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12.11.2015

12:40 Uhr

RWE bleibt in Krisenmodus

Dea-Verkauf reißt es für Terium raus – noch

VonJürgen Flauger

Der Gewinn von RWE steigt kräftig. Aber nur, weil der Energieriese die Ölfördertochter Dea verkauft hat. Im Kraftwerksgeschäft geht es weiter bergab. Noch gibt es jetzt Streit um die Stilllegung eines Kraftwerks.

Reuters

Peter Terium

Essen/DüsseldorfRWE bleibt auf Talfahrt. In den ersten neun Monaten 2015 sackte der betriebliche Gewinn der zweitgrößten deutsche Energiekonzerns um knapp neun Prozent auf 2,6 Milliarden Euro ab, wie RWE am Donnerstag in Essen mitteilte. Hauptgrund ist der Verfall der Strompreise im Großhandel. Deshalb verdienen die Großkraftwerke immer weniger.

Unter dem Strich stand bei RWE allerdings ein kräftiger Gewinnanstieg von 95 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro. Dabei macht sich der Sondergewinn aus dem milliardenschweren Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea im ersten Quartal bemerkbar. An der Prognose hielt der Vorstand fest. RWE schränkte allerdings ein, dass die Vorgabe – ein Nettoergebnis von 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro – eventuell nur knapp erreicht werde.

An der Börse brach die RWE-Aktie zeitweise um mehr als acht Prozent ein und war damit größter Verlierer im Dax.

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

Konkurrent Eon hatte am Mittwoch einen Rekordverlust ausgewiesen. Unter dem Strich summierte sich der Verlust auf 5,7 Milliarden Euro. Eon hatte Wertberichtigungen von 8,3 Milliarden Euro vorgenommen. Um die Sondereffekte bereinigt lag der Überschuss zwar auch um 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau, aber immerhin noch mit 960 Millionen Euro im Plus. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um 18 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro.

Anders als Eon, verzichtete RWE auf weitere Abschreibungen auf seine Kraftwerke. Dabei kämpfen RWE und Eon mit dem selben Problem. Beiden Unternehmen brechen die Gewinne im bisherigen Kerngeschäft, dem Betrieb großer Kraftwerke im Rekordtempo weg. Die Kohle- und Gasanlagen werden zunehmend von Wind- und Solarenergie aus dem Markt gedrängt, die Vorrang im Netz genießen. Der Strompreis, den die Konzerne an der Börse erzielen können, ist dramatisch gesunken.

Aktuell kostet am Terminmarkt der Leipziger Strombörse EEX eine Megawattstunde, die im kommenden Jahr geliefert wird, nicht einmal mehr 29 Euro. Vor vier Jahren, bevor die Reaktorkatastrophe von Fukushima die Energiewelt veränderte, war es noch mehr als das Doppelte. Für die kommenden Jahre sind die Aussichten nicht besser. Deshalb hat Eon den Wert seiner Kraftwerke radikal abgewertet. In Branchenkreisen wird erwartet, das RWE das auch bevor steht.

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Noch reagieren die Energieriesen mit unterschiedlichen Strategien auf die Krise. Eon-Chef Johannes Teyssen spaltet zum Jahreswechsel seinen Konzern auf. Eon wird sich dann auf das Geschäft mit der Energiewende kümmern, die Kraftwerke übernimmt die neue Gesellschaft Uniper. RWE-Chef Peter Terium hat zwar im Sommer auch eine neue Struktur beschlossen. Die Zentrale in Essen wird den Konzern ebenfalls stärker auf die neuen Geschäftsfelder ausgerichtet und die Kraftwerksgesellschaft RWE Generation wird weitgehend selbstständig arbeiten.

Terium hält sich eine spätere Trennung auch ausdrücklich vor. Noch schreckt er von dem Schritt aber zurück.

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