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16.05.2018

17:26 Uhr

Reaktion auf US-Sanktionen

Ölriese Total stoppt ein milliardenschweres Projekt im Iran

VonThomas Hanke, Kathrin Witsch

Rückschlag für den Öl-Multi Total: Der Konzern zieht sich aus einem Milliarden-Deal mit der iranischen Regierung zurück. Grund sind die US-Sanktionen.

Der Ölkonzern Total zieht sich aus einem Milliarden-Deal zurück. AP

Bau des South-Pars-Gasfeld im Iran

Der Ölkonzern Total zieht sich aus einem Milliarden-Deal zurück.

Paris, DüsseldorfNach der Aufkündigung des Iran-Atomabkommens durch US-Präsident Donald Trump hat das französische Öl- und Gasunternehmen Total Konsequenzen gezogen und beendet ein geplantes Milliardenprojekt in Iran. Das teilte das Pariser Unternehmen in einem Statement am Mittwoch mit.

Erst im vergangenen Jahr unterzeichnete Total den bislang größten Deal zwischen einem ausländischen Unternehmen und der iranischen Regierung. Der Ölriese wollte in den kommenden Jahren insgesamt 4,8 Milliarden Dollar in die Erweiterung des Gasfelds South Pars investieren.

Bereits vor dem Austritt der Amerikaner soll Total-Chef Pouyanné die französische Regierung gebeten haben, eine Ausnahmeregelung für das South-Pars-Projekt zu erwirken, sollte es tatsächlich zu neuerlichen Sanktionen kommen.

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Viele Unternehmen waren mit großen Erwartungen in den Iran zurückgekehrt. Doch das Geschäft kam nie voll in Fahrt – und könnte nun ganz versiegen.

In seinem Statement bekräftigte das Pariser Unternehmen erneut, dass man sich nicht aus dem Land zurückziehen werde, sollte es doch noch eine Ausnahme-Regelung von der US-Regierung geben. Dazu stehe man mit französischen und US-amerikanischen Behörden in Kontakt.

Nach eigenen Angaben hat Total bisher weniger als 40 Millionen Euro in das Projekt gesteckt, an dem auch der chinesische Konzern CNPC beteiligt ist.

Mit dem Milliardengeschäft wollte Total, vor den Sanktionen einer der bedeutendsten Investoren, in den Iran zurückkehren. „Wir eröffnen ein neues Kapitel in der Geschichte der Partnerschaft beider Länder“, sagte Total-Chef Patrick Pouyanné im Sommer 2017 noch voller Hoffnung.

Am Dienstag hatten sich führende Mitarbeiter des französischen Wirtschafts- und Außenministeriums mit rund 60 großen französischen Unternehmen beraten. Ziel war es, einen raschen Rückzug aus dem Iran zu vermeiden.

„Wir sagen den Unternehmen: Wartet die Prüfung der juristischen Bedingungen und möglicher Ausnahmen ab, trefft keine überstürzten Entscheidungen.“ Total haben die Ministerien damit offenbar nicht überzeugt.

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arüDer drohende Öl-Ausfall aus dem Iran kann wohl durch andere Staaten kompensiert werden. Darüber hinaus könnten amerikanische Förderer einspringen.

„Es ist immer klar gewesen, dass Total es sich nicht erlauben kann, sekundären amerikanischen Sanktionen ausgesetzt zu sein“, erklärte das Unternehmen am Mittwoch.

Recht offen weist Total darauf hin, dass es von den USA in die Knie gezwungen wird: Die Sanktionen würden zum Verlust der Dollar-Finanzierung durch amerikanische Banken führen, die an 90 Prozent der Geschäfte des französischen Konzerns beteiligt seien.

Auch den Verlust amerikanischer Aktionäre, die mehr als 30 Prozent des Kapitals repräsentieren oder das Verbot der Fortsetzung der eigenen Geschäftstätigkeit in den USA, die über 10 Milliarden Dollar wert sei, könne das Unternehmen nicht riskieren.

Die Reaktion von Total zeigt, wie stark europäische Unternehmen von der Entscheidung des US-Präsidenten betroffen sind. Während die USA aus dem Atomabkommen aussteigen, wollen die Mitunterzeichner Frankreich, Großbritannien, Deutschland, China und Russland daran festhalten.

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Kurz nach Aufkündigung des Atom-Abkommens mit dem Iran setzen die USA Sanktionen gegen das Land wieder in Kraft. Frankreich will sich dem nicht beugen.

Total ist nicht der einzige Ölmulti, der große Erwartungen an das neu belebte Iran-Geschäft hatte. Auch der britische Branchenriese Shell liefert bereits seit zwei Jahren Technik an die iranische Petrochemie-Industrie, hat sich bislang allerdings noch nicht über den weiteren Verlauf seiner Geschäfte in Iran geäußert.

Nach Verhängung der Iran-Sanktionen im Atomstreit waren alle großen internationalen Investitionen in Irans Energiewirtschaft gestoppt worden – BP, Total und andere zogen sich zurück. Es kam zu einem riesigen Investitionsstau.

Auf 200 Milliarden Dollar beziffert Irans Ölminister Bijan Namdar Zanganeh den Investitionsbedarf in Irans Öl- und Gassektor. Iran ist der drittgrößte Produzent in der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und fördert laut eigenen Aussagen aktuell 3,8 Millionen Barrel Öl pro Tag.

Mit dem erfolgreichen Abschluss des Iran-Atomabkommens hatten vor allem westliche Unternehmen auf eine Wiederbelebung ihrer Geschäfte in dem Land gesetzt.

Auf dem globalen Öl- und Gasmarkt hatte es durch Sanktionen gegen Staaten wie Venezuela, Iran oder Russland in den vergangenen Jahren viele Verschiebungen zugunsten der USA gegeben, die mit Russland und Saudi-Arabien jeweils um die Vorherrschaft auf den ertragreichen Märkten kämpfen.

Die angekündigten Sanktionen könnten für Trump also nicht nur politisch von Interesse sein. „Die Aufkündigung des Abkommens spielt den Vereinigten Staaten natürlich in die Hände“, erklärt Energieexpertin Kirsten Westphal von der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP). 

Eingeschränkte Handelsmöglichkeiten für Venezuela, Russland und jetzt wieder Iran könnten die Marktmacht der USA im Öl- und Gasbereich weiter ausbauen, da ist sich die Expertin für globale Energiefragen sicher.

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