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13.08.2015

10:39 Uhr

RWE-Gewinn schrumpft

Der kraftlose Energieriese

VonJürgen Flauger

Für die Energiekonzerne wird es immer schlimmer. Nach Eon meldet auch RWE einen weiteren Gewinnrückgang. Vorstandschef Terium hat neben den Kraftwerken ein neues Problem – und kritisiert die Pläne von Eon.

Die konventionelle Stromerzeugung ist die Achillesferse von RWE. Reuters

RWE-Kraftwerk bei Neurath

Die konventionelle Stromerzeugung ist die Achillesferse von RWE.

Essen/DüsseldorfDie Antworten mögen unterschiedlich sein, das Grundproblem aber ist das selbe: Ein Tag nach Eon legte Konkurrent RWE seinen Zwischenbericht vor – und die Lage ist genauso ernst wie beim Konkurrenten. In Essen werden genauso wie in Düsseldorf dringend neue Wachstumsmöglichkeiten benötigt.

Im ersten Halbjahr musste RWE beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) einen Rückgang um sieben Prozent auf 3,2 Milliarden Euro verkraften. Das - um Sondereffekte bereinigte - Nettoergebnis sank um 28 Prozent auf 543 Millionen Euro. Dabei war der Umsatz mit 25,1 Milliarden Euro nahezu stabil geblieben. Konkurrent Eon hatte am Mittwoch beim Ebitda ein Minus von 13 Prozent berichtet und beim Überschuss sogar von 21 Prozent.

RWE machte in erster Linie den „fortgesetzte Margenrückgang in der konventionellen Stromerzeugung“ dafür verantwortlich. Ähnlich hatte sich am Tag zuvor auch Eon geäußert.

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

Die deutschen Energieriesen kämpfen in ihrem bisherigen Kerngeschäft mit der Energiewende und den drastischen Verwerfungen auf dem Energiemarkt. Die großen Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke werden durch die boomenden erneuerbaren Energien, die vorrangig ins Netz gespeist werden, zunehmend aus dem Markt gedrängt. Im Terminmarkt wird eine Megawattstunde Strom, die kommendes Jahr geliefert werden soll, für gerade noch 30 Euro gehandelt. Vor drei Jahren waren es 20 Euro mehr.

Entsprechend sind die Gewinne in der Stromerzeugung zusammen geschmolzen. Gaskraftwerke rechnen sich schon lange nicht mehr, Steinkohlekraftwerke auch immer weniger und inzwischen bekommen sogar Braunkohle- und Atomkraftwerke Probleme.

RWE-Sanierung: Der englische Patient

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Der RWE-Aufsichtsrat hat den Umbau des Konzerns gebilligt. Doch schon wartet auf Chef Peter Terium das nächste Problem: In England laufen die Geschäfte viel schlechter als erwartet. Viele Kunden gibt es wohl gar nicht.

Bei RWE sanken die Ergebnisse in der Stromproduktion um 27 Prozent auf 750 Millionen Euro. „Hauptgrund dafür war, dass wir den Strom unserer deutschen und niederländischen Kraftwerke zu niedrigeren Großhandelspreisen abgesetzt haben als 2014“, teilte RWE mit. Eon hatte einen Rückgang des Ebitdas in der Erzeugungssparte um 29 Prozent zu verkraften.

Hinzu kommt aber auch ein hausgemachtes Probleme. Bei der britischen Tochter N-Power brach das Ergebnis um 60 Prozent auf 53 Millionen Euro ein. Dabei lief das Vertriebsgeschäft europaweit eigentlich gut. Es gebe aber „unerwartete operative und technische Probleme im britischen Vertriebsgeschäft“, teilte RWE mit. Das schmeckte den Anlegern gar nicht: Die Aktien des Versorgers rutschten um bis zu 3,3 Prozent auf 17,67 Euro, das ist der tiefste Stand seit mehr als zwölf Jahren. Im Dax waren sie damit der einzige Verlierer.

Kommentare (37)

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Account gelöscht!

13.08.2015, 08:11 Uhr

An den sog. deutschen Energieriesen sind im wesentlich auch die Öffentlichen Haushalte am Gewinn über ihre Anteile an den Konzernen beteiligt. Somit vernichtet die Energiepolitik in Deutschland mit dem EEG die eigenen Einnahmequellen für Städte, Kommunen und Bundesländern. Fällt nämlich der Gewinn so fallen auch die Dividenden für die Kommunen, Städte und Bundesländer und somit die Einnahmen der öffentlichen Hand und somit fehlen diese Einnahmen für Aufrechterhaltung in die deutsche Infrastruktur von Bund, Länder und Gemeinden.
Energiewende/EEG/Kernkraftausstiegzwang = erst kommt die Lüge, dann der Betrug/Selbstbetrug danach der Mangel und zum Schluss die Armut.

Herr Riesener Jr.

13.08.2015, 08:22 Uhr

Artikel: ".....Megawattstunde Strom, die kommendes Jahr geliefert werden soll, für gerade noch 30 Euro gehandelt." Das sind 3 cent pro kWh. Wir Endkunden bezahlen ungefähr 30 cent pro kWh.

Herr J.-Fr. Pella

13.08.2015, 08:24 Uhr

...soweit, so gut...
Etwas wesentliches hat man bei den Energieriesen vergessen,
Spare wenn es gut geht, dann hast Du in der Not.
deutscher Volksmund

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