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19.08.2015

09:48 Uhr

Preisverfall

Rohstoff-Riese Glencore schreibt rot

VonHolger Alich

Weil die Preise für wichtige Rohstoffe stark gesunken sind, macht der Schweizer Konzern Glencore Verluste. Die Schweizer wollen nun Investitionen kürzen – und die Aktionäre mit einer Dividende bei Laune halten.

Der Konzern mit Sitz in der Schweiz hat sich vom Rohstoffhändler zum Rohstoffproduzenten entwickelt. Reuters

Zinnproduktion von Glencore in Bolivien

Der Konzern mit Sitz in der Schweiz hat sich vom Rohstoffhändler zum Rohstoffproduzenten entwickelt.

ZürichWenn China hustet, hat die Rohstoff-Industrie die Grippe. Aufgrund der massiv gesunkenen Preise für Rohwaren wie Zink, Aluminium oder Öl ist der Rohstoff-Konzern Glencore im ersten Halbjahr mit 676 Millionen Dollar in die roten Zahlen gerutscht; im Vorjahr verbuchte der in der Schweiz beheimatete Konzern noch einen Überschuss von 1,7 Milliarden Dollar.

Das bereinigte Ergebnis, das Sonderaufwand ausblendet, sank um 56 Prozent auf 882 Millionen Dollar (Vorjahr: rund zwei Milliarden Dollar). Das ist immerhin noch mehr als Analysten erwartet hatten, laut Bloomberg hatten sie bei dieser Kennzahl im Schnitt mit 711 Millionen Dollar gerechnet.

Die Preise für Rohstoffe sind nicht nur beim Öl in diesem Jahr massiv gesunken. Der Preis für Kupfer liegt zum Beispiel nahe eines Sechs-Jahres-Tiefs. Hauptgrund hierfür ist der gesunkene Hunger nach Rohstoffen in China. Das Land allein verbraucht rund 40 Prozent der weltweiten Kupfer-Förderung und fast die Hälfte der Aluminium-Produktion.

„Vor dem Hintergrund eines herausfordernden Preisrutsches bei vielen unserer Rohwaren haben wir eine Reihe vorsorglicher Schritte eingeleitet“, erklärte Glencore-Boss und Großaktionär Ivan Glasenberg. So verkauft der Konzern Minen-Beteiligungen und kürzt seine Investitionen.

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Glencore will in diesem Jahr statt 6,8 Milliarden nur noch 6,0 Milliarden Dollar investieren. Im kommenden Jahr will Glasenberg die Investitionen um eine weitere Milliarde kürzen. Sein Ziel: Das Kredit-Rating von derzeit „BBB“ erhalten und gleichzeitig Dividenden zahlen. Laut den Analysten von JP Morgan muss er dazu aber die Verschuldung um 16 Milliarden Dollar bis Ende kommenden Jahres kürzen. Im ersten Halbjahr lagen die Netto-Schulden bei knapp 30 Milliarden Dollar.

Als Zeichen der Zuversicht will der Konzern wie im Vorjahr eine Zwischendividende von sechs US-Cents je Aktie ausschütten. Das soll die Aktionäre bei Laune halten, die in diesem Jahr einen Kursrutsch um 40 Prozent erdulden mussten.

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Glencore-CEO Glasenberg ist mit rund acht Prozent selbst einer der Großaktionäre des von ihm mitbegründeten Konzerns und damit um etliche Millionen ärmer. Er übt sich in Zuversicht: Dank seines breit diversifizierten Portfolios an Rohwaren sei Glencore gut aufgestellt, um vom Anziehen der Rohstoffpreise zu profitieren; dieser Preisanstieg sei „unvermeidlich“, so Glasenberg.

Glencore startete als reiner Rohstoffhändler, expandierte dann immer stärker ins Minengeschäft; sprich, Glencore produziert Kohle und Kupfer zum großen Teil selbst. Höhepunkt dieser Expansion war die Übernahme des Kohle-Minenbetreibers Xstrata. Sowohl in der Handelssparte wie auch im Fördergeschaft sank das Vorsteuerergebnis im ersten Halbjahr um fast 30 Prozent.

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