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21.06.2016

18:00 Uhr

Rosneft-Privatisierung

Russischer Ölgigant auf Brautschau in Asien

VonAndré Ballin

Die russische Regierung will Anteile an Ölgigant Rosneft verkaufen. Der Käufer soll aus Asien kommen, bevorzugt aus China oder Indien, und muss mindestens zehn Milliarden Euro für knapp 20 Prozent der Anteile mitbringen.

Russland strebt seit längerer Zeit die Eroberung des asiatischen Markts an, speziell die energiehungrigen aufstrebenden Großmächte China und Indien kämen da zupass. Reuters

Ölfeld in West-Sibirien

Russland strebt seit längerer Zeit die Eroberung des asiatischen Markts an, speziell die energiehungrigen aufstrebenden Großmächte China und Indien kämen da zupass.

MoskauEs kommt Bewegung in die Privatisierungspläne der russischen Regierung: Bis Jahresende will Moskau für die Rekordsumme von mindestens zehn Milliarden Euro ein Aktienpaket am Ölgiganten Rosneft an mehrere strategische Investoren veräußern.

Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew nannte auf dem Internationalen Petersburger Wirtschaftsforum die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Abschlusses „ziemlich hoch“. Die Agentur Bloomberg will erfahren haben, dass die potenziellen Käufer eines Pakets über 19,5 Prozent der Rosneft-Aktien in Indien und China sitzen.

Aus strategischer Sicht würde das Geschäft durchaus Sinn machen: Russland strebt seit längerer Zeit die Eroberung des asiatischen Markts an, speziell die energiehungrigen aufstrebenden Großmächte China und Indien kämen da zupass. Zumal die Beziehungen nach Peking und New Delhi völlig intakt sind – im Gegensatz zu Moskaus Verhältnis gegenüber dem Westen.

Die größten Öl- und Gaskonzerne der Welt

Platz 1

Exxon Mobil (USA)

Jahresumsatz: 356,6 Milliarden Dollar

Platz 2

PetroChina (China)

Umsatz 2015: 329,7 Milliarden Dollar

Platz 3

Chevron (USA)

Jahresumsatz: 197,4 Milliarden Dollar

Platz 4

Royal Dutch Shell (Großbritannien)

Jahresumsatz: 192,1 Milliarden Dollar

Platz 5

Sinopec (China)

Jahresumsatz: 119,1 Milliarden Dollar

Platz 6

Total (Frankreich)

Jahresumsatz: 118,5 Milliarden Dollar

Platz 7

BP (Großbritannien)

Jahresumsatz: 118,35 Milliarden Dollar

Platz 8

ConocoPhillips (USA)

Jahresumsatz: 76,67 Milliarden Dollar

Platz 9

Cnooc (Hongkong)

Jahresumsatz: 63,12 Milliarden Dollar

Platz 10

Eni (Italien)

Jahresumsatz: 63 Milliarden Dollar

Quelle

Thomson Reuters/Unternehmensangaben

Beide Länder haben zudem mehrfach ihr Interesse an einer verstärkten Kooperation im Energiesektor mit Russland bekundet. Die staatliche chinesische Ölgesellschaft CNPC ist sogar schon Aktionär bei Rosneft – auch wenn der Anteil mit einem Prozent deutlich niedriger ist als der von BP (19 Prozent).

Darüber hinaus ist Rosneft über ein langjähriges Lieferabkommen an das Reich der Mitte gebunden: Bis 2038 soll der Konzern 360 Millionen Tonnen Öl liefern – vorfinanziert über chinesische Kredite. Auch mit Indien gibt es bereits Verknüpfungen: Vor wenigen Tagen erst hat sich ein indisches Konsortium, bestehend aus Oil India, Indian Oil, Bharat Petro Ressources und OGNC Videsh mit fast 40 Prozent bei der Rosneft-Lagerstätte Wankor in Sibirien eingekauft.

Indiens Ölminister Dharmendra Pradhan betonte jüngst beim Wirtschaftsgipfel in St. Petersburg, dass sich Indien nicht als Konkurrent Chinas verstehe und er sich auch gemeinsame Projekte vorstellen könne. Ein gemeinsamer Einstieg bei Rosneft könnte gut in dieses Schema passen.

Das Auf und Ab beim Ölpreis im Jahr 2015

Überangebot

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzen dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,71 Dollar. Derzeit liegt der Preis mit rund 40 Dollar nicht einmal halb so hoch.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will. Sie kämpft stattdessen mit Rabatten um ihre Marktanteile.

7. Januar

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009. Damit nähert er sich dem im Sog der Finanzkrise im Dezember 2008 erreichten Tief von 36,20 Dollar. Das war so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

3. Februar

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. Juli

Ein Bericht über den neuerlichen Anstieg von Ölbohrungen in den USA setzt den Preis wieder unter Druck: Brent fällt bis auf knapp 60 Dollar. Am darauffolgenden Montag, den 6. Juli, sinkt der Preis wieder klar unter die 60-Dollar-Marke.

3. August

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet Brent so wenig wie zuletzt im März 2009, als der Preis einen Tiefstand von 41,30 Dollar erreichte.

8. Dezember

Nachdem die Opec am Freitag ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

9. Dezember

Auch an den Zapfsäulen kommt der Kursverfall am Rohstoffmarkt langsam an: Bei mehreren Internet-Vergleichsportalen kratzt der Preis für ein Liter Diesel erstmals seit 2009 wieder an der Ein-Euro-Marke.

Kremlsprecher Dmitri Peskow dementierte allerdings, dass die russische Führung schon eine Entscheidung getroffen habe. Politische Vorlieben gebe es nicht, verschiedene Varianten würden diskutiert, sagte er. „Es gibt eine Balance zwischen der Zweckmäßigkeit der künftigen Zusammensetzung der Aktionäre und den Preisparametern, also den Einnahmen, die Russland von der Privatisierung erhält“, fügte Peskow hinzu.

Was die Zweckmäßigkeit betrifft, wäre der Einstieg von Indern und Chinesen für Rosneft und den Kreml optimal. Russland behält mit dem Verkauf des Pakets nicht nur weiterhin die Kontrollmehrheit über den aus dem Yukos-Erbe hervorgegangenen Rosneft-Konzern, sondern schließt auch aus, dass ein Teilhaber sich eine Sperrminorität sichert.

Da Rosneft von westlichen Sanktionen betroffen ist – es gibt Restriktionen bei der Erschließung der Vorräte auf dem Schelf – gibt es laut Raiffeisenbank-Analyst Andrej Polischtschuk neben China und Indien auch keine realen Bewerber für das Paket. Für Rosneft könnte die Beteiligung den Vorteil bieten, über seine neuen Partner an die notwendigen Technologien für die Erschließung von Küstenlagerstätten zu kommen.

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