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11.09.2015

15:22 Uhr

Preussen-Elektra

Toter Name für ein totgesagtes Geschäft

VonJulia Wadhawan

Eon-Chef Johannes Teyssen will die unliebsame Kernenergie-Sparte nun doch im Konzern behalten. Genauso überraschend wie die Entscheidung des Energiekonzerns ist aber der Name: Preussen-Elektra.

Ein Unternehmensname kehrt zurück. dpa - picture alliance

Preussen-Elektra-Zentrale 1999 in Hannover

Ein Unternehmensname kehrt zurück.

DüsseldorfGerade noch wollte Johannes Teyssen alle nicht regenerativen Kraftwerke des Eon-Konzerns in ein völlig neues Unternehmen auslagern. Uniper sollte es heißen und wird es auch – nur die Kernenergie, sie wird kein Teil davon sein. Die Atommeiler des Unternehmens bleiben auch nach der Aufspaltung bei Eon und bekommen ein ganz eigenes Label, einen längst begrabenen Namen für ein totgesagtes Geschäft: Preussen-Elektra.

15 Jahre ist es her, dass der Name vom Markt verschwunden ist. In den 1920er Jahren vom Land Preußen gegründet, wurden in der Preußischen Elektrizitäts-AG zunächst die staatlichen Energiebetriebe gebündelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen eine hundertprozentige Tochter der ebenfalls staatlichen Industriegesellschaft Veba. Aus einer Fusion mit der Nordwestdeutschen Kraftwerke AG wurde dann 1985 Preussen-Elektra.

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Der Eon-Chef erklärt im Interview, warum der Energiekonzern die Atomkraftwerke nun doch nicht abspaltet – und warum er den Staat beim Ausstieg genauso in der Verantwortung sieht wie die Betreiber.

Als zweitgrößter Energieversorger des Landes versorgte der Konzern den Norden und Westen der Bundesrepublik mit Energie. 1999 setzte das Unternehmen rund 16 Milliarden Mark um und machte knapp drei Milliarden Mark Gewinn. Ein Jahr später, im Juni 2000, lief die Zeit für Preussen-Elektra ab. Im Zuge einer großangelegten Fusion zwischen Veba und dem ähnlich strukturierten Großkonzern Viag entstand der Energieriese Eon. Preussen-Elektra wurde gemeinsam mit der Bayernwerk AG zu Eon Energie.

Dass der heutige Eon-Chef Teyssen gerade auf dieses Stück Konzerngeschichte zurückgreift, um die Umstrukturierung des Unternehmens zu begehen, hat Symbolkraft. Man könnte sie als nostalgisch bewerten, war Teyssen in den 90er Jahren doch selbst fast ein Jahrzehnt Teil von Preussen-Elektra. Zuletzt leitete er dort die Rechtsabteilung. Kurz nach der Fusion rückte der Manager in den Vorstand von Eon-Energie und später des Eon-Gesamtkonzerns auf.

Das Atomgeschäft von Eon

Atomkraft ohne strategische Bedeutung

Für Eon ist die Kernenergie nach dem beschlossenen Atomausstieg kein strategisches Geschäftsfeld mehr. Der Anteil der Atomkraft an der gesamten Stromerzeugung des Konzerns betrage nur noch acht Prozent. Bei Preussen-Elektra sollen rund 2300 Mitarbeiter beschäftigt sein. Bei Eon verbleiben 43.000, bei Uniper knapp 14.000.

Preussen-Elektra

Eon will das Kernkraftgeschäft nun in Hannover in einer eigenen Einheit unter dem Namen „Preussen-Elektra“ führen. Unter dieser Marke hatte der Eon-Vorläufer Veba Atomkraftwerke betrieben. Die Firma werde die drei Eon-Meiler bis zum Ende ihrer Laufzeit betreiben und dann den Abriss und die Müllentsorgung regeln.

Brokdorf, Grohde und Isar 2 folgen

Eon betreibt noch drei Atomkraftwerke in Deutschland und hält an drei weiteren Minderheitsbeteiligungen. Die eigenen Meiler Brokdorf und Grohnde müssen 2021 vom Netz, der Reaktor Isar 2 wird 2022 stillgelegt.

Atomausstieg

Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 hat die Bundesregierung den Ausstieg aus der Kernenergie bis Ende 2022 beschlossen. Als einst größter AKW-Betreiber in Deutschland hat Eon bereits 2011 seine Meiler Unterweser in Niedersachsen und Isar 1 in Bayern stillgelegt. 2015 folgte das Kernkraftwerk im bayerischen Grafenrheinfeld.

Die Reaktivierung des Namens könnte auch als zynische Anspielung auf die staatlichen Wurzeln des Unternehmens gewertet werden. Die nämlich widersprechen der Forderung der Politik, die Inhaber der Kernkraftwerke mögen sich selbst um den Rückbau kümmern. Frei nach dem Motto: „Eltern haften für ihre Kinder.“ Die tatsächlichen Eltern aber der deutschen AKWs, scheint der Name zu suggerieren, das waren Staat und Länder.

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