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23.09.2015

16:18 Uhr

RWE-Chef Terium

„Der Markt übertreibt manchmal“

Der Verfall des Aktienkurses sei „absolut dramatisch“, räumt RWE Chef Peter Terium ein. Doch insgesamt sei die Strategie des kriselnden Energieversorgers die richtige. Der Markt übertreibe ganz einfach gerade etwas.

Der RWE-Chef sieht den Energiekonzern auf dem richtigen Kurs. dpa

Peter Terium

Der RWE-Chef sieht den Energiekonzern auf dem richtigen Kurs.

DüsseldorfRWE-Chef Peter Terium will sich von dem Einbruch des Aktienkurses nicht beirren lassen und seine Strategie bei dem kriselnden Energiekonzern vorantreiben. „Der Zug fährt in die richtige Richtung. Wir müssen nur sehen, dass die politischen Risiken das Ganze nicht überschatten“, sagte Terium am Mittwoch am Rande einer Konferenz in Düsseldorf. Der Verfall des Aktienkurses sei zwar „absolut dramatisch“. Die gegenwärtigen Notierungen spiegelten aber nicht den Wert des Unternehmens wider. „Der Markt hat Recht, leider übertreibt er manchmal.“ Die Risiken, etwa durch den Stresstest der Regierung zu den AKW-Rückstelllungen, würden übertrieben.

Die RWE-Aktie hat seit Jahresbeginn rund 60 Prozent an Wert verloren. In der vergangenen Woche waren die Kurse von RWE und des Konkurrenten E.ON an einem Tag um bis zu 13 Prozent geschrumpft, Zuvor hatte es Medienberichte gegeben, wonach die Rückstellungen der vier AKW-Betreiber in Deutschland - RWE, Eon, ENBW und Vattenfall - um 30 Milliarden Euro zu niedrig seien. Die Regierung hat angekündigt, die Ergebnisse der Untersuchung von Wirtschaftsprüfern im Herbst vorzulegen. Wann genau ist offen.

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Es sei sinnvoll, sich mal alle möglichen und unmöglichen Varianten anzuschauen, sagte Terium. „Die sind aber nicht Basis einer Bewertung.“ Die Bilanzen von RWE würden seit Jahren von renommierten Wirtschaftsprüfern überprüft. „Ich glaube nicht, dass da irgendetwas Neues oder Anderes bei rauskommt.“

Auf die Frage, ob er sich Sorgen über das Ergebnis der Untersuchung mache, sagte der Niederländer: „Sorgen machen wir uns immer. Schauen Sie mal, was passiert ist in den letzten Jahren in unserem Geschäft. Unbesorgt schlafen zu gehen, wäre nicht die richtige Grundhaltung.“ Er sei aber zuversichtlich, dass die Zahlen in den Bilanzen korrekt seien. Die RWE-Aktie legte nach den Äußerungen zeitweise um fast sechs Prozent zu. Eon-Papiere verteuerten sich um mehr als drei Prozent.

Terium will RWE aus eigener Kraft voranbringen. Eine Fusion mit einem anderen Versorger will er zwar nicht für alle Zeit ausschließen. „Ein Zusammenschluss ist für mich aktuell nicht absehbar“, betonte er jedoch. Von den gegenwärtigen politischen Risiken wären im Zweifelsfall auch ausländische Versorger betroffen. „Die bekommt ein italienisches, französisches, spanisches Unternehmen auch nicht wegverhandelt mit der Bundesregierung.“

RWE werde sich weiter neue Geschäfte erschließen, etwa in der dezentralen Energieversorgung oder der Digitalisierung moderner Haustechnik. Weitere Verkäufe seien nach der Veräußerung der Öl- und Gasfördertochter RWE Dea nicht geplant. „Was wir jetzt zur Zeit haben ist alles Kerngeschäft.“

Der RWE-Chef stellte sich hinter die Entscheidung des Aufsichtsrats vom Freitag vergangener Woche, die den ehemaligen SAP Finanzchef Werner Brandt als geeigneten Nachfolger von Aufsichtsratschef Manfred Schneider bezeichnet hatte. Es werde ein Kandidat gebraucht, der in den Themen drin sei, sagte Terium. „Einer, der schon drei Jahre den Prüfungsausschuss leitet bei uns, der kennt alle Themen bis ins Detail“, sagte der RWE-Chef und fügte hinzu: „Nennen sie mir einen besseren Kandidaten, ich kenne keinen.“ Die bei RWE mächtigen Kommunen machen sich für den ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Werner Müller stark. Dieser gehört im Gegensatz zu Brandt dem Aufsichtsrat bislang nicht an.

Von

rtr

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