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04.12.2012

06:34 Uhr

Russischer Gaskonzern

Gazprom will Marktmacht in Deutschland vergrößern

ExklusivDer russische Gasriese Gazprom will im deutschen Gashandel weitere Marktanteile hinzugewinnen. Vor den Kartellbehörden hat der Konzern dabei keine Angst.

Gazprom-Deutschlandzentrale in Berlin: Das Unternehmen sieht im deutschen Gashandel „noch Potenzial“. dapd

Gazprom-Deutschlandzentrale in Berlin: Das Unternehmen sieht im deutschen Gashandel „noch Potenzial“.

DüsseldorfDer weltgrößte Gaskonzern Gazprom will seine Marktmacht in Deutschland noch vergrößern. „Deutschland ist und bleibt unser wichtigster Markt in Europa“, sagte Alexander Medwedjew, stellvertretender Vorstandschef und zuständig für das Exportgeschäft, im Interview mit dem Handelsblatt. „Wir sehen im deutschen Gashandel noch Potenzial und wollen hier unseren Marktanteil noch ausbauen.“

Die Russen decken nicht nur ein Drittel des deutschen Gasbedarfs. Vor zwei Wochen kündigte Gazprom auch an, den Gasgroßhändler Wingas komplett zu übernehmen. Das Unternehmen mit Sitz in Kassel, an dem Gazprom bislang wie Partner BASF 50 Prozent der Anteile hält, ist hinter Eon Ruhrgas die Nummer zwei im deutschen Großhandel und hat jetzt schon einen Marktanteil von 15 bis 20 Prozent.

Die wachsende Marktmacht von Gazprom wird in Europa kritisch beäugt. Die EU-Kommission hat vor Monaten Geschäftsräume des Unternehmens durchsuchen lassen und ein Kartellverfahren eröffnet.

Medwedjew sieht das aber gelassen. „Wir waren wirklich überrascht von diesen Vorwürfen“, sagte er. Gazprom sei doch „ein Pionier der Marktliberalisierung“ in Europa. Das habe der Konzern zusammen mit BASF mit dem Gasgroßhändler Wingas bewiesen, der das Monopol auf dem deutschen Gasmarkt geknackt habe. „Wir sind doch genauso abhängig von West-Europa wie West-Europa von uns“, betonte Medwedjew.

Der Gazprom-Vize verteidigte auch die umstrittene Ölpreisbindung: „Es wäre ein zu großes Experiment, wenn sich der Gaspreis nur am Spotmarkt orientieren würde. Und wer würde bezahlen, wenn das Experiment misslingt? Die Kunden natürlich. Ölpreisindexierte Verträge sind dagegen kalkulierbar und gut zu managen.“

Die größten börsennotierten Ölkonzerne der Welt

Die größten Öl- und Gaskonzerne

Sie fördern und raffinieren Erdöl oder Gas und betreiben riesige Tankstellennetze. Wie viel die zehn größten Öl- und Gaskonzerne der Welt an der Börse wert sind.

Quelle: Bloomberg, Stand: 26.7.2012

Platz 10

ENI (Italien)

Der italienische Öl- und Gaskonzern erreicht mit einer Marktkapitalisierung von 70 Milliarden Dollar Rang zehn unter den Energiekonzernen. Das Unternehmen mit Sitz in Rom ist der größte Gasversorger Italiens. Neben dem Öl- und Gasgeschäft mit Exploration, Förderung, Raffinerie und Vertrieb sind die Italiener auch im Stromgeschäft aktiv.

Platz 9

Sinopec (China)

Der chinesische Mineralölriese zählt zu den größten Energiekonzernen des Landes und erreicht an der Börse eine Marktkapitalisierung von 80,9 Milliarden Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Peking ist im Hang-Seng-Index notiert.

Platz 8

Total (Frankreich)

Die Franzosen betreiben in Europa ein dichtes Tankstellennetz. In mehr als 30 Ländern fördert der Konzern Öl und Gas. Der Konzern mit Sitz in Courbevoie nahe Paris erreicht einen Börsenwert von 124 Milliarden Dollar.

