Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.03.2013

19:54 Uhr

Rosneft übernimmt TNK-BP

Brüssel genehmigt milliardenschweren Öldeal in Russland

Die Brüsseler EU-Kommission gibt grünes Licht für eine milliardenschwere Übernahme im Ölgeschäft: Der russische Staatskonzern Rosneft darf TNK-BP kaufen. Wettbewerbsbedenken gebe es keine – und damit auch keine Auflagen.

Das Schild von Rosneft am Eingang des Hauptsitzes in Moskau. AFP

Das Schild von Rosneft am Eingang des Hauptsitzes in Moskau.

BrüsselDer russische Staatskonzern Rosneft darf den Ölförderer TNK-BP übernehmen. Das hat die EU-Kommission in Brüssel am Freitag mitgeteilt. Denn auch nach dem Zukauf habe Rosneft weiterhin genug Konkurrenz, so die Brüsseler Wettbewerbshüter. Dementsprechend gebe es keine Auflagen. Auch die Verbraucher hätten weiterhin die Wahl zwischen mehreren Rohölversorgern.

Beide Unternehmen erkunden, erschließen und fördern Rohöl und Erdgas. Zudem verkaufen beide die Rohstoffe und verarbeiten sie weiter. Während Rosneft im Besitz des russischen Staates ist, ist TNK-BP ein russisch-britischer Konzern, der zur Hälfte BP gehört.

Der staatliche Rosneft-Konzern kauft TNK-BP von der russischen Oligarchen-Gruppe AAR und dem britischen Öl-Giganten BP in zwei separaten Geschäften im Gesamtwert von 55 Milliarden Dollar und zieht damit an US-Weltmarktführer Exxon Mobil vorbei.

Die EU-Kommission untersuchte insbesondere die Folgen der Übernahme auf dem Rohölmarkt. Die Übernahme sei für den Wettbewerb unbedenklich, folgerte die Brüsseler Behörde, „da das fusionierte Unternehmen weiterhin ausreichendem Wettbewerb durch eine Vielzahl von starken Wettbewerbern ausgesetzt wäre“.

Die Frage, ob die Moskauer Regierung beim Betrieb von Rosneft mitentscheide, hat die EU-Kommission offen gelassen, weil sie die Übernahme als unbedenklich für den Wettbewerb eingestuft hat.

Der jahrelange Krimi um den Ölriesen TNK-BP

2003

Der britische Ölkonzern BP und ein Konsortium aus vier russischen Oligarchen mit dem Namen AAR gründen den Gemeinschaftskonzern TNK-BP. Die Konzerne legen damit ihre Förderanlagen, Raffinerien und Pipelines in Russland und der Ukraine zusammen.

2004

Russlands Präsident Putin will einen nationalen Energiekonzern schmieden. Er drängt den Gasriesen Gazprom und den Ölkonzern Rosneft zu einem Zusammenschluss. Doch die damals rund 7,6 Milliarden Dollar schwere Fusion scheitert. Die beiden Konzerne können sich nicht auf die Bedingungen eines Zusammenschlusses einigen.

2008

Zwischen den TNK-BP-Eignern BP und AAR entbrennt ein Streit über die Ausrichtung und Strategie des Gemeinschaftsunternehmens. Der Konflikt eskaliert, sogar der Kreml schaltet sich ein. BP-Techniker dürfen nicht mehr in Russland arbeiten.
Im Juni wird sogar dem damaligen BP-Manager und TNK-BP-Chef Bob Dudley das Visum entzogen. Er flieht aus Russland und leitet den Konzern fünf Monate lang von einem geheimen Ort aus.
Nach langen Verhandlungen unterzeichnen AAR und BP ein Memorandum, das die Streitigkeiten beilegen soll. Dudley tritt zurück und die russischen Oligarchen installieren einen eigenen Konzernchef. Heute ist Dudley Vorstandschef von BP.

2010

Der Streit zwischen den TNK-BP-Eignern scheint beigelegt. BP-Manager und AAR-Vertreter treten erstmals seit dem Streit wieder gemeinsam in der Öffentlichkeit auf.

2011

BP und Rosneft Unternehmen wollen gemeinsam Öl- und Gasvorkommen in der Arktis ausbeuten. Doch der Milliardendeal scheitert am Widerstand von TNK-BP-Aktionären, die sich übergangen fühlten. BP hätte laut Aktionärsvertrag zunächst TNK-BP das Geschäft vorschlagen müssen. Der TNK-BP-Minderheitsaktionär Andrej Prochorow verklagt BP auf elf Milliarden Dollar.

Juli 2012

Ein Schiedsgericht in der sibirischen Stadt Tjumen gibt der Klage des TNK-BP-Minderheitsaktionärs Andrej Prochorow Recht. BP will seinen Anteil an TNK-BP inzwischen verkaufen. Mal will das Oligarchen-Konsortium AAR zugreifen und sich das Gemeinschaftsunternehmen komplett aneignen. Mal signalisiert aber der Ölkonzern Rosneft Interesse.

Oktober 2012

Der Energieriese Rosneft könnte sowohl den BP-Anteil an TNK-BP, als auch den AAR-Anteil übernehmen.

Für wichtige Zusammenschlüsse oder Übernahmen brauchen Firmen grünes Licht von der EU-Kommission. Dies soll verhindern, dass einzelne Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung gewinnen und ihren Kunden allzu hohe Preise diktieren können. Die meisten Anträge genehmigt die Kommission.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

08.03.2013, 23:31 Uhr

Ob sich das für die Brüsseler Wettbewerbhüter gelohnt hat?

bjarki

09.03.2013, 03:18 Uhr

Das ist eine Frechheit. Russland uebernimmt damit die Energiehoheit in Europa. Zusammen mit Gasprom ist das ein Ergebnis wie in Verdun fuer Deutschland. Russland hat den Krieg gewonnen, dank einer korrupten EU Kommission. Merkel laesst alte SED Verbindungen laufen und schon gewinnt man die naechste unblutige Schlacht im 1. europaeischen Wirtschaftskrieg. Frueher hiess es immer die Russen kommen. Heute sind sie da.

Account gelöscht!

09.03.2013, 12:25 Uhr

Ui Ui
Ich würde das mal etwas entspannter sehen.
Es wurde Zeit dass die immer noch vorhandene Wirtschaftsdominanz der USA
vor allem auf dem Energiesektor ein Gegengewicht bekommt !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×