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03.05.2017

15:58 Uhr

Proteste bei Thyssen-Krupp

Rote Fahnen und ein schwarzer Sarg

VonMartin Wocher

Thyssen-Krupp plant einen Umbau seines Stahlgeschäfts. Das löst bei der Belegschaft große Ängste aus: 7500 Stahlkocher gingen heute in Duisburg gegen die Pläne von Konzernchef Heinrich Hiesinger auf die Straße.

Stahlarbeiter tragen in Duisburg  einen symbolischen Sarg auf eine Bühne. Wegen der Ankündigung eines Sparprogramms befürchten Stahlkocher Einschnitte und die Schließung des Werks Hüttenheim. dpa

Demonstration bei Thyssen-Krupp

Stahlarbeiter tragen in Duisburg einen symbolischen Sarg auf eine Bühne. Wegen der Ankündigung eines Sparprogramms befürchten Stahlkocher Einschnitte und die Schließung des Werks Hüttenheim.

DuisburgMehr Symbolik geht kaum: Vier schwarz gekleidete Gestalten schleppen unter martialischen Glockenschlägen einen schwarzen Sarg auf die Bühne. „Hüttenheim braucht Zukunft“ ist auf diesem zu lesen, als er von seinen Trägern aufgerichtet wird – unter lautstarkem Beifall der rund 7500 versammelten Stahlarbeiter, die rote Fahnen schwenkend und mit Trillerpfeifen an diesem Mittwochmittag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstrieren. Denn sie fürchten, dass der Standort im Süden Duisburgs nach den jüngsten Plänen des Konzerns zu Grabe getragen wird.

Anfang April hat der Stahlvorstand von Thyssen-Krupp Eckwerte für ein neues Restrukturierungsprogramm bekannt gegeben, mit dem er seine Stahltochter wettbewerbsfähiger und vor allem effizienter machen will: Rund 500 Millionen Euro will Stahlchef Andreas Goss in den kommenden drei Jahren einsparen. Als erste Sofortmaßnahme sollen zwei Anlagen in Duisburg-Hüttenheim und in Bochum zur Herstellung von Grobblech stillgelegt werden. Betroffen wären davon rund 350 Arbeitsplätze.

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Doch IG Metall und Belegschaft fürchten weit größere Einschnitte: „Das ist nur eine erster Schritt, dem weitere folgen werden“, sagte der frühere IG Metall-Chef Detlef Wetzel, der bei Thyssen-Krupp Steel Europe im Aufsichtsrat sitzt. Bis zu 4000 Stellen seien nach den vorgelegten Plänen in Gefahr und zwar über alle Standorte verteilt. Das sei nichts anderes als „Salamitaktik“ des Stahlvorstandes, beklagte Wetzel. „Erst kommt die Restrukturierung mit dem Verlust von 4000 Jobs und dann noch eine Fusion mit Tata obendrauf.“

Bislang hat die Konzernspitze noch keine Angaben über die Höhe eines möglichen Stellenanbaus gemacht. Konzernkreise rechnen insgesamt mit 650 bis 700 Stellen. Beschlossen sei aber noch nichts, hieß es. An diesem Donnerstag wird der Aufsichtsrat der Stahlsparte über das geplante Sparprogramm beraten. Details und Beschlüsse über das bislang Bekannte hinaus werden allerdings nicht erwartet.

Doch den Stahlwerkern passt die ganze Richtung nicht: Ob jetzt IG Metall, DGB-Chef Reiner Hoffmann oder die Belegschaftsvertreter bei Thyssen-Krupp – sie lehnen nicht nur das Sparprogramm ab. Ihnen sind vor allem die Gespräche der Konzernspitze mit dem Konkurrenten Tata über eine mögliche Fusion der europäischen Stahltöchter ein Dorn im Auge.

Sie fürchten in einem solchen Fall noch viel härtere Einschnitte und dass der Konzernsitz der neuen Gesellschaft in die steuerbegünstigen Niederlande verlegt wird, wo Tata ein hochmodernes Stahlwerk in Ijmuden betreibt. Thyssen-Krupp und der indisch-britische Wettbewerber verhandeln seit über einem Jahr verhandeln über einen Zusammenschluss.

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