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07.12.2012

08:11 Uhr

Russisches Erdgas

Gazproms neue Röhren reichen bis Italien

VonOliver Bilger

Gazprom beginnt heute mit dem Bau der Pipeline South Stream. Die Röhren transportieren bald russisches Erdgas bis nach Norditalien. Den Gasriesen und Präsident Putin freut es, Westeuropa ist skeptisch.

Gas-Pipeline in Russland: Am Freitag erfolgt der erste Spatenschicht für das neue Projekt South Stream. dpa

Gas-Pipeline in Russland: Am Freitag erfolgt der erste Spatenschicht für das neue Projekt South Stream.

AnapaAus Moskauer Sicht bietet der heutige Freitag allen Grund für Feierstimmung. In Brüssel und anderswo im westlichen Teil Europas hingegen dürften einige deutlich weniger euphorisch in Richtung Osten blicken. Im Süden Russlands, an der Küste des Schwarzen Meeres, will Gazprom am Nachmittag symbolisch den Baubeginn für die neue Pipeline South Stream begehen und eine erste Schweißnaht setzen.

Zu dem Ereignis kommen neben hochrangigen Managern des Gasriesen und seiner Partnerfirmen Politiker aus den beteiligten Ländern, darunter Russlands Präsident Wladimir Putin. Sie wollen zeigen: Gazprom schafft Tatsachen, was Europas Energieversorgung angeht. Dabei fürchten sich viele innerhalb der Europäischen Union vor einer zu hohen Abhängigkeit von russischem Erdgas.

Die größten börsennotierten Ölkonzerne der Welt

Die größten Öl- und Gaskonzerne

Sie fördern und raffinieren Erdöl oder Gas und betreiben riesige Tankstellennetze. Wie viel die zehn größten Öl- und Gaskonzerne der Welt an der Börse wert sind.

Quelle: Bloomberg, Stand: 26.7.2012

Platz 10

ENI (Italien)

Der italienische Öl- und Gaskonzern erreicht mit einer Marktkapitalisierung von 70 Milliarden Dollar Rang zehn unter den Energiekonzernen. Das Unternehmen mit Sitz in Rom ist der größte Gasversorger Italiens. Neben dem Öl- und Gasgeschäft mit Exploration, Förderung, Raffinerie und Vertrieb sind die Italiener auch im Stromgeschäft aktiv.

Platz 9

Sinopec (China)

Der chinesische Mineralölriese zählt zu den größten Energiekonzernen des Landes und erreicht an der Börse eine Marktkapitalisierung von 80,9 Milliarden Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Peking ist im Hang-Seng-Index notiert.

Platz 8

Total (Frankreich)

Die Franzosen betreiben in Europa ein dichtes Tankstellennetz. In mehr als 30 Ländern fördert der Konzern Öl und Gas. Der Konzern mit Sitz in Courbevoie nahe Paris erreicht einen Börsenwert von 124 Milliarden Dollar.

Platz 7

Gazprom (Russland)

Der russische Konzern rangiert an der Weltspitze der Gasförderer. Das Moskauer Unternehmen ist an der Börse mit 116 Milliarden Dollar bewertet. Gazprom kontrolliert fast die gesamte Erdgasförderung Russlands.

Platz 6

Petrobras (Brasilien)

Der halbstaatliche Konzern mit Sitz in Rio de Janeiro hat eine Marktkapitalisierung von 125,1 Milliarden Dollar. Die Brasilianer sind besonders in der Offshore-Förderung von Öl stark. Der Konzern wurde ursprünglich zur Abwehr von US-Konzernen gegründet.

Platz 5

BP (Großbritannien)

Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat den Konzern in Bedrängnis gebracht. Aktuell ist das Unternehmen mit 129,1 Milliarden Dollar bewertet. In Deutschland wird Benzin und Diesel unter der Marke Aral vertrieben.

Platz 4

Chevron (USA)

Der US-Konzern ist auf dem Parkett 213,4 Milliarden Dollar wert. Die Hauptsitze sind im kalifornischen San Ramon sowie im brasilianischen Fortaleza. Der Konzern ist im Bereich der geothermischen Energiegewinnung führend.

