Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.05.2015

18:36 Uhr

Raffinerien federn Verluste der Ölmultis ab

Niedriger Ölpreis? Halb so wild!

VonRegine Palm

Die einst vor Kraft strotzenden Ölgiganten leiden unter dem niedrigen Ölpreis. Die Amerikaner sind als Nachfrage quasi ausgefallen, denn Fracking boomt in den USA.

Die Ölmultis leiden unter dem Ölpreis. ap

Exxon-Tankwagen

Die Ölmultis leiden unter dem Ölpreis.

DüsseldorfDer starke Preisrückgang an den internationalen Rohölmärkten hat in den ersten Monaten dieses Jahres tiefe Spuren in den Ergebnissen der großen Ölgesellschaften hinterlassen. Doch trotz der deutlichen Einbußen hätten die Zahlen noch weitaus schlimmer aussehen können.

Wie bei dem britischen Ölmulti BP hat das Raffineriegeschäft der Konzerne den Verdienstrückgang zwar nicht verhindert, aber doch gebremst. Denn es greifen die Sparmaßnahmen, die das Unternehmen wegen des schwachen Ölpreises eingeleitet hat.

Durch die stark wachsende Produktion in den USA waren die Ölpreise Ende Juni unter Druck geraten und hatten sich mit zeitweise weniger als 50 Dollar je Barrel mehr als halbiert. Zuletzt kostete Öl wieder rund 64 Dollar; das ist der höchste Stand in diesem Jahr.

Welche Staaten über die größten Ölressourcen verfügen

Venezuela

konventionell: 3 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 62,3 Milliarden Tonnen

Kanada

konventionell: 3,5 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 51,2 Milliarden Tonnen

Russland

konventionell: 20 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 14,8 Milliarden Tonnen

USA

konventionell: 15,7 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 8,8 Milliarden Tonnen

China

konventionell: 16,2 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 4,5 Milliarden Tonnen

Brasilien

konventionell: 13 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 0,7 Milliarden Tonnen

Saudi Arabien

konventionell: 11,8 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: -

Kasachstan

konventionell: 4 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 6,7 Milliarden Tonnen

Iran

konventionell: 7,2 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: -

Irak

konventionell: 6,1 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: -

Erläuterung

Die Auflistung zeigt die Top 10 Länder mit den größten konventionellen und nicht-konventionellen (Ölsand, Schwerstöl oder Schieferöl) Erdölressourcen im Jahr 2012. Erdölressourcen sind nachgewiesene, aber derzeit technisch und/oder wirtschaftlich nicht gewinnbare sowie nicht nachgewiesene, aber geologisch mögliche, künftig gewinnbare Energierohstoffmengen.

Quelle: BGR Energiestudie 2013

Die großen Ölmultis beobachten nun wie auch die Spekulanten und Händler die weitere Entwicklung in den USA. Wegen ihrer steigenden Schieferölproduktion mit Hilfe des besonders in Deutschland umstrittenen Fracking-Verfahrens sind die Amerikaner am Weltmarkt als Nachfrager quasi ausgefallen. Dies spiegelt sich in einem kräftigen Anstieg der US-Lagerbestände wider. Zuletzt lagen sie mit über 490 Millionen Barrel (je 159 Liter) so hoch wie nie zuvor.

Frank Schallenberger, Energieexperte der Landesbank Baden-Württemberg, weist allerdings darauf hin, dass an den Märkten schon darüber spekuliert wird, ob die US-Produktion ihren Höchststand bereits gesehen hat.

Unterstützt wurde der letztjährige Preisrutsch durch das Verhalten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec). Anders als in der Vergangenheit hat das Ölkartell auf eine Kürzung seiner Produktion bisher verzichtet, auch um die US-Produktion zu schwächen und so zu dem Überschuss am Weltmarkt beigetragen. Mit einiger Spannung wird daher auf die nächste Opec-Sitzung Anfang Juni in Wien gewartet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×