Platz 7

Gazprom (Russland)

Der russische Konzern rangiert an der Weltspitze der Gasförderer. Das Moskauer Unternehmen ist an der Börse mit 116 Milliarden Dollar bewertet. Gazprom kontrolliert fast die gesamte Erdgasförderung Russlands.

Platz 6

Petrobras (Brasilien)

Der halbstaatliche Konzern mit Sitz in Rio de Janeiro hat eine Marktkapitalisierung von 125,1 Milliarden Dollar. Die Brasilianer sind besonders in der Offshore-Förderung von Öl stark. Der Konzern wurde ursprünglich zur Abwehr von US-Konzernen gegründet.

Platz 5

BP (Großbritannien)

Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat den Konzern in Bedrängnis gebracht. Aktuell ist das Unternehmen mit 129,1 Milliarden Dollar bewertet. In Deutschland wird Benzin und Diesel unter der Marke Aral vertrieben.

Platz 4

Chevron (USA)

Der US-Konzern ist auf dem Parkett 213,4 Milliarden Dollar wert. Die Hauptsitze sind im kalifornischen San Ramon sowie im brasilianischen Fortaleza. Der Konzern ist im Bereich der geothermischen Energiegewinnung führend.

Platz 3

Royal Dutch Shell (Großbritannien)

Das Unternehmen mit Sitz in London und Den Haag zählt zu den drei größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. Shell ist in mehr als 180 Ländern aktiv. An der Börse ist der Konzern mit 216,4 Milliarden Dollar bewertet.

Platz 2

PetroChina (China)

Die Chinesen schoben sich auf rang zwei der größten Öl- und Gaskonzerne vor. An der Börse ist der Konzern 249,2 Milliarden Dollar wert. Das Unternehmen ist besonders im Sudan aktiv und steht deswegen in der Kritik.

Platz 1

Exxon Mobil (USA)

Die Spitze der Öl- und Gaskonzerne erobert Exxon Mobil mit einer Marktkapitalisierung von 399,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen entstand 1999 durch den Zusammenschluss von Exxon mit Mobil Oil. Das Unternehmen gilt als Nachfolger der Standard Oil Company des legendären Milliardärs John D. Rockefeller.

Von

juf

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

04.12.2012, 10:43 Uhr

Warum sollte sich Gazprom auch nur einen Gedanken an Probleme mit dem Kartellamt verschwenden. Energiewende-Aintschie hat doch erneuerbare Energien als alternativlos erklärt und dazu braucht sie nun mal Gaskraftwerke.
Allerdings hat sie Russland damit aussenpolitisch einen wunderbaren Hebel in die Hand gegeben und das dürfte sich früher oder später rächen.

Keine_Angst_vor_Russland

04.12.2012, 11:09 Uhr

Ich kann nicht verstehen, warum mein Vorredner Russland als schlechten Partner darstellen ("...das dürfte sich früher oder später rächen."). Gazprom hat sich über die Jahre als zuverlässiger Gaslieferant erwiesen. Russland bildet den stabilsten Partner, den sich Europa momentan gegenübersieht. Das stärkere Bestreben Gazproms ist zum beidseitigen Vorteil und auch für die Aktionäre Gazproms. Europa sollte endlich die Russland-Phobie ablegen! Sonst wird sich DAS früher oder später rächen.

Hagbard_Celine

04.12.2012, 11:33 Uhr

Russland wird immer noch ungerecht behandelt, wie Deutschland auch.

Man solle die Deutschen nicht länger "zwingen, das Haupt stets mit Asche zu bestreuen und sich dauernd zu geißeln". Deutschland dürfe sich "nicht auf der Weltbühne in seinen Rechten beeinträchtigt fühlen", sagte Putin. Die Deutschen hätten aus den Gräueln des Zweiten Weltkrieges richtige Schlussfolgerungen gezogen, Buße getan und Mechanismen geschaffen hat, die eine Wiederholung der Tragödien der Vergangenheit verhinderten.

Wie man in den Wald hineinruft, so sollte es auch herausschallen.

Die meisten Politiker Berlins sehen das anders, bei ihnen gehört es zum guten Ton das eigene Nest zu bekoten. So gesehen gibt es jede Menge Rassisten im Berlin, ein untragbarer Zustand.

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