Platz 3

Royal Dutch Shell (Großbritannien)

Das Unternehmen mit Sitz in London und Den Haag zählt zu den drei größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. Shell ist in mehr als 180 Ländern aktiv. An der Börse ist der Konzern mit 216,4 Milliarden Dollar bewertet.

Platz 2

PetroChina (China)

Die Chinesen schoben sich auf rang zwei der größten Öl- und Gaskonzerne vor. An der Börse ist der Konzern 249,2 Milliarden Dollar wert. Das Unternehmen ist besonders im Sudan aktiv und steht deswegen in der Kritik.

Platz 1

Exxon Mobil (USA)

Die Spitze der Öl- und Gaskonzerne erobert Exxon Mobil mit einer Marktkapitalisierung von 399,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen entstand 1999 durch den Zusammenschluss von Exxon mit Mobil Oil. Das Unternehmen gilt als Nachfolger der Standard Oil Company des legendären Milliardärs John D. Rockefeller.

Denn mit South Stream will Russland seinen Anteil auf über ein Drittel des von Europa importierten Erdgases steigern. Dafür werden weder Kosten noch Mühen gescheut. Die Ausmaße des Projekts sind gewaltig. Allein 900 Kilometer beträgt die Länge der Pipeline, die durch das Schwarze Meer von Anapa bis zur bulgarischen Küstenstadt Warna gebaut werden soll. An manchen Stellen werden die insgesamt vier Rohre in einer Tiefe von mehr als 2000 Metern verlegt – keine leichte Aufgabe.

South Stream führt von Bulgarien aus weiter durch Serbien, Ungarn und Slowenien bis nach Norditalien. Die Gesamtroute beträgt fast 2400 Kilometer. Entlang dieser Strecke haben erste Bauarbeiten bereits begonnen, weitere werden nun folgen. Bis zur tatsächlichen Verlegung der Röhren am Meeresgrund dauert es allerdings noch bis zum Jahr 2014.

Das erste Gas soll ab Ende 2015, Anfang 2016 durch die Pipeline kommen. Für Marcel Kramer, Chef der South Stream Transport AG, die für den wichtigen Meeresabschnitt verantwortlich ist, ist das ein „großes und anspruchsvolles Ziel“. Die Marschrichtung hatte Präsident Putin zuletzt im Sommer vorgegeben: „Ich bin sicher, dass dieses Projekt in zwei Jahren realisiert wird.“ Bis 2018 soll South Stream die volle Lieferkapazität erreichen. 63 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr sollen einmal durch South Stream nach Westeuropa strömen.

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

07.12.2012, 09:05 Uhr

Da dieses Nabucco jetzt endgültig gescheitert ist, steht der Fischer in der Pflicht, die dabei abgesahnten Millionen zu spenden. Und die aus den Spenden resultierenden Steuergeschenke dem Deutschen Finanzamt zu erstatten.

Hagbard_Celine

07.12.2012, 09:21 Uhr

• Gazprom ist der Energiekonzern schlechthin, allein die Gasreserven betragen 33,000 MRD Kubikmeter.

Wenn man den Großhandelspreis von 0,5 Euro/ Kubikmeter ansetzt kommt man so auf einen Umsatz von über 15,000 MRD Euro der auf Basis dieser Reserven generiert werden kann.

Das ist mehr als die US Staatsverschuldung !

Die EU und Russland werden sich mit Sicherheit in den kommenden Jahren weiter annähern, ob das dem Ami passt oder nicht. Wir treiben schon heute mehr Handel mit Russland und Polen zusammen als mit den USA.

Account gelöscht!

07.12.2012, 09:21 Uhr

Einem "lupenreinen" Diktator wie Putin unsere Energieversorgung zu überlassen, kann nur ein SPD-Scherge wie GAZ-Gerd gutheißen.

Ich habe schon vor vielen Jahren auf meinem Grundstück einen Flüssiggastank mit Propan-Inhalt aufgestellt und freue mich, daß mein Gas aus Rotterdam, weltweit zum günstigsten Preis eingekauft, immer mindestens 20-30 % unter den Putin-Erdgaspreisen liegt.

Wenn dann also der Pussy-Riot-Vernichter wieder mal den Gashahn zudreht, geht mir das am warmen Gesäß vorbei.

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