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20.08.2013

17:35 Uhr

Rohstoffkonzern

BHP verschiebt Einstieg in Düngemittelgeschäft

Der Bergbauriese BHP Billiton verschiebt den Markteintritt ins Geschäft mit Kali-Düngemitteln um fünf Jahre auf 2020. Durch die Produktion von BHP würden die Preise für Düngemittel weiter fallen.

Vorerst wird es kein Kali-Düngemittel von BHP Billiton geben. Reuters

Vorerst wird es kein Kali-Düngemittel von BHP Billiton geben.

Melbourne/Frankfurt.Der weltgrößte Bergbaukonzern BHP Billiton schiebt den Einstieg ins Geschäft mit Kali-Düngemittel auf die lange Bank. Das Unternehmen will seine riesige Mine in Kanada nun frühestens 2020 eröffnen und damit fünf Jahre später als ursprünglich geplant. Zudem könne der Konzern, der auf einem hohen Schuldenberg sitzt, Anteile an dem Projekt an einen oder mehrere Partner verkaufen, kündigte BHP-Chef Andrew Mackenzie am Dienstag an. In der Branche und beim deutschen Vertreter K+S war die Entscheidung mit Spannung erwartet worden, da ein Markteintritt von BHP zu weiter fallenden Düngemittelpreisen führen könnte.

Die Düngemittelbranche ist derzeit ohnehin in Aufruhr, da Ende Juli eines der weltweit zwei dominierenden Handelskonsortien platzte. Statt wie bisher für hohe Preise zu sorgen, will der russische Hersteller Uralkali seinen Absatz künftig auf eigene Faust steigern und dabei fallende Kali-Preise in Kauf nehmen. Mit der Ankündigung wollte Uralkali Experten zufolge auch andere Anbieter davon abhalten, in das Düngemittel-Geschäft einzusteigen, da sich neue Minen-Projekte nur bei hohen Kali-Preisen rechnen.

Die größten Rohstoffkonzerne der Welt

Platz 5

Anglo American

Das südafrikanisch-britische Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit Industrie- und Edelmetallen, Diamanten - und Kohle. Der Konzern machte 2014 insgesamt 20,4 Milliarden Dollar Umsatz. Zu dem Portfolio gehört etwa auch der Diamantenschürfer De Beers. Anglo American ist der größte Platinförderer der Welt.

Quelle: Bloomberg,

Platz 4

Xstrata

Der Minenkonzern Xstrata ist der größte Zinkproduzent der Welt und hat sich mit dem berühmt-berüchtigten Rohstoffhändler Glencore zusammengeschlossen. Xstrata hatte an der Börse einen Wert von 55,1 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen aus der Schweiz waren bereits eng verflochten. Glencore hielt rund 34 Prozent an Xstrata.

Platz 3

Vale

Der brasilianische Rohstoffkonzern Vale kommt auf einen Börsenwert von 107,9 Milliarden US-Dollar. Das einstige Staatsunternehmen verzeichnete ein rasantes Wachstum und stieg zum weltweit größten Förderer von Eisenerz auf. Zudem betreibt Vale die weltgrößte Eisenerzmine in Brasilien. In der Ferr Carajas-Mine werden 110 Millionen Tonnen Erz pro Jahr gefördert. Der Grundstoff für die Stahlerzeugung wird über rund 900 Kilometer per Eisenbahn in den nächsten Hafen gefahren.

Platz 2

Rio Tinto

Der britisch-australische Gigant rangiert auf Platz zwei der Eisenerzförderer. Das Traditions-Unternehmen mit zwei Hauptsitzen, in London und Melbourne, kommt auf eine Börsenwert von 111,6 Milliarden Dollar. Zudem betreibt Rio Tinto wichtige Kupferminen, wie etwa in West Australien. Die Anglo-Australier übernahmen sich 2007 fast am Kauf des kanadischen Aluminiumkonzerns Alcan und wurden selbst Ziel eines Übernahmeversuchs durch den Konkurrenten BHP Billiton.

Platz 1

BHP Billiton

Ein echtes Schwergewicht an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von 199,7 Milliarden Dollar ist der britisch-australische Gigant BHP Billiton. Das Unternehmen betreibt Eisenerz- und Kupferminen, erweitert aber auch sein Geschäft etwa auf Schiefergasressourcen in den USA.

BHP hat bereits 1,2 Milliarden Dollar in die Erschließung der Mine in Kanada gesteckt und will in den nächsten vier Jahren weitere 2,6 Milliarden Dollar in das sogenannte Jansen-Projekt investieren. Damit sollen die Infrastruktur ausgebaut und Schächte in den Boden gegraben werden. Auf dieser Basis sei es dann möglich, innerhalb von drei Jahren mit der Kali-Produktion zu starten, erklärte BHP-Chef Mackenzie. "Wir wollen uns die Flexibilität erhalten, genau dann in den Markt einzusteigen, wenn wir überzeugt sind, dass wir den besten Ertrag für unsere Anteilseigner erzielen können."

Der deutsche Düngemittelkonzern K+S will bereits im Sommer 2016 eine Kali-Mine in Kanada eröffnen, die nicht weit entfernt liegt vom BHP-Projekt. Falls die Deutschen an ihrem Zeitplan festhalten, müssten sie zumindest in den ersten Jahren keine Konkurrenz vom deutlich größeren Konkurrenten BHP fürchten. In Spitzenzeiten könnte BHP Billiton aus der Jansen-Mine acht Millionen Tonnen Kali pro Jahr fördern - das ist gut eine Million mehr, als K+S derzeit in allen seiner Minen produziert. K+S-Aktien verloren am Dienstag 0,5 Prozent und entwickelten sich damit besser als der Dax, der rund ein Prozent verlor.

Die Entscheidung von BHP sei aus Sicht von K+S positiv zu bewerten, sagte DZ-Bank-Analyst Heinz Müller. "Sie zeigt, dass BHP das Segment weiter als Alternative zum Abbau von Erz- und Steinkohle ansieht." Ob der britisch-australische Konzern 2020 mit der Kali-Förderung beginne oder das Projekt doch noch begrabe, ist laut Müller derzeit nicht absehbar. "In sieben Jahren kann in der Kali-Industrie viel passieren."

BHP hat bereits im vergangenen Jahr Großprojekte im Volumen von 40 Milliarden Dollar auf Eis gelegt, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Im neuen Geschäftsjahr (per Ende Juni) sollen die Ausgaben um 26 Prozent auf rund 16 Milliarden Dollar fallen. Im abgelaufenen zweiten Geschäftshalbjahr brach der Gewinn um 15 Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar ein.

Von

rtr

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