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13.11.2014

13:35 Uhr

RWE-Gewinn bricht ein

Energiekonzern bleibt im Krisenmodus

Um mehr als ein Fünftel bricht der Vorsteuergewinn bei RWE ein. Der Energieversorger macht gesunkene Großhandelspreise für Strom und einen schwächelnden Gasabsatz verantwortlich. Der wichtige Dea-Verkauf zieht sich hin.

Logo auf der alten RWE-Zentrale: Der Energiekonzern ist eine einzige Baustelle. dpa

Logo auf der alten RWE-Zentrale: Der Energiekonzern ist eine einzige Baustelle.

DüsseldorfDer Energiekonzern RWE hat angesichts des Widerstands in Großbritannien den Zeitplan für den milliardenschweren Verkauf der Tochter Dea in Frage gestellt. „Wir arbeiten daran, die Transaktion zügig abzuschließen“, schrieb Vorstandschef Peter Terium am Donnerstag im Quartalsbericht an die Aktionäre. „Ob wir die Gespräche hierzu bereits 2014 abschließen können, lässt sich derzeit nicht absehen.“

RWE will die Öl- und Gasfördertochter für rund fünf Milliarden Euro an eine Investorengruppe um den russischen Oligarchen Michail Fridman verkaufen. Die Essener brauchen das Geld dringend zum Schuldenabbau.

Auch operativ läuft es bei dem Versorger weiter nicht rund. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres sei der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 22 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro gefallen. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Ebitda von 4,617 Milliarden Euro gerechnet. Am Mittwoch hatte bereits Marktführer Eon schwache Zahlen und ein Quartalsminus präsentiert.

Ursache für den Einbruch bei RWE seien die gefallenen Strom-Großhandelspreise und der milde Winter gewesen, der unter anderem zu einem deutlichen Rückgang des Gasabsatzes geführt habe. Das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis brach um 60 Prozent auf 763 Millionen Euro ein.

Terium bekräftigte gleichwohl die Prognose: Ohne die Tochter Dea soll das Ebitda 2014 bei 6,4 bis 6,8 Milliarden Euro liegen. Das nachhaltige Nettoergebnis soll 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro erreichen.

Wieviel Erneuerbare die Energieversorger haben

RWE

Laut einer Studie, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace Ende Februar 2014 veröffentlichte, hat von RWE in Europa produzierter Strom einen Anteil von Wasserkraft von 2 Prozent und einen Anteil von anderen Erneuerbaren Energien von weiteren zwei Prozent. Die Zahl bezieht sich auf die tatsächlich erzeugte Strommenge, nicht auf die Kapazitäten.

Eon

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon produziert insgesamt drei Prozent seines in Europa hergestellten Stroms aus Erneuerbaren Energien inklusive Windkraft und steht damit im Vergleich schlechter da als Konkurrent RWE.

Vattenfall

Der schwedische Konkurrent Vattenfall produzierte insgesamt vier Prozent seines Stroms in Europa mithilfe regenerativer Energiequellen.

EnBW

EnBW steht im Vergleich der großen vier Energieversorger in Deutschland am schlechtesten da. Das Unternehmen gewinnt nur insgesamt zwei Prozent seines Stroms europaweit aus erneuerbaren Quellen.

Den Versorger drücken Schulden von fast 31 Milliarden Euro. Diese will Terium auch mit dem Verkauf von Dea senken. Deutschland und die EU-Kommission haben den Deal bereits genehmigt. Bei der britischen Regierung gibt es aber Widerstand. Sie ist in dem Prozess gefragt, da Dea mehrere Gasfelder in der britischen Nordsee betreibt. Die Regierung in London kann zwar nicht den gesamten Verkauf verhindern, sie kann aber nach einer Veräußerung Förderlizenzen entziehen.

Die Aktie gab wegen der Unsicherheit um den Dea-Deal um mehr als 2,5 Prozent nach und war damit Schlusslicht im Dax. „Das Ganze zieht sich und es gibt keine wirklich neuen Erkenntnisse, wie es weitergeht“, sagte ein Händler. Die Fördertochter gehört zum Tafelsilber des Konzerns. Die Hamburger konnten ihr Ergebnis auch in den ersten neun Monaten dieses Jahres verbessern. Das Geschäft gilt jedoch als kapitalintensiv. Investitionen in die Gas- und Ölförderung zahlen sich erst nach Jahren aus. An Dea waren auch die BASF -Tochter Wintershall und die ungarische MOL interessiert. Insidern zufolge lagen deren Angebote aber deutlich niedriger. Dea hält Anteile an rund 190 Öl- und Gaslizenzen in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika. 2013 fuhren die rund 1500 Beschäftigten einen Betriebsgewinn von gut 500 Millionen Euro ein - etwa ein Zehntel des RWE-Ergebnisses.

Kommentare (1)

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13.11.2014, 08:40 Uhr

RWE soll sich halt nicht selbst in die Tasche lügen.
Schuld an der Vernichtung der Marktwirtschaft in der deutschen Energie- und Wirtschaftsbranche ist die Energiewende mit ihrem Subventions-Abgabenzwangsgesetz EEG. Das EEG ist schuld daran, dass wir in der deutschen Energie-Wirtschaft keinen marktwirtschaftlichen Wettbewerb mehr haben und die sog. Erneuerbaren Energien auf Kosten der Energie-Wettbewerbswirtschaft per EEG Subventioniert werden. Energiewende/EEG = erst kommt der mangel und dann die Armut für unsere Gesellschaft!

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