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26.02.2013

00:10 Uhr

Prozess um Ölkatastrophe

Anklage wirft BP Fahrlässigkeit und Verlustangst vor

Grobe Fahrlässigkeit, Profit wichtiger als Sicherheit: Diese Vorwürfe machen die USA dem Ölkonzern BP im Prozess nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Trotzdem scheint eine außergerichtliche Einigung möglich.

BP muss sich vor Gericht verantworten

Video: BP muss sich vor Gericht verantworten

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New Orleans/LondonDrei Jahre nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat in den USA ein milliardenschwerer Prozess um Schadenersatz begonnen. Vor einem Gericht in New Orleans klagen seit Montag die US-Regierung und fünf Bundesstaaten gegen den Mineralölkonzern BP.

Der Staat will wegen Verstößen gegen das Gesetz zur Wasserreinhaltung („Clean Water Act“) und andere Vorschriften bis zu 21 Milliarden US-Dollar (15,94 Mrd Euro) haben. Währenddessen verhandeln beide Seiten hinter den Kulissen weiter an einer ebenfalls milliardenschweren außergerichtlichen Einigung.

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

Die größte Umweltkatastrophe der USA

Die Explosion der vom BP-Konzern geleasten Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April 2010 löste die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA aus. Bei dem Unglück starben elf Menschen, zwei weitere kamen später bei Rettungsarbeiten ums Leben.

Fatales Öl-Leck

Aus einem Leck in 1500 Meter Tiefe waren fünf Monate lang insgesamt bis zu 780 Millionen Liter Erdöl in den Golf von Mexiko gesprudelt. Bei Fischern und Anwohnern des Katastrophengebiets bleibt die Sorge um Spätschäden infolge des Öls und knapp sieben Millionen Liter chemischer Öl-Bekämpfungsmittel.

Verheerende Folgen

Mehr als 1000 Kilometer Küste in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida wurden verschmutzt. Hunderttausende Tiere wie Meeressäuger, Fische, Pelikane und Schildkröten starben an den Folgen. Die Tourismusbranche und Fischer aus der Region erlitten schwere Einbußen.

Die Bohrinsel „Deepwater Horizon“

Die im Golf von Mexiko gesunkene Öl-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ war auf die Erkundung von Tiefseevorkommen spezialisiert. Im September 2009 erreichte sie bei einer Bohrung im Meeresboden die Rekordtiefe von mehr als 10.600 Metern.

Tiefsee-Plattform

Die schwimmende Plattform konnte in bis zu 3000 Meter tiefen Gewässern eingesetzt werden. Sie wurde vom Tiefsee-Spezialisten Transocean betrieben und war für den britischen Ölkonzern BP im Einsatz.

Größer als ein Fußballfeld

Die 121 Meter lange und 78 Meter breite „Deepwater Horizon“ war größer als ein Fußballfeld. Sie wurde 2001 in Südkorea fertiggestellt und konnte auch in orkanartigem Sturm mit neun Meter hohen Wellen arbeiten.

Ein Rechtsvertreter des US-Justizministerium warf BP in seinem Eröffnungsplädoyer grobe Fahrlässigkeit im Umgang mit der Sicherheit vor. Noch wenige Tage vor der Explosion der Plattform „Deepwater Horizon“ im April 2010 hätten Ingenieure des Ölkonzerns vor großen Problemen gewarnt, legte der Regierungsanwalt Michael Underhill dar.

Jedes „sicherheitsorientierte Unternehmen“ hätte die Operation zu diesem Zeitpunkt abgebrochen, BP aber sei von den hohen Verlusten geblendet gewesen, die das Unterfangen vor der US-Südküste bis dahin bereits verursacht hätten.

Auch der Klägeranwalt Jim Roy zeichnete zu Beginn des Prozesses ein düsteres Bild von BP. Der Konzern habe die Bohrinsel neun Jahre lang unterhalten, ohne dass vorgeschriebene Inspektionen durchgeführt worden seien. Der Prozess werde zeigen, dass es bei BP eine Risikokultur gab, die „eher verlustavers als risikoavers“ gewesen sei.

Am ersten Tag des Prozesses gegen BP in New Orleans stehen Demonstranten vor dem Gericht. Reuters

Am ersten Tag des Prozesses gegen BP in New Orleans stehen Demonstranten vor dem Gericht.

Es habe eine Unternehmenskultur geherrscht, in der „Profite über Sicherheit“ gestellt worden waren, sagte Roy, der vor Gericht als Zivilkläger einige Geschädigte vertrat. Vor dem Gerichtsgebäude hatten sich Demonstranten versammelt. Der Prozess wurde wegen des großen Interesses per Video in zusätzliche Gerichtsräume übertragen.

Das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“ hatten am Wochenende gemeldet, dass eine außergerichtliche Zahlung von 16 Milliarden US-Dollar angepeilt werde, um eine monate- oder gar jahrelange gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden. Der Entwurf enthalte auch Vorschläge zur Aufteilung des Geldes zwischen den betroffenen Bundesstaaten.

BP hatte erklärt, unter vernünftigen Umständen zu einer Einigung bereit zu sein. Die Maximalforderungen der Regierung hatte BP-Anwalt Rupert Bondy jedoch als „exzessiv“ abgelehnt.

Die USA gehen davon aus, dass nach der Explosion der Plattform „Deepwater Horizon“ im April 2010 mit elf Toten 4,9 Millionen Barrel Öl (je 159 Liter) ins Meer geflossen sind. BP geht von einer Menge von 3,1 Millionen Barrel aus.

Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben bisher auf die Zahlung von insgesamt rund 38 Milliarden US-Dollar für die größte Ölkatastrophe in der US-Geschichte verpflichtet - 23 Milliarden davon sind bereits ausbezahlt. Insgesamt rechnet BP bisher mit Kosten von 42 Milliarden US-Dollar für die Ölkatastrophe.

Von

dpa

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