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09.04.2013

06:23 Uhr

Quartalssaison USA

Die Euphorie verfliegt

VonSebastian Ertinger

Auf den Überschwang folgt Ernüchterung: Nach einem Jahr mit Rekordgewinnen trübt sich für die US-Unternehmen der Ausblick ein. Das Wachstum hat den Zenit überschritten.

Alcoa-Absatz bleibt hinter Erwartungen zurück

Video: Alcoa-Absatz bleibt hinter Erwartungen zurück

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New York / DüsseldorfAn den Molen von Häfen wie Rotterdam, Singapur oder Yokohama in Japan sowie in den Lagerhäusern von Detroit und Chicago in den USA stapeln sich die Aluminiumblöcke. Der Markt leidet unter einem Überangebot. Die Nachfrage ist abgeflaut, weil die globale Konjunktur stockt. Der Aluminiumpreis stagniert seit Monaten oder sinkt sogar.

Das trifft den weltgrößten Aluminiumproduzenten Alcoa unter der Leitung des ehemaligen Siemens-Managers Klaus Kleinfeld: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2013 sank der Umsatz um 3 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar. Trotzdem konnte der US-Konzern den Gewinn auf unter dem Strich 149 Millionen Dollar (115 Mio Euro) steigern, rund 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das verdankt Alcoa seiner Produktsparte, die etwa Aluminiumräder und Ersatzteile für Flugzeuge herstellt.

Wieviel Aluminium die Welt verbraucht – und produziert

2006

Die Weltweite Nachfrage nach Aluminium belief sich im Jahr 2006 auf 34,5 Millionen Tonnen. Die Raffinerieproduktion umfasste 33,95 Millionen Tonnen.

2007

Im Jahr 2007 erreichte die Aluminium-Nachfrage die Marke von 38 Millionen Tonnen – ein vorläufiger Höhepunkt. Produziert wurden 38,1 Millionen Tonnen.

2008

Im Jahr 2008 sank die Nachfrage leicht. Sie bezifferte sich auf 37,6 Millionen Tonnen. Die Raffinerieproduktion kletterte dagegen auf den vorläufigen Höchststand von 39,7 Millionen Tonnen.

2009

Die globale Rezession erwischte auch den Aluminium-Markt. Die Nachfrage sank auf 34,9 Millionen Tonnen. Die Hütten brachten aber einen deutlichen Überschuss auf den Markt: Sie stellten 37,35 Millionen Tonnen des Leichtmetalls her.

2010

Dann kletterte die Nachfrage wieder: 2010 benötigte die Industrie weltweit 39,6 Millionen Tonnen. Die Werke produzierten hingegen schon 41,2 Millionen Tonnen des Grundstoffs.

2011

Die Aluminium-Nachfrage erreichte 2011 die Marke von 42,15 Millionen Tonnen. Die Produktion bezifferte sich auf 42,7 Millionen Tonnen Aluminium.

2012

2012 dürfte die Aluminium-Nachfrage den Hochstand von 45,15 Millionen Tonnen erreichen. Die Hütten werden voraussichtlich 45,1 Millionen Tonnen herstellen.

Quellen: LBBW, IAI, WBMS

Mit dem durchwachsenen Ergebnis läutete Alcoa die Bilanzsaison für die ersten drei Monate des Geschäftsjahres ein. In der nächsten Woche werden 75 Unternehmen aus dem breit gestreuten Aktienindex S&P 500 nachlegen. Experten rechnen im Schnitt zwar mit besseren Ergebnissen als beim Aluminiumhersteller, dessen Zahlen wegen der breiten Verwendung seiner Produkte als ein Gradmesser für die Konjunktur gelten. Doch die in den vergangenen Monaten vorherrschende Euphorie bei Unternehmen und Investoren dürfte sich verflüchtigen.

Die Prognosen der Experten gehen im Schnitt von einem Gewinnzuwachs der im S&P-500 notierten Firmen von 1,6 Prozent aus – im Januar war noch ein Plus von 4,3 vorhergesagt worden. Kein neuer Höhenflug also, aber immerhin noch ein passables Ertragsniveau angesichts des wirtschaftlichen Gegenwinds aus Europa.

Die Gewinne für das erste Quartal spiegeln sich bereits in den Aktienkursen wieder. Die US-Leitindizes Dow Jones und S&P 500 legten um mehr als zehn Prozent zu. Dass die Gewinnerwartungen des Marktes noch deutlich übertroffen werden, sei wenig wahrscheinlich, meint Markus Reinwand, Analyst der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

„Auch die Ausblicke der Unternehmen werden vermutlich eher von Vorsicht geprägt sein“, sagt Reinwand. „Immerhin scheinen die Margen der S&P 500-Unternehmen inzwischen ihren Zenit überschritten zu haben.“ Für weitere Gewinnzuwächse müssten daher die Umsätze spürbar anziehen.

Kommentare (9)

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honolulu23

09.04.2013, 06:42 Uhr

Welches WACHSTUM???? Einziges Wachstum sind die Armenküchen in den USA seit dem Ende Bush bzw. dem Beginn der Finanzkrise! Wenn jetzt endlich die Luft rausginge...aber die Privatbank FED pumpt ja weiter. Weiter. Weiter. Weil die sich, ihre eigene Lebensgrundlage, sonst mit vernichten. Da hilft es nix, auf die Cayman oder woanders hinzufliehen. Man wollte die Vernetzung - das ist der Preis. Wachstum??? Neues Vokabular fällig: Entschuldungswachstum wäre auch schon ein dringend nötiges Wachstum!

Karlfred

09.04.2013, 07:41 Uhr

USA .... Rekordgewinne ??
Wer soll das denn glauben ?
Lügenpropaganda ohne Ende hier.....
Und das Plunge Protection Team lässt auch grüßen....

Samweis

09.04.2013, 08:09 Uhr

„Wenn es ein Überangebot gibt, dann wird es immer durch eine höhere Nachfrage aufgelöst und niemals durch ein geschrumpftes Angebot"

Da hat wohl jemand bei der Übersetzung die Zeilen etwas geschüttelt?

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