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01.04.2014

14:54 Uhr

Prokon-Chef muss gehen

Aus für den Graumarkt-Guru

Carsten Rodbertus ist nicht mehr Geschäftsführer von Prokon. Der Insolvenzverwalter entließ den Firmengründer und seinen Kollegen mit sofortiger Wirkung. Es sei keine konstruktive Zusammenarbeit mehr möglich gewesen.

Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin (links) hat Prokon-Gründer Carsten Rodbertus (rechts) mit sofortiger Wirkung entlassen. dpa

Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin (links) hat Prokon-Gründer Carsten Rodbertus (rechts) mit sofortiger Wirkung entlassen.

Er hat Prokon aufgebaut, groß gemacht – und ein Insolvenzverfahren eingebrockt: Carsten Rodbertus. Nun muss der Firmengründer den Windkraft-Dienstleister verlassen. Der Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin hat Rodbertus sowie den anderen Geschäftsführer Rüdiger Gronau mit sofortiger Wirkung freigestellt. Als Grund nennt Penzlin, dass er „leider keinen Raum mehr für eine konstruktive Zusammenarbeit“ gesehen habe. Sowohl die „Tätigkeiten“ von Rodbertus und Gronau sowie „ihre jüngsten Äußerungen über Prokon“ hätten dafür keinen Raum mehr gelassen.

Der Prokon-Gründer verliert nicht nur seinen Chefposten in der Muttergesellschaft. Auch die Führung sämtlicher Tochtergesellschaften muss er abgeben. Die Mitarbeiter des Konzerns wurden von der Entlassung ihrer Geschäftsführer per E-Mail informiert. Darin schreibt Penzlin, er bedauere diesen Schritt, er sei aber erforderlich, „um wieder die für die Sanierung erforderliche Ruhe ins Unternehmen zu bringen“.

So lassen sich Anleger schützen

Der Anwalt

Rechtsanwalt Achim Tiffe hat sich auf den Verbraucherschutz spezialisiert. Er berät Anleger, wenn sie Probleme mit Banken und anderen Finanzdienstleistern haben. Handelsblatt Online schlägt er vor, wie Anleger vor riskanten Anlagen wie beim Krisenunternehmen Prokon wirksam schützen ließen.

1. Lückenloser Schutz

Der Schutz der Verbraucher bei Geldanlagen aller Art sollte gewährleistet sein. Das heißt, dass Finanzdienstleister Privatpersonen keine Genussrechte oder Unternehmensanleihen verkaufen sollen, ohne sie ausreichend über die Risiken dieser Produkte aufzuklären. Vermittlung statt Beratung bei lückenhaften Verbraucherschutz sollte nicht mehr möglich sein.

2. Beratung ist Pflicht

Die Beratung gegenüber Verbrauchern bei riskanten Anlagen wie unternehmerischen Beteiligungen sollte Pflicht sein ohne die Möglichkeit, sie zu umgehen.

3. Beweislastumkehr

Es muss eine Beweislastumkehr für Berater gelten, zum Beispiel dann, wenn mehr als 10 Prozent des vorhandenen liquiden Vermögens in geschlossene Beteiligungen investiert werden. Bislang müssen die Kunden eine mögliche Falschberatung nachweisen.

4. Warnende Hürde

Früher mussten Anleger, die sich in Termingeschäften engagieren wollten eine spezielle Erklärung unterschreiben, die Börsentermingeschäftsfähigkeit. Dabei wurden sie über die Risiken solcher Geschäfte aufgeklärt. Auch heute würde die Einführung einer solchen warnenden Hürde vielen Verbrauchern helfen, die in riskante Geldanlagen einsteigen wollen.

5. Versicherungshaftpflicht für Berater

Nicht alle Vertriebler sind gegen Falschberatung versichert. Eine Pflicht zur ausreichenden Vermögenshaftpflichtversicherung für alle Vermittler und Berater wäre im Interesse der Anleger. Idealerweise würden Finanzprodukte nur über solche Unternehmen vertrieben werden.

6. Bessere Kontrolle

Wichtig wäre auch eine effektive Kontrolle aller Vermittler und Berater durch eine zentrale Aufsichtsbehörde mit entsprechender Ausstattung.

7. Staatshaftung

Um die Verbraucher zu schützen, benötigt es effiziente Behörden. Sie müssten bei Missständen konsequent und schnell einschreiten. Tun sie das nicht, müsste der Staat haften, fordert Tiffe.

8. Finanzmarktwächter

Es müsste einen Finanzmarktwächter geben, der zeitnah Verbraucherprobleme erfasst, aufarbeitet und an Politik und Behörden und Öffentlichkeit weitergeben kann. Laut Koalitionsvertrag könnten Verbraucherschützer damit beauftragt werden.

9. Haftungsbegrenzung

Verbraucher brauchen klare Regeln zum Ausweis von Risiken, die sie auch verstehen. Außerdem sollte es eine gesetzliche Begrenzung der Haftung der Verbraucher auf gezahlte Einlage geben.

Ruhig, das war Rodbertus wahrlich nie. Erst vor kurzem gründete der einstige Chef eine Genossenschaft. Er wollte darin einige Geschäftsbereiche von Prokon fortführen, unter anderem den Vertrieb. Man könnte es als seinen letzten Versuch ansehen, das Unternehmen mit aller Kraft bei sich zu halten. Wer sich die Vergangenheit von Prokon anschaut, wird darüber nicht verwundert sein.

Carsten Rodbertus war stets überzeugt von seiner Vision der grünen Energie, die nebenbei noch Geld einbringt. Auf Informationsveranstaltungen stellte er sich gerne als lauten Gegenentwurf zu den gierigen Banken dar. Er pries seine fragwürdige Geldanlage als Philosophie an, die „eine Frage der Einstellung, der Motivation“ sei, wie er selbst im Imagefilm von Prokon erklärt.

An dieser Philosophie hielt er bis zum Schluss fest. Bis zum Schluss bat er die Anleger, an Prokon zu glauben. Einige taten dies und gründeten die „Freunde von Prokon“. Viele taten es aber auch nicht, sie wollten ihr Geld zurück. Ihnen warf Rodbertus indirekt vor, Schuld an der Insolvenz von Prokon zu sein. Genau, wie er auch den Medien stets vorwarf, Schuld an dem negativen Image seines Unternehmens zu sein.

Kommentare (3)

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01.04.2014, 15:01 Uhr

Die ganze Energiewende per EEG und damit die sog. Erneuerbare Energiebranche ist ein einziger Graumarkt Guru Abzockerverein.
Prokon, Windreich, Solarworld usw.
Energiewende/EEG = asoziale und perfide Abzocke am deutschen Bürger. Bürger zockt Bürger ab und der Staat zockt per MWST Mehreinnahmen per EEG auch noch den Bürger ab. Diese Energiewende (Erneuerbare Energie) Abzockspirale wird in Chaos, Mangel und Armut enden!

Account gelöscht!

01.04.2014, 15:31 Uhr

Verein? Ist Frau Merkel da als Mitglied tätig?

Account gelöscht!

01.04.2014, 15:43 Uhr

Ich hoffe sehr, dass Herr Rodbertus in persönliche Haftung genommen wird und für eine Sehr lange Zeit einfährt. Prokon ist exemplarisch für die gesamte Energiewende und das Desaster was uns noch bevorsteht wird Prokon zu einem "Kleckerbetrag" machen.

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