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13.06.2013

18:55 Uhr

Raubbau an einem wichtigen Rohstoff

Sand wird zur Schmuggelware

VonSebastian Ertinger

Um wertvolle Rohstoffe wie Öl und Gas ist ein weltweiter Wettkampf entbrannt. Doch weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ringt die Industrie ebenso um Sand. Die Ressource avanciert zur begehrten Schmuggelware, Mafia-Strukturen ranken sich um den Abbau. Ein Filmemacher zeigt die gravierenden Folgen des Raubbaus.

Sand ist heutzutage Bestandteil zahlreicher Alltagsprodukte, häufiger noch als Erdöl. Arte Sendeanstalt/Copyright

Sand ist heutzutage Bestandteil zahlreicher Alltagsprodukte, häufiger noch als Erdöl.

DüsseldorfStrand, Urlaub, Entspannung, und Sonne – das verbinden die meisten Menschen mit Sand. Das ist oft schon alles, was uns im Alltag an dem sonst unscheinbaren Material interessiert. Doch ist Sand tatsächlich so unscheinbar? Wo finden wir in unserem Umfeld noch Sand, außer am Strand? Welche Rolle spielt er in unserem Alltag? Und ist er unendlich verfügbar?

Diesen Fragen ist der französische Filmemacher Denis Delestrac nachgegangen. Er zeigt in einer Dokumentation, die im deutsch-französischen Kulturkanal Arte lief, welch wichtige Rolle Sand in unserem Alltag und für unsere Lebensweise spielt. So begehrt und knapp wird der Sand, dass er zur Schmuggelware avanciert. Delestrac zeigt, welche schwerwiegenden Folgen der zum Teil in Mafia-Manier betriebene Raubbau der Ressource für die Küsten hat. Der Titel der auf Deutsch mit „Sand – die neue Umweltzeitbombe“ angerissenen Reportage kommt im französischen Original übrigens wesentlich nüchterner daher: Frei übersetzt lautet er „Sand – Untersuchung eines Verschwindens“.

Schon im Vorspann gibt der Film geschickt einen düsteren Ausblick: Delestrac zeigt historische Amateur-Urlaubsfilme mit badenden Menschen am Strand, aufgenommen in den 1960er oder 1970er Jahren. Über die Bilder lesen Sprecher Meldungen von Stränden, die das Meer wegspülte. Die Botschaft: Die Strände, unsere Urlaubsparadiese, könnten schon bald von der Erosion hinweggerafft sein und nur noch als schöne Erinnerung übrig bleiben.

Der Grund für die dramatische Entwicklung ist die Bedeutung von Sand als Rohstoff. „Ich bezeichne Sand gern als den unbekannten Helden unserer Zeit“, sagt Michael Welland, Geologe, Autor eines Buches über Sand und Blogger, in der Dokumentation. „Denn er ist in unserem Alltag allgegenwärtig, ohne dass wir uns dessen immer bewusst wären.“

Sand ist in alle Ecken unseres Alltags eingedrungen. Geschmolzen und zu Glas verarbeitet steht er in jedem Supermarkt. Siliziumdioxid, aus dem ein Großteil der Sandvorkommen besteht, findet sich etwa in Wein, in Wasch- und Reinigungsmitteln, Zahnpasta oder Kosmetika.

Sand enthält zudem Minerale und Metalle wie Silizium, Thorium, Titan oder Uran. Vom Sand stammen wichtige Rohstoffe, die unter anderem in Mikrochips verwendet werden. „Ohne hochwertigen Sand könnten überhaupt keine Chips hergestellt werden“, sagt Kiran Pereira, Umweltexpertin vom King’s College in London. Aus Sand gewonnene Minerale sind die Speerspitze unserer Informationsgesellschaft. Ohne diese würden Computer, Geldautomaten oder Handys nicht funktionieren.

Und noch an anderen Stellen haben die Filmemacher Produkte gefunden, für deren Herstellung Sand essenziell ist. Wer von einem Ort zum anderen reist, denkt nicht daran, wie viel Sand in unseren Verkehrsmitteln steckt. So verbirgt er sich etwa in Flugzeugen unter anderem im Kunststoff, im Leichtmetallrumpf, in den Triebwerken, den Farben bis hin zu den Reifen. „Sand ist wie Luft zum Atmen: Wir denken nicht an sie, könnten ohne sie aber nicht leben“, sagt Pereira.

Doch unsere Abhängigkeit geht noch weiter. „Den größten Sandbedarf hat natürlich der Bausektor“, sagt Geologe Welland. Seit rund 150 Jahren wird Sand mit Zement zu Beton vermischt und zusammen mit Stahl verbaut. Dieser Stahlbeton prägt unsere gesamte Infrastruktur und das Gesicht unserer Städte. Cyrille Simonnet, Direktor des Architektur-Instituts der Universität Genf, fasst es so zusammen: „Was den Bausektor revolutionierte, war die Erfindung des Stahlbetons.“

Kommentare (15)

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Experte

13.06.2013, 20:15 Uhr

rn&ge Experte Dieser Artikel ist von starker Unkenntnis der Details geprägt. Nivht einmal auf den Unterschied zwischen Sand und Kies wird eingegangen und Sand vom Strand für Beton, lächerlich.

Anonymus

13.06.2013, 20:56 Uhr

Ist der Artikel eigentlich Satire? Daür ist es aber zu unlustig geschrieben. Ich habe selten einen Arikel zudem in solcher Länge gelesen, der von wilden Thesen und Abstrusitäten nur so strotzt. Wie wärs wenn der Autor per Sammelbüchse durch die Eigenheimsiedlungen ziehen und um milde Gaben aus dem Sandkästen bettelt? Oder anfängt einen Zaun um die Sahara zu bauen, damit keiner kommt und die Körner in der Hosentasche davonträgt.

Epiphanes

13.06.2013, 21:14 Uhr

Vielen Dank, mir hat der Artikel sehr gut gefallen! Und, werte Herren Vorredner, schauen Sie sich den Film doch erst einmal an, bevor Sie darüber urteilen. Ich werde das jedenfalls jetzt tun.

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