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26.11.2013

15:27 Uhr

Prognose für 2014

Stahlkocher erwarten mehr Nachfrage

Nach einem langen Marsch durch die Talsohle sieht die Stahlbranche ab 2014 wieder optimistischer in die Zukunft. Da weiterverarbeitende Gewerbe mehr Aufträge erwarten, dürfte auch der Hunger nach Stahl wachsen.

Auch in diesem brandenburgischen Werk von Arcelor Mittal dürften sich die Angestellten freuen. Der Weltmarktführer bekam die Krise im Stahlbau deutlich zu spüren. dpa

Auch in diesem brandenburgischen Werk von Arcelor Mittal dürften sich die Angestellten freuen. Der Weltmarktführer bekam die Krise im Stahlbau deutlich zu spüren.

DüsseldorfDie kriselnde deutsche Stahlindustrie hat ihrem Branchenverband zufolge die Talsohle durchschritten und kann 2014 auf eine höhere Nachfrage und eine steigende Produktion setzen. Schlüsselkunden wie die Maschinen- und Anlagenbauer wollten mehr produzieren, auch Auto- und Bauindustrie setzten auf Wachstum, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, am Dienstag in Düsseldorf. Zudem füllten die Kunden ihre Lager wieder auf. Doch die Prognose ist mit Unsicherheit behaftet - Sorgen machen der Branche um Konzerne wie Thyssen-Krupp und Salzgitter die bisherigen Ergebnisse der Koalitionsgespräche von Union und SPD. Und durch die EU-Kommission drohe "ein Angriff auf die deutsche Industrie".

"Wir sind vorsichtig optimistisch", bilanzierte Kerkhoff. Bei der Produktion sei im kommenden Jahr in Deutschland ein Plus von zwei Prozent auf 43 Millionen Tonnen Rohstahl wahrscheinlich. Die Stahlnachfrage werde voraussichtlich um vier Prozent auf 39,9 Millionen Tonnen Walzstahl anziehen. Für das laufende Jahr erwartet Kerkhoff dagegen weiter ein Minus: 2013 werde die Produktion wohl um ein Prozent auf 42,2 Millionen Tonnen sinken.

In Europa steckt die Schwerindustrie um Weltmarktführer Arcelor-Mittal seit über zwei Jahren in der Krise. Die eingebrochene Stahlnachfrage in den krisengeplagten Staaten Südeuropas, hohe Rohstoffkosten und Überkapazitäten machen den Unternehmen das Leben schwer. Thyssen-Krupp und Salzgitter reagieren mit einem Stellenabbau. 2012 hatte die Branche noch über 88.000 Menschen beschäftigt, 2013 sei die Zahl gesunken, sagte Kerkhoff. Doch im wichtigen Exportmarkt Europa - die deutschen Stahlkocher führen rund die Hälfte ihrer Produktion aus, den Großteil davon in andere europäische Länder - gebe es Zeichen der Hoffnung. In Spanien und Italien zeichne sich eine Bodenbildung ab.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

SPD und Union stellt Kerkhoff für die bisherigen Ergebnisse ihrer Koalitionsgespräche ein schlechtes Zeugnis aus: "Die Sicht der Wirtschaft ist sehr kritisch auf das, was bisher festgeschrieben wurde." Die Energiewende müsse bewältigt werden, die Politik müsse die Strompreise in den Griff bekommen, die Förderung der erneuerbaren Energien müsse reformiert werden. "Wir brauchen eine wirksame Kostenbremse", betonte der Stahl-Präsident. Zugleich dürfe es für die Branche keine Einschnitte bei milliardenschweren Industrie-Rabatten beim Ökostrom geben - diese seien "unverzichtbar".

Doch Unheil könnte hier auch aus Brüssel drohen. Denn die EU-Kommission prüft, ob es sich bei den Rabatten um unerlaubte Beihilfen handelt. Fielen diese weg, müsse die Stahlindustrie 2014 knapp eine Milliarde Euro zahlen - dann wäre "eine wettbewerbsfähige Stahlproduktion in Deutschland nicht mehr möglich". Länder abseits der Bundesrepublik soll die EU-Kommission aber genau im Auge behalten. Sie solle eine "strenge Beihilfedisziplin für Stahl" in Europa durchsetzen.

Von

rtr

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