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20.04.2016

11:32 Uhr

RWE-Hauptversammlung

Die Rebellion gegen Terium fällt aus

VonJürgen Flauger, Franz Hubik

Mit der Streichung der Dividende hatte RWE-Chef Peter Terium den Unmut der Aktionäre auf sich gezogen – vor allem der Kommunen. Sie hatten erwogen, ihm die Entlastung zu verweigern. Jetzt ist eine Entscheidung gefallen.

Wegen RWE-Dividendenstreichung

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Wegen RWE-Dividendenstreichung: Hebt Essen die Grundsteuer an?

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EssenAm 17. Februar war der Aufschrei im Ruhrgebiet groß. Völlig überraschend kündigte RWE per Ad-hoc-Mitteilung an, den Stammaktionären in diesem Jahr keine Dividende zu bezahlen. Bei vielen Kämmerern herrschte blankes Entsetzen. Sie hatten in ihren Haushalten zwar mit einer Kürzung kalkuliert, nicht aber mit einem Totalausfall. So etwas hatte es seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht gegeben.

Entsprechend erzürnt reagierten die kommunalen Aktionäre, die rund 24 Prozent der Aktien halten. Zwar mussten die vier Vertreter im Aufsichtsrat zähneknirschend zustimmen. Auf mehreren Regionalkonferenzen protestierten die Landräte und Bürgermeister aber – und sie erwogen eine Abstrafung von Konzernchef Terium. Sie planten, dem Konzernchef die Entlastung zu Verweigern.

Tumulte bei RWE-Versammlung: „Eure Zeit ist abgelaufen“

Tumulte bei RWE-Versammlung

„Eure Zeit ist abgelaufen“

Umweltschützer haben die Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE gekapert. Bei der Rede von Vorstandschef Peter Terium stürmten Demonstranten die Bühne. Terium reagierte schlagfertig auf den Vorfall.

Davon nehmen sie nach Informationen des Handelsblatts nun aber Abstand. Der Vorstand werde entlastet, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der kommunalen Aktionäre. Dies sei am Dienstag beschlossen worden. Terium kann damit der Hauptversammlung, die am Mittwoch um 10 Uhr in der Essener Grugahalle beginnt, also vergleichsweise entspannt entgegen sehen. Der Beschluss sei aber durchaus umstritten, hieß es in den Kreisen weiter. Es habe nach wie vor Vertreter gegeben, die Terium einen Denkzettel erteilen wollten.

Dafür hätten die Kommunen zunächst einen Gegenantrag stellen müssen, um den Vorstand nicht in Gänze, sondern einzeln zu entlasten. Anschließend hätten sie dann ihr Votum abgegeben müssen. Einen entsprechenden Gegenantrag hatten sie zwar nicht im Vorfeld gestellt, das wäre aber auch noch während der Hauptversammlung möglich gewesen. Einzelne Kommunen würden jetzt wohl dem Gesamtvorstand die Entlastung verweigern, hieß es in den Kreisen. Mehrheitlich würden sie aber der Entlastung zustimmen. „Wir werden keinen Krawall machen“, sagte einer der Geschäftsführer des Verbands der kommunalen Aktionäre (VKA), Ernst Gerlach, im WDR Hörfunk.

Das sind die größten Baustellen von RWE

RWE will durch eine Aufspaltung aus der Krise kommen

Der Energiekonzern RWE steckt in einer der schwersten Krisen seiner 117-jährigen Unternehmensgeschichte. Vorstandschef Peter Terium will den Versorger durch eine Aufspaltung des Ökostromgeschäftes sowie der Stromnetzen und des Vertriebs neu aufstellen. Zehn Prozent der neuen Gesellschaft sollen Ende 2016 an die Börse gebracht und neue Gesellschafter gewonnen werden. Der Mutterkonzern soll derweil Mehrheitseigner bleiben und sich künftig auf die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel konzentrieren. Was sind die größten Baustellen von RWE?

Der Gewinneinbruch setzt sich fort

RWE brechen wegen der fallenden Strom-Großhandelspreise die Gewinne weg. Die Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke, die früher die Kasse füllten, werden Konzernangaben zufolge womöglich bald nur noch ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. Im laufenden Jahr rechnet der Versorger insgesamt mit einem weiteren Schwund des operativen Ergebnisses (Ebitda) auf 6,1 bis 6,4 Milliarden Euro von 7,1 Milliarden im Jahr zuvor. 2009 waren es noch 9,1 Milliarden. 2013 hatte RWE nach hohen Abschreibungen auf seine Kraftwerke einen Nettoverlust von 2,8 Milliarden Euro verbucht.

Der Aktienkurs und der Börsenwert dümpeln im Tief

Der Aktienkurs befindet sich seit Jahren im Sinkflug. Er liegt bei rund elf Euro. Ende 2007 notierte das Papier bei fast 100 Euro. RWE ist an der Börse noch rund 6,6 Milliarden Euro Milliarden Euro wert. Im August waren es noch elf Milliarden. Der Konkurrent Eon kommt auf das Dreifache des aktuellen Marktwertes.

Hohe Schulden und die Lasten für die Zukunft

RWE drücken Schulden von 25,6 Milliarden Euro. Durch den Verkauf der Öl- und Gastochter Dea für mehr als fünf Milliarden Euro hatte der Versorger seine Schulden etwas reduziert. Auf den Konzern kommen aber durch den Atomausstieg und die Beseitigung der Braunkohletagebauschäden hohe Kosten zu. RWE will auch deshalb seine Kosten senken – bis 2017 um zwei Milliarden Euro.

Die Dividende schmilzt dahin

Die Aktionäre müssen sich auf einen weiteren Rückgang der Dividende gefasst machen. Gab es für das Geschäftsjahr 2008 noch 4,50 Euro, war es zuletzt ein Euro je Aktie. Vielen Kommunen, die knapp 24 Prozent an RWE halten, entgehen früher als sicher eingeschätzte Haushaltseinnahmen. Großaktionär ist der Finanzinvestor Blackrock mit gut fünf Prozent.

Die starke Abhängigkeit von der Kohle

RWE hat die Energiewende verschlafen und insbesondere unter Ex-Chef Jürgen Großmann lange auf Kohle und Atom gesetzt. 2014 erzeugte RWE die Hälfte seines Stroms aus Stein- und Braunkohle. Der Ökostromanteil lag bei knapp fünf Prozent. Die Ökosparte Innogy soll nach vielen Rückschlägen 2015 ihren Gewinn erhöhen.

Der Jobabbau geht weiter

Entlassungen von Beschäftigten dürften weitergehen. RWE hat derzeit knapp 59.000 Mitarbeiter nach früher über 70.000. In der Kraftwerkssparte droht der Wegfall von rund 1000 Jobs – betriebsbedingte Kündigungen sind nicht mehr ausgeschlossen.

Und bis zum Schluss hielten sich die Kommunen den Schritt auch offen. Vor zwei Wochen hatte sich der komplette RWE-Vorstand mit den Landräten und Bürgermeistern getroffen, um die Wogen zu glätten. In den vergangenen Tagen gab es noch einmal ein Treffen im kleineren Kreis.

Nach Informationen des Handelsblatts gab es am vergangenen Samstag ein Spitzentreffen, an dem der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Brandt, der Vorstand und die vier Vertreter der kommunalen Aktionäre im Aufsichtsrat teilnahmen. Dabei wurde ein Papier vereinbart, das den künftigen Umgang miteinander regeln soll. Unter anderem soll künftig auf mediale Alleingänge verzichtet werden.

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