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16.04.2014

15:10 Uhr

RWE-Hauptversammlung

„Wer ein Kraftwerk betreibt, hat ein Problem“

VonSebastian Schaal

RWE steckt in der Krise, doch ein Schuldiger ist gefunden: Subventionierter Solarstrom ist der Grund für den Milliardenverlust. Das bringt nicht nur den Konzern in Bedrängnis, sondern auch die Kommunen.

RWE-Chef Peter Terium steht unter Druck. Auf der Hauptversammlung in Essen musste er erklären, wie er künftig wieder profitabel wirtschaften will. dpa

RWE-Chef Peter Terium steht unter Druck. Auf der Hauptversammlung in Essen musste er erklären, wie er künftig wieder profitabel wirtschaften will.

Essen2,8 Milliarden Euro Verlust, der erste in der Nachkriegszeit. Der Gang für RWE-Chef Peter Terium zum Rednerpult auf der Hauptversammlung in der Essener Gruga-Halle ist kein einfacher. Er muss seinen Aktionären erklären, wieso Deutschlands zweitgrößter Energieversorger in die roten Zahlen gerutscht ist.

Zwar versucht der Niederländer, der seit Juli 2012 an der Spitze von RWE steht, mit einem Ausblick auf innovative Technologien zu Beginn seiner Rede von der Lage des Unternehmens ein wenig abzulenken. Doch nach einem kurzen Einspiel-Filmchen und einer Präsentation über vernetzte Heim-Technik kommt Terium schnell zum Wesentlichen, zu dem, was die versammelten Aktionäre interessiert: „Reden wir nicht drum herum: Die Lage ist sehr ernst.“

Hohe Schulden von mehr als 30 Milliarden Euro belasten die Bilanz, viele Investitionen in neue Gas- und Kohlekraftwerke zahlen sich nicht mehr aus. „Wer heutzutage in Westeuropa ein konventionelles Kraftwerk betreibt, hat ein Problem,“ sagt der RWE-Chef. Der Grund für das Problem: Stark subventionierter Solarstrom dränge Kohle- und Gaskraftwerke aus dem Markt.

Wieviel Erneuerbare die Energieversorger haben

RWE

Laut einer Studie, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace Ende Februar 2014 veröffentlichte, hat von RWE in Europa produzierter Strom einen Anteil von Wasserkraft von 2 Prozent und einen Anteil von anderen Erneuerbaren Energien von weiteren zwei Prozent. Die Zahl bezieht sich auf die tatsächlich erzeugte Strommenge, nicht auf die Kapazitäten.

Eon

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon produziert insgesamt drei Prozent seines in Europa hergestellten Stroms aus Erneuerbaren Energien inklusive Windkraft und steht damit im Vergleich schlechter da als Konkurrent RWE.

Vattenfall

Der schwedische Konkurrent Vattenfall produzierte insgesamt vier Prozent seines Stroms in Europa mithilfe regenerativer Energiequellen.

EnBW

EnBW steht im Vergleich der großen vier Energieversorger in Deutschland am schlechtesten da. Das Unternehmen gewinnt nur insgesamt zwei Prozent seines Stroms europaweit aus erneuerbaren Quellen.

„Solarstrom flutet die Netze. Strom aus Anlagen, die wegen des Einspeisevorrangs nicht im Wettbewerb stehen“, sagt Terium. „Daher verdienen unsere Kraftwerke deutlich weniger Geld. Und damit sind unsere Kraftwerke auch deutlich weniger wert.“ Das gelte auch insbesondere für die Niederlande. Hier wird RWE das quasi fabrikneue Gaskraftwerk Claus C wieder vom Netz nehmen – nach nicht einmal zwei Jahren im Betrieb. Der Bau des Kraftwerks, das ab 1. Juli unproduktiv in der Landschaft steht, hat mehr als eine Milliarde Euro gekostet.

Ein Blick auf die Strompreise verdeutlicht die Misere, in der die Energiekonzerne stecken: Im Dezember 2014 lag der Strompreis am deutschen Terminmarkt bei 45 Euro pro Megawattstunde. Dann fiel der Preis: Ende vergangener Woche waren es 33 Euro, ein Preisverfall von 27 Prozent in 15 Monaten. Unter diesem Effekt leiden alle Energiekonzerne, RWE jedoch besonders stark: 20 bis 30 Prozent seiner Kraftwerke decken nicht einmal mehr die laufenden Kosten. „Teilweise reichen die Einnahmen noch nicht einmal aus, um die Gehälter der Mannschaft vor Ort zu bezahlen“, klagt Terium.

Für das Geschäftsjahr 2013 will der Vorstand die Dividende auf einen Euro je Aktie halbieren. Das entlastet das Unternehmen um mehr als 600 Millionen Euro. Viel Geld, das aber auch an anderer Stelle fehlt: in den Haushalten vieler Städte. Den Kommunen, der mit rund 25 Prozent wichtigsten Aktionärsgruppe, schmerzt der Verzicht auf Millionendividenden sehr.

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Die sinkende Dividende und der rapide Wertverfall der Aktien – seit März 2011 ist der Kurs der Stammaktie um rund 40 Prozent gesunken – reißen immer tiefere Löcher in deren kommunale Haushalte. Vielen Ruhrgebietsstädten droht deshalb ein Finanzdesaster.

Kommentare (21)

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16.04.2014, 15:19 Uhr

Was ist eigentlich mit kosmischer Energie bzw. freier Raumenergie? ( Dr. Yoshiro Nakamats, Nikola Tesla )

Ist sie nicht gewollt, weil die Konzerne dann kein Geld mehr verdienen?

Prof. Dr. Claus W. Turtur Ostfalia Hochschule für Angewandte Wissenschaften Schreibt:

"Auch wenn ich die praktische Nutzung der neuen sauberen Energie der freien Raumenergie bereits erfolgreich im Labor nachweisen konnte - ich habe meine Forschungsarbeiten einstellen müssen. Das ist schade, denn die saubere Energie wäre für die Menschen eigentlich wichtig."

Warum MUSSTE Prof. Dr. Claus W. Turtur seine Arbeit einstellen???

Warum erfahren davon nichts in den privaten Konzernmedien?

Schöne Grüsse
freieenergie24 com

Account gelöscht!

16.04.2014, 15:28 Uhr

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Der CDU Mann Öttinger kennt die Zahlen ganz genau - hat sie aber absichtlich nicht veröffentlicht. Herr Öttinger EU Energiekommissar hat alle Energiesubventionen in Europa auflisten lassen. Die echten Zahlen aller 27 EU-Länder für 2011 sind. Erneuerbare 30 MRD. Nukleare Anlagen 35 MRD (ohne die Kosten für radioaktiven Müll) und 26 Milliarden für fossile Kraftwerke zusätzlich werden Kohle und Gas indirekt mit weiteren 40 MRD gefördert. Nachzulesen beim VDI unter www.ingenieuer.de. Die angebliche Übersubventionierung findet gar nicht statt. Kein einziger Airbus würde heute fliegen ohne eine EU Anfangsfinanzierung. Herr Pfeiffer weis genau dass China seine Solarbranche und Windbranche subventioniert. Bei der Windradindustrie sind wir von China und der USA überholt worden. Bei Photovoltaik spielen wir keine Rolle mehr und Solarthermie ist beinahe verschwunden. Die CDU und Deutschland und die Atomspaltungslobby sind nicht der Nabel der Welt, eine weltweite Energiewende findet statt auch ohne Deutschland. Es ist die neue Schlüsselindustrie. Wenn Peking seinen Einwohnern "By Local" verordnet, kollabiert auch unsere Autobranche. Dann könnten wir in China und Korea kaufen - wenn wir noch das Geld dazu hätten.

Account gelöscht!

16.04.2014, 15:43 Uhr

„Da Gas heutzutage ausreichend an der Börse beschafft werden kann, hat der Zugang zu eigenen Gasquellen keine strategische Bedeutung mehr“

Ob es so weise war die Ingenieure an der Spitze zu ersetzen ?
Oder habe ich was verpasst und Gasfelder und Pipelines wurden
durch die Boerse ueberfluessig ?

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