mit insgesamt mehr als 150 Milliarden Dollar verschuldet und könnten sich wegen fallender Aktienkurse über Kapitalerhöhungen kaum noch frisches Geld beschaffen. „Diese Firmen haben zu lange gewartet, und jetzt sind sie in Gefahr zu sterben“, sagte Deloitte-Experte William Snyder. „Es dreht sich alles um Liquidität.“

So reagieren die Öl-Riesen auf den Preisverfall

Massiver Preisverfall

Auf ihrer rasanten Talfahrt haben die Ölpreise praktisch jeden Konzern der Energiebranche von Rang und Namen mit sich gerissen. So mussten die führenden US-Anbieter Exxon Mobil und Chevron jüngst die schwächsten Quartalsergebnisse seit mehr als einem Jahrzehnt verkraften, während BP aus Großbritannien sogar einen Rekordverlust einfuhr. Auch der britisch-niederländische Rivale Shell blieb nicht verschont und meldete einen Gewinneinbruch. Derart in die Enge getrieben versuchen die Energie-Riesen nun, sich über Wasser zu halten, ohne aber ihre kostspielige Infrastruktur kaputtzusparen. So sehr dieser Balance-Akt sie eint, so sehr trennt sie die Strategie: Das Kalkül reicht vom Rückzug aus teuren Erkundungen über neue Projekte bis hin zu Fusionen. Ein Überblick.

Chevron

Der US-Konzern zieht den Stecker zum Beispiel bei langfristigen und besonders teuren Projekten in der Tiefsee-Bohrung. Stattdessen will sich das Unternehmen ganz auf seine US-Schiefergasfelder konzentrieren. Bei diesem sogenannten Fracking kann relativ schnell mit der Förderung begonnen werden, während bis zum Produktionsstart in der Tiefsee oft Jahre vergehen. Insgesamt fährt Chevron die Investitionen 2016 um fast ein Viertel zurück.

BP

Der britische Energieriese will trotz eines massiven Stellenabbaus vorne dabei sein, sobald sich die Ölmärkte wieder erholen: Mit zwölf Milliarden Dollar stiegen die Briten 2015 in ein Gasprojekt vor Ägypten ein - zu einer Zeit, als die Ölmärkte längst im freien Fall waren. In den vergangenen 18 Monaten ist der Preis für den Rohstoff um rund 70 Prozent auf etwa 35 Dollar je Barrel (159 Liter) eingebrochen. Doch BP stellt die Gasquellen vor Afrika ins Zentrum seiner künftigen Produktion, nicht zuletzt weil dem Konzern nach dem Ausverkauf infolge des auch finanziell folgenschweren Unglücks im Golf von Mexiko 2010 kaum noch Großprojekte geblieben sind.

Royal Dutch Shell

Auch der britisch-niederländische Konzern tritt gewissermaßen die Flucht nach vorn an, indem das Unternehmen für 50 Milliarden Dollar die BG Group aus Großbritannien übernimmt. Damit steigt Shell zum weltgrößten Anbieter von Flüssiggas auf, kürzt aber in anderen Bereichen Investitionen und verkaufte bereits Geschäftsteile in Milliardenhöhe.

Exxon Mobil

Das US-Unternehmen könnte Experten zufolge ebenfalls eine Einkaufstour mit dem Ziel starten, aus der Krise gestärkt hervorzugehen. Dafür spreche, dass das Unternehmen die Investitionen in eigene Anlagen massiv zurückfahre. Hier gäbe es derzeit offenbar nichts Vielversprechendes, so dass Exxon eher auf Wachstum durch Akquisitionen setze, sagt Analyst Anish Kapadia der texanischen Investmentbank Tudor, Pickering, Holt & Co.

Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent kostet derzeit 35 Dollar, US-Öl notiert bei knapp 31 Dollar. Öl ist damit so billig wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Zwar könnten dank Einsparungen und technischer Fortschritte inzwischen 95 Prozent der Ölfirmen den Rohstoff für weniger als 15 Dollar fördern, erklärten die Experten. Für manche dürfte das aber nicht reichen. „2016 ist das Jahr der schwierigen Entscheidungen“, sagte der bei Deloitte für die Ölbranche zuständige Manager John England. Besonders eng werde es für die Ölförderer selbst, bei Dienstleistern sehe es besser aus.

Der Ölpreisverfall brachte den großen Firmen zuletzt die schwächsten Quartalsergebnisse seit einem Jahrzehnt, BP fuhr sogar einen Rekordverlust ein. Viele Firmen haben deswegen den Abbau von Stellen angekündigt und ziehen sich aus einigen Projekten zurück.

Von

rtr

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