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29.10.2013

07:15 Uhr

RWE-Chef Terium

„Unser Ergebnis wird dramatisch sinken“

VonDana Heide

RWE-Chef Terium sieht kein Licht am Ende des Horizonts für den Energieversorger und kündigt weitere Sparprogramme an. Auch einen Zusammenschluss mit einem anderen Unternehmen schließt er offenbar nicht mehr aus.

Für REW-Chef Peter Terium ist ein erneutes Sparpaket unausweichlich. AP/dpa

Für REW-Chef Peter Terium ist ein erneutes Sparpaket unausweichlich.

BerlinRWE-Chef Peter Terium will weiter sparen, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstagausgabe). „Unser Ergebnis wird dramatisch sinken“, kündigte er an. „Für mich ist unvermeidbar, dass wir mit neuen Sparprogrammen nachlegen müssen.“ Bereits im September war bekannt geworden, dass der Konzern möglicherweise mehr als die bisher angepeilten 500 Millionen Euro im Bereich der Stromerzeugung sparen wird. Der Zeitung zufolge schließt das Unternehmen auch einen Zusammenschluss von RWE mit einem Partner nicht aus.

Zu schaffen machen den Energiekonzernen unter anderem die stark gefallenen Preise im Stromgroßhandel an der Börse. Weil das Angebot an Strom durch den Boom der erneuerbaren Energien zeitweise sehr hoch ist, sind die Preise auf zeitweise unter 40 Euro gefallen. RWE und Co schalten nicht nur aufgrund von Rentabilitätsaspekten ihre konventionellen Kraftwerke immer seltener an - das hat Folgen. „30 bis 40 Prozent der Anlagen schreiben Verluste“, sagte Terium. In Deutschland sollen nach bisherigen Plänen von RWE 3100 Megawatt vom Netz. „Das ist voraussichtlich noch nicht das Ende“, sagte Terium.

Neben dem wegbrechenden Geschäft im Bereich der Energieerzeugung drücken das Unternehmen zudem Schulden in Höhe von 35 Milliarden Euro. „Die Erträge reichen nicht, um unsere Schulden zu bedienen. Um es klar zu sagen: eine gefährliche Situation“, warnte Terium.

Welche Kraftwerke RWE abschalten will

Amer 8

Der Energieversorger RWE will in den nächsten Jahren zahlreiche Kraftwerke aus dem Markt nehmen. Darunter ist auch das Steinkohlekraftwerk Amer 8 in den Niederlanden. Die Anlage mit einer Erzeugungskapazität von 610 Megawatt soll Anfang 2016 stillgelegt werden.

Moerdijk 2

Die meisten der Anlagen, die RWE aus dem Markt nehmen will, sind Gaskraftwerke, wie etwa Moerdijk 2 in den Niederlanden. Die Anlage hat eine Erzeugungskapazität von 430 Megawatt und soll bereits Ende dieses Jahres langfristig konserviert werden.

Gersteinwerk F und Gersteinwerk G

Auch die Anlagen Gersteinwerk F und Gersteinwerk G sollen eingemottet werden. Gersteinwerk F noch in diesem Jahr und Gersteinwerk G Mitte 2014. Die Gaskraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 355 Megawatt und stehen in Deutschland.

Weisweiler H und Weisweiler G

Weisweiler H und Weisweiler G arbeiten ebenfalls mit Gas. Die deutschen Kraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 270 Megawatt und sollen bis Oktober 2013 langfristig konserviert werden.

Emsland B und Emsland C

Die deutschen Gaskraftwerke Emsland B und Emsland C haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 360 Megawatt und sollen bis Mitte 2014 zumindest in den Sommermonaten abgeschaltet werden.

Das Unternehmen hat wie andere große Energieversorger Probleme, sein Geschäft auf die Energiewende auszurichten. Vom Boom der Erneuerbaren haben die Konzerne kaum etwas. So liegt ihr Anteil an der Stromerzeugung aus Solarkraft und Co. gerade einmal im einstelligen Bereich.

Um dennoch an Geld zu kommen, trennen sich die Energieversorger von Beteiligungen. So treibt RWE derzeit den Verkauf seiner milliardenschweren Öl- und Gasfördertochter Dea voran. Offenbar ist ein Abschluss des Geschäfts bereits im Dezember möglich.

RWE-Chef Terium verschlankt zudem die Strukturen des Konzerns. Wie das Handelsblatt Anfang Oktober erfuhr, will er nach der Stromproduktion auch das Vertriebsgeschäft in einer europäischen Holding bündeln. Zum Jahreswechsel hatte RWE schon die Kernkraft-, Kohle- und Gaskraftwerke in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Großbritannien in einer neuen europäischen Aktiengesellschaft gebündelt. „Wir werden künftig mit weniger Mitarbeitern auskommen müssen“, sagte er.

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

29.10.2013, 08:00 Uhr

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass es eine Energiewende geben wird. Man hätte sich eben darauf vorbereiten müssen. Aber statt die "Netzentgelder" der Kunden zu investieren, wurden sie als gewinn zweckentfremdet. Dies rächt sich nun!

schuerzinger

29.10.2013, 08:08 Uhr

Über nur 35 Millionen schulden würde RWE sich freuen. Sind leider Milliarden.

D.Heide

29.10.2013, 08:14 Uhr

Guten Morgen "Schuerzinger", da haben Sie natürlich Recht. Entschuldigen Sie bitte den Fehler und einen guten Tag für Sie!